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Selbstzweifel, psychologische Hilfe: Vettel offenbart sich - „Kann ich meinen Job noch?“

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Von: Marius Epp

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Sebastian Vettel bricht mit einem Tabu im Profisport: Er spricht offen über die eigene Schwäche und Selbstzweifel. Er nahm psychologische Hilfe in Anspruch.

Zandvoort - „Kann ich meinen Job noch?“ Diese Frage stellte sich Sebastian Vettel. Im Aston Martin fand der Heppenheimer nie sein sportliches Glück. In einem Interview mit der Zeit gibt er einen Einblick in die vergangenen Jahre, die letztlich zum Entschluss des Karriereendes geführt haben.

Selbstzweifel plagten den 35-Jährigen vor allem im Spätherbst seiner Karriere, als die Dinge nicht mehr wie am Schnürchen liefen. Zu zweifeln begonnen habe er vor zwei Jahren. „Als es hier bei Aston Martin überhaupt nicht lief, fragte ich mich: Kann ich meinen Job überhaupt noch? Über sowas redet man ja als Profi nicht, irgendwie scheint das verpönt zu sein“, sagt Vettel.

Sebastian Vettel holte psychologische Hilfe: „Nichts, wofür man sich schämen muss“

Vor dem Großen Preis der Niederlande verriet er, dass er in seiner Karriere schon einmal psychologische Hilfe in Anspruch genommen hat. „Das ist nichts, wofür man sich schämen muss.“ Wie fast alle Sportler, die im Rampenlicht stehen, vermied es auch Vettel in den letzten Jahren, öffentlich Schwäche zu zeigen. Wer ihn vor einem oder zwei Jahren nach Selbstzweifeln fragte, bekam stets eine ähnliche Antwort: Ich bin noch gut genug, ich möchte Rennen gewinnen. Heute spricht Vettel offener darüber.

Sebastian Vettel bei einer Pressekonferenz.
Sebastian Vettel hat nicht immer zu 100 Prozent an sich geglaubt. © JOHN THYS/AFP

„Persönliche Schwäche und Gedanken darüber gehören doch zur Leistung und auch zum Erfolg dazu. Zumindest für diese Erkenntnis waren die vergangenen beiden Jahre für mich Gold wert“, reflektiert der viermalige Formel-1-Weltmeister. „Bis 2013 habe ich darüber nicht nachgedacht, da lief alles perfekt.“ An seine vier Weltmeistertitel mit Red Bull konnte er nie wieder anknüpfen.

Sebastian Vettel verlässt die Formel 1: „Weiß nicht, ob ich mit dem Leben danach klarkomme“

Warum nicht? „2014 kam der erste Dämpfer. Die Autos waren anders zu fahren, Automatikbauteile nahmen den Fahrern viele Entscheidungen ab, das gefiel mir nicht“, erklärt er. Bei Ferrari scheiterte er dann mehrfach knapp am fünften WM-Titel.

In den Jahren darauf wuchs neben dem Rennfahrer ein zweiter Vettel heran: Der Familienvater, der Umweltschützer. Bald verlässt er die Formel 1. „Natürlich frage ich mich, ob ich mit dem Leben danach klarkomme oder ob mir etwas fehlen wird. Vielleicht werde ich dieses Rennen nicht gewinnen, vielleicht noch nicht mal zu Ende fahren. Ich weiß es nicht“, sagt er. (epp)

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