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Augsburgs letzte Hoffnung: Weinzierl hat „große Lust“

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Markus Weinzierl
War schon einmal Trainer beim FC Augsburg: Markus Weinzierl. © Tom Weller

Die Zeit von Heiko Herrlich als Trainer des FC Augsburg ist schon wieder vorbei. Rückkehrer Markus Weinzierl soll den Bundesligisten vor dem drohenden Absturz retten. Ist er die richtige Wahl?

Augsburg (dpa) - Der Ärger von einst ist längst vergessen. Fast fünf Jahre nach seinem Abschied mit Störgeräuschen soll Markus Weinzierl (46) den FC Augsburg vor dem Absturz aus der Bundesliga retten.

Aus Angst vor dem ersten Abstieg nach inzwischen einem Jahrzehnt in der deutschen Eliteklasse trennte sich der FCA von Trainer Heiko Herrlich (49) und holte den früheren Erfolgscoach aus der Joblosigkeit zurück. Zunächst hatte die „Augsburger Allgemeine“ darüber berichtet.

„Ich habe dem Verein viel zu verdanken und möchte den FCA wieder in die Erfolgsspur führen“, erklärte Weinzierl und unterschrieb im dunklen Sakko einen Vertrag bis zum 30. Juni 2022. Überzeugt sei er zudem, dass man den Klassenerhalt „gemeinsam erreichen“ werde.

Weinzierl und die Fuggerstädter verbindet eine besondere Beziehung. Als Nachfolger von Jos Luhukay hatte der Straubinger den Verein zur Saison 2012/13 übernommen. Trotz einer katastrophalen Hinrunde mit nur neun Punkten hielt die Führungsspitze um den damals frisch geholten Reuter an ihm fest - es zahlte sich aus. Nach 24 Zählern in einer furiosen Rückserie hielten die Augsburger die Klasse.

Der frühere Amateurspieler des FC Bayern führte den Club dann 2014/15 sogar sensationell auf die internationale Bühne. Unter dem selbstironischen Motto „In Europa kennt uns keine Sau“ tourte der FCA durch die Europa League, erst in der Zwischenrunde erwies sich Jürgen Klopps FC Liverpool als zu stark.

Weinzierl war längst ein Trainer-Shootingstar und wollte höher hinaus. Erst nach wochenlangem Vertragspoker und der Zahlung der damaligen Rekordsumme von angeblich drei Millionen Euro Ablöse ließ der FC Augsburg seinen Coach im Sommer 2016 zum FC Schalke 04 ziehen. Als „enttäuschend und unglücklich“ hatte Reuter damals den Abgang bezeichnet. Eine nachgeholte Verabschiedung oder Blumen für Weinzierl gab es nicht. Der kleine Frust legte sich aber schnell wieder.

„Ich freue mich riesig, wieder mit Stefan Reuter und der Mannschaft zusammenzuarbeiten und an die erfolgreichen gemeinsamen Jahre anknüpfen zu können“, befand Weinzierl, der vom früheren „Löwen“-Coach Reiner Maurer unterstützt wird.

Er scheiterte auf Schalke nach einer Saison und ramponierte sich später mit einer missratenen Sechs-Monats-Rettungsmission beim VfB Stuttgart endgültig den einst hervorragenden Ruf. Die Rückkehr nach Augsburg soll auch seiner Karriere wieder Schub verleihen. Kurioserweise trifft der FCA nach der Mini-Pause am 7. Mai gleich auf den VfB, dann warten Werder Bremen und der FC Bayern München.

Reuter bedankte sich bei Herrlich - die Wende traute er ihm nicht mehr zu. „Uns hat am Ende aber der Glaube gefehlt, die restlichen Spiele in der bisherigen Konstellation erfolgreich zu gestalten“, erklärte der Manager, der am Wochenende „ausführliche und sehr gute Gespräche“ mit Weinzierl geführt hat. Der neue Alte sei „der absolut richtige Trainer für die jetzige Situation“ und habe „enorm große Lust“, wieder beim FC Augsburg zu arbeiten.

Für Herrlich endet indes ein etwas bizarres Kapitel. Als Nachfolger von Martin Schmidt im März 2020 musste der frühere Nationalstürmer schon wegen der Corona-Pandemie auf sein Debüt warten - und dann noch ein bisschen länger. So plauderte er freimütig über einen Einkaufsausflug für Zahnpasta sowie Hautcreme während der Quarantäne-Woche und handelte sich damit eine Zwangspause ein.

Mit einer Videokeller-Schelte sorgte Herrlich wenige Wochen später wieder für Zoff. Den FC Augsburg hielt er zwar in der Bundesliga, von einer spielerischen Entwicklung war beim Verein in dieser Saison aber viel zu selten etwas zu sehen. Nach vier sieglosen Partien inklusive einer in der ersten Hälfte gegen den 1. FC Köln (2:3) „erschreckenden“ Leistung, wie Reuter es ausdrückte, berieten die Bosse und beurlaubten schließlich Herrlich.

„Es war für mich heute kein einfacher Tag. Aber ich muss die Entscheidung des FCA akzeptieren“, erklärte Herrlich später. „Mein Fazit fällt dennoch positiv aus: Ich kann guten Gewissens meine Mannschaft auf einem Nichtabstiegsplatz abgeben. Meine Zeit beim FC Augsburg war intensiv und erfolgreich.“ Zudem sei er überzeugt davon, „dass der FCA mit mir die Klasse gehalten hätte.“

Weinzierl nimmt am 27. April seinen Job auf. Sein dickes Plus vor den finalen Wochen ist die Vertrautheit mit dem ruhigen Umfeld und das kleine Polster: Vier Zähler Vorsprung hat der FCA noch auf die Kölner auf Relegationsplatz 16. Beruhigend ist das aber nicht.

© dpa-infocom, dpa:210426-99-354677/9

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