1. Mannheim24
  2. Service
  3. Wetter

Erdbeben in Baden-Württemberg: Anwohner unter Schock – „Bin jetzt noch am Zittern“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Tobias Becker

Baden-Württemberg - Mehrere Erdbeben haben Teile des Landes erschüttert. Anwohner berichten über „Mega-Erdbeben“. Ein Experte gibt Tipps.

Stellt Euch vor, ihr sitzt beim Mittagessen und plötzlich wackelt alles. Das Wasser im Glas erzeugt Wellen, der Teller mit der Suppe wandert Richtung Tischrand und auch Ihr merkt eine Vibration. So ergeht es am Montag vielen Menschen in Baden-Württemberg, denn: Es gab ein spürbares Erdbeben!

Zweimal bebt es am Montagmorgen bei Albstadt, zweimal kurz hintereinander am Mittag. Um 12:36 Uhr und zwei Minuten später spürten Bewohner der Zollernalb bei Balingen (rund 200 Kilometer südöstlich von Heidelberg) das Erdbeben. Im Epizentrum, also der Stelle, an der die Erdbebenwellen am schnellsten eintreffen, gibt es einen lauten Knall. Immerhin sind bisher keine Schäden bekannt.

Erdbeben in Baden-Württemberg 2021(Stand: 14. September)
erfasste Erdbeben 2021rund 360
davon spürbare Erdbeben 2021rund 20 bis 40
Stärke des Erdbebens auf der Zollernalbmaximal 3,3

Die Erdbeben in Baden-Württemberg wurden vom Landeserdbebendienst gemessen und hatten auf der Richterskala Stärken von 2,5 und 3,3. Heißt: Sie wurden zwar deutlich wahrgenommen, vor allem rund um das Epizentrum, waren aber dennoch eher schwach. „Es war in einem Umkreis von rund 20 Kilometer um das Epizentrum zu spüren. Aber bei einer solchen Magnitude zählt es als schwaches Erdbeben. Ab einer Stärke von 3,5 sind auch größere Schäden möglich“, erklärt Stefan Stange, Leiter des Landeserdbebendienstes Baden-Württemberg, gegenüber HEIDELBERG24.

Experte klärt auf: So häufig sind Erdbeben in Baden-Württemberg!

Die Anwohner berichten unter anderem in den Sozialen Netzwerken von „heftigen Erdbeben“ und „Mega-Erdbeben“. Beim SWR berichtet eine Hörerin: „Das war ganz fürchterlich. Ich bin jetzt auch noch am Zittern.“ Zwar waren es schwache Erdbeben, jedoch sei diese Wahrnehmung normal. Erdbeben-Experte Stange: „Bei solchen Erdbeben wird sehr viel von Geräuschen berichtet. Es rumpelt und donnert, Geschirr klappert im Schrank. Man kann auch beobachten, dass Lampen pendeln oder das Glas Wasser zittert.“

Für Baden-Württemberg sind solche Erdbeben jedoch keine Seltenheit,* wie auch bw24.de berichtet. Alleine 2021 hat der Landeserdbebendienst bisher 360 Erdbeben registriert. Die meisten davon waren so schwach, dass es, wenn überhaupt, nur vereinzelte Wahrnehmungen gab. Rund 20 Erdbeben fielen größer aus, allerdings meist ohne Schäden.

Baden-Württemberg: Land ist „Erdbeben-Hochburg“ von Deutschland

Dabei ist Baden-Württemberg die „Erdbeben-Hochburg“ in Deutschland! Stange: „Es gibt eine Einteilung in Erdbebenzonen in Deutschland. Die Zonen mit der höchsten Erdbebengefährdung sind auf der Zollernalb und am südlichen Oberrhein, also in der Region Lörrach. Dort wird am häufigsten mit Erdbeben gerechnet. Ansonsten gilt auch Aachen in NRW als Erdbebengebiet.“ Aber: Auch in anderen Teilen Deutschlands, wie Speyer in Rheinland-Pfalz, kann es Erdbeben geben. Die letzten großen Erdbeben liegen jedoch schon ein paar Jahre zurück.

Baden-Württemberg: Das waren die größten Erdbeben der letzten Jahrzehnte

Das stärkste Erdbeben in Baden-Württemberg gab es wohl 1978. Damals wurde die Höhe der Schäden auf rund 250 Millionen Deutsche Mark beziffert. Das Erdbeben bei Albstadt erreichte eine Magnitude von 5,7, dauerte rund zwei Sekunden und war im Umkreis von rund 400 Kilometern zu spüren. Glück im Unglück: Da das Erdbeben am frühen Morgen auftrat, waren wenige Menschen auf den Straßen unterwegs.

Das wohl größte Erdbeben in Deutschland gab es 1992 im Raum Aachen, bei Roermond. Knapp 12 Sekunden haben die Menschen das Beben gespürt, das eine Magnitude (Stärke) von 5,9 erreichte. Dabei wurden auch 30 Menschen verletzt, meist von herabfallenden Dachziegeln. Aber kann es solche Erdbeben heute auch noch geben?

Eine Frau schaut in ein Zimmer der teilweise beschädigten Burg Hohenzollern.
Bei dem Erdbeben am 03. September 1978 wurde auch die Burg Hohenzollern teilweise beschädigt. © Karl Staedele/dpa

Experte Stange zu HEIDELBERG24: „Die Erdbebenzonen bestehen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass so etwas wieder auftritt.“ Allerdings sei die Gefahr im internationalen Vergleich, zum Beispiel mit Italien, geringer. „Die Erdbeben hierzulande sind meist geringer und treten seltener auf“, so Stefan Stange vom Landeserdbebendienst Baden-Württemberg.

Erdbeben in Baden-Württemberg: So schützt Ihr Euch - Experte gibt Tipps

Falls es doch zu stärkeren, spürbaren Erdbeben kommt, hat Stange auch noch einen Tipp: „Nicht rauslaufen!“ Die Bausubstanz in Deutschland ist recht gut, weshalb man nicht damit rechnen muss, dass ein Haus einstürzt. Stange: „Die größte Gefahr geht von herabfallenden Gegenständen aus, wie Dachziegeln oder Regalen in der Wohnung.“ Stabile Tische und Türrahmen sind gute Aufenthaltsorte. Mitten im Raum sollte man hingegen nicht stehen. Wenn man ohnehin draußen ist, dann sollte man, wenn möglich, auch draußen bleiben und von Häusern Abstand halten.

Und: Wer ein Erdbeben spürt, kann das über erdbeben.led-bw.de melden und eintragen. So wird die Erfassung und Forschung gefördert. Auf der Seite des Landeserdbebendienstes Baden-Württemberg kann sich jeder über Erdbeben informieren. Die Menschen in und um Albstadt sind an diesem Montag mit dem Schrecken davon gekommen... *HEIDELBERG24 und bw24.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare