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Löw & Kimmich gegen Katar-Boykott - Fan-Kritik an DFB

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Bundestrainer Löw
Bundestrainer Joachim Löw blickt während einer Pressekonferenz in die Runde. © Marius Becker

Joachim Löw und Joshua Kimmich beziehen in der Debatte um den umstrittenen WM-Gastgeber Katar klare Positionen. Einen Boykott lehnen beide ab. Den Mund verbieten lassen wollen sie sich aber nicht.

Bukarest (dpa) - Von den kritischen Kommentaren im Internet lassen sich Joachim Löw und Joshua Kimmich in der weiter heiß diskutierten Katar-Frage nicht irritieren.

Der Bundestrainer und sein gesellschaftlich schon lange engagierter Führungsspieler beziehen unverändert klare Positionen: WM-Boykott, nein! Aber freie Meinungsäußerung zu allen Menschenrechtsfragen, auch wenn es der FIFA oder den Turnierveranstaltern im Emirat am Golf nicht gefällt.

«Ein Boykott hilft niemandem. Man kann mit so einem Turnier Aufmerksamkeit in der ganzen Welt erzeugen und Dinge in die richtige Richtung bringen», sagte Löw vor dem WM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft in Rumänien am Sonntagabend. Auch Kimmich postulierte eindeutig: «Jetzt muss man die Gelegenheit nutzen, aufmerksam zu machen.» Der Fußball habe die nötige «Strahlkraft», meint der 26 Jahre alte Bayern-Profi.

Löw wird in der Adventszeit 2022, wenn der nächste Weltmeister trotz der nun von den Fußballern aus Norwegen, den Niederlanden und auch Deutschland aufkommenden Kritik in Katar ermittelt wird, nicht mehr im Amt sein. Ein politischer Bundestrainer, der über die sportlichen Themen hinaus seine Meinung vertritt, bleibt er aber auch in seinen letzten Monaten im Amt.

Daher wurmt es den 61-Jährigen auch, dass in der Social-Media-Blase seine Nationalspieler im Nachklang ihrer T-Shirt-Aktion mit dem Schriftzug Human Right's (Menschenrechte) vor dem Island-Spiel als Pharisäer tituliert werden. Vehement setzte Löw zur Verteidigungsrede an. Wenn jemand denke, dass sich Spieler wie Manuel Neuer oder Ilkay Gündogan «aus Marketingzwecken vor einen Karren spannen» ließen, der «irre gewaltig», sagte der Bundestrainer.

Kern der Aufregung war ein vom Deutschen Fußball-Bund unter dem Titel «Making of.. #HUMANRIGHTS» veröffentlichter Video-Clip, in dem unter anderen Neuer, Gündogan und Leroy Sané ihre schwarzen T-Shirts mit Buchstaben in weißer Farbe bemalen. Der Vorwurf lautet: Der gute Grundgedanke der Aktion werde durch ein Marketingvideo verwässert und beschädigt, wie mehrere Nutzer im Internet äußerten.

Die aktuelle Nationalspieler-Generation denke grundsätzlich über den Fußball hinaus, versicherte Löw. «Weil ich weiß, dass unsere Spieler für alles, was neben dem Platz ist und in der Welt passiert, diese Werte vorleben.» Der Bundestrainer versicherte auch, die Aktion sei «aus Eigeninitiative» der Spieler entstanden und nicht wie behauptet auf Geheiß des Verbandes. «Nicht alles, was beim DFB oder der Nationalmannschaft passiert, ist negativ», bemerkte Löw spitz.

In der jüngeren Vergangenheit war der DFB mehrfach gerade für öffentlichkeitswirksame Aktionen öffentlich hart angegangen worden. Diesmal wurde vielfach auch eine Doppelmoral unterstellt, da zum Beispiel die Bayern-Spieler bei ihrem Club Werbung für die Fluglinie aus Katar machen und in Doha regelmäßig ihr Trainingslager abhalten.

Kimmich würde das Katar-Logo auf seinem Club-Shirt kaum mit weißer Farbe übermalen. Auch Löw stand in seiner Rekord-Amtszeit an der Seitenlinie, als die DFB-Elf 2009 in China spielte oder sich gegen Saudi-Arabien 2018 auf die ebenfalls umstrittene Russland-WM vorbereitete. Seine Position damals wie heute: Mit dem Fußball könne man die Menschenrechte in den Fokus rücken. Mit seiner Katar-Position liegt Löw auf der auch von Amnesty International vertretenen Linie.

In der Generation um Kimmich und Leon Goretzka hat Löw Spieler um sich, die sich öffentlich positionieren. Und sich mit Politik beschäftigen. «Generell bin ich der Meinung, dass wir für einen Boykott zehn Jahre zu spät dran sind», sagte Kimmich in Bukarest.

Der 26-Jährige spielte damit pointiert auf die skandalumwitterte WM-Vergabe im Dezember 2010 an. Die Katar-WM ist für die FIFA die letzte große Altlast aus der Zeit des Ex-Präsidenten Joseph Blatter. Sein Nachfolger Gianni Infantino sah es nicht als seine Aufgabe an, die Entscheidung des damaligen FIFA-Exekutivkomitees um Franz Beckenbauer zu korrigieren.

In der aktuellen Debatte hält der Weltverband noch still und wendet seine klaren Regularien, die politische Statements bei Spielen verbieten, nicht an. In Zürich wie in Doha weiß man, dass eine Intervention einen stärkeren Sturm der Entrüstung provozieren würde. Noch taucht das Wort Katar auch auf keinem Spieler-Outfit auf. Die niederländische Auswahl gab mit dem T-Shirt-Slogan «Football Supports Change» («Fußball unterstützt Wandel») beim Qualifikationsspiel am Samstagabend gegen Lettland ihre Botschaft ab.

Die Norweger um BVB-Profi Erling Haaland als Treiber der Proteste legten mit dem Schriftzug «Human rights - On and off the pitch» (Menschenrechte - auf und neben dem Platz) nach. Außerdem waren Norwegen und Deutschland in den sozialen Medien mit einem Haken versehen, darunter stand «Next?» - wer folgt als nächstes? Kimmich wünscht sich ohnehin eine breitere gesellschaftliche Front. «Im Fußball hat man die Chance, auf Dinge hinzuweisen. Da sehe ich nicht nur uns in der Pflicht, sondern auch andere Teile der Bevölkerung.»

© dpa-infocom, dpa:210327-99-996066/7

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