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„Scheiß auf Rote Karte“: Bei Schult flossen zweimal Tränen

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Almuth Schult
Nach der Roten Karten flossen die Tränen bei VfL-Torhüterin Almuth Schult zum ersten Mal. © Marcel Kusch

Im erst vierten Spiel nach ihrer zweijährigen Baby- und Verletzungspause wurde Nationaltorhüterin Almuth Schult unfreiwillig zu einer Hauptdarstellerin. Ihre Mitspielerinnen retteten ihr im Pokalfinale aber den Abend.

Köln (dpa) - Die Tränen der Wut und des Frusts waren gerade getrocknet, da flossen bei Almuth Schult die Freudentränen.

Bei der Siegerehrung nach dem DFB-Pokalfinale trug die Nationaltorhüterin des VfL Wolfsburg das Trikot der vor zwei Wochen aus persönlichen Gründen nach Norwegen zurückgekehrten Karina Saevik. Dann gab sie bei der Humba die Vorsängerin und sang „Scheiß auf Rote Karte“.

Es war die erste ihrer Karriere, die Schult in der 96. Minute des bis dahin torlosen Pokal-Endspiels gegen Eintracht Frankfurt bekommen hatte. Und um ein Haar wäre sie damit im erst vierten Spiel nach ihrer zweijährigen Baby- und Verletzungspause zur tragischen Figur geworden. Doch ihre Kolleginnen rissen es beim 1:0 nach Verlängerung für sie raus. „Für mich war es sehr emotional“, sagte die 30-Jährige der „Bild“. „Wenn man der Mannschaft so schadet und trotzdem gewinnt.“

Aushängeschild des Frauen-Fußballs

Während ihrer zweijährigen Pause hat Schult ihre nun 13 Monate alten Zwillinge zur Welt gebracht. Sie hat sich aber auch im Fußball-Geschäft positioniert. Längst ist sie die mit Abstand prominenteste deutsche Spielerin. Ein Aushängeschild des Frauen-Fußballs. Und nicht mehr auf diesen begrenzt.

Dass sie nach der Geburt die Rückkehr zur Nummer 1 geschafft hat, ist schon Vorbild genug. Doch Schult macht auch Schlagzeilen als erste ARD-Expertin bei der EM der Männer im Sommer. Und als eine von neun Frauen, die mit der Initiative „Fußball kann mehr“ für Aufmerksamkeit gesorgt haben. Darin fordern die Initiatorinnen „klare Regeln im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit im deutschen Fußball“. Auf die Frage, ob sie sich sogar ein Amt wie das einer DFB-Präsidentin zutraue, hatte Schult in einem am Morgen vor dem Finale erschienenen „Bild“-Interview gesagt: „Ja, grundsätzlich schon.“

An all das wird sie am Sonntag in Köln nicht gedacht haben, als sie mit feuchten Augen auf der Tribüne kauernd die 25 Minuten nach ihrem Ausschluss verfolgte. Doch ein „ausgerechnet“ in jeder Berichterstattung wäre ihr bei einer Niederlage sicher gewesen. Nach dem Sieg sei Schult „emotional sehr berührt gewesen“, sagte Trainer Stephan Lerch: „Ich habe sie in den Arm genommen und ihr gesagt, dass ja alles gut gegangen ist.“

Die Mannschaft habe nach dem Platzverweis in der Verlängerung „nicht mehr viel im Tank“ gehabt, gab Lerch zu: „Aber sie ist aufgestanden und hat mit einer Jetzt-erst-recht-Mentalität die letzten Prozent rausgeholt. Nicht nur, aber auch für Almuth.“

Kein neuer Vertrag für Goeßling

Zu den Spielerinnen, die das geschafft haben, gehörte Lena Goeßling nicht. Die Olympiasiegerin hatte im Januar gesagt bekommen, dass sie nach zehn Jahren keinen neuen Vertrag beim VfL erhält, was ihr durchaus naheging. Der ursprüngliche Plan war, noch zwei Jahre weiterzuspielen. Frankfurt galt als Kandidat. Doch unter der Woche erklärte die 35-Jährige im NDR, dass sie sich „mittlerweile nicht mehr so sicher“ sei.

Dass sie im möglicherweise vorletzten Spiel ihrer Karriere 120 Minuten draußen saß, verdarb ihr sichtlich ein wenig die Feierstimmung. Als ihre Mitspielerinnen auf dem Rasen noch sangen und tobten, stand Goeßling mit Ex-Kollegin Merle Frohms in einer anderen Ecke, stieß mit einem Bier an und unterhielt sich.

© dpa-infocom, dpa:210531-99-803879/2

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