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Mannheim: Ticket-Wucher! VRN erhöht Preise – So teuer wird‘s für Kunden

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Von: Marten Kopf

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Die Preise für Bus-und Bahntickets sollen durchschnittlich um 2,42 Prozent angehoben werden.
Ab 2022 passt der VRN seine Tarife an (Archivbild) © MANNHEIM24

Mannheim - Bus- und Bahnfahrer sind Erhöhungen der Ticketpreise gewohnt. Zum Jahreswechsel ist es wieder so weit. Doch diesmal soll gleich das ganze Ticketsystem neu strukturiert werden:

Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) wird zum neuen Jahr seine Tarife anpassen – und in diesem Zuge an vielen Stellen gleich auch reformieren. Damit soll zum einen rückläufigen Fahrgastzahlen entgegengewirkt, zum anderen der mittlerweile in die Jahre gekommene Wabentarif angepasst werden. Anfang 2021 hatte es Corona-bedingt keine Tarifanpassungen gegeben, zum Jahreswechsel auf 2022 sollen die Ticketpreise nun um durchschnittlich 3 Prozent angehoben werden. Dafür will man Kunden jetzt ein transparenteres Preissystem mit Angeboten zu jeweils günstigeren Alternativen bieten.

Statt knapp 332 Millionen Euro im Jahr 2019 wird der VRN zum Ende dieses Jahres voraussichtlich nur rund 264 Millionen Euro erwirtschaften, wie Mannheims Erster Bürgermeister Christian Specht, gleichzeitig Vorsitzender des Zweckverbandes Rhein-Neckar, VRN-Geschäftsführer Volkhard Malik und Christian Volz als Vorsitzender der Versammlung der Verbundunternehmen in einem Mediengespräch in Mannheim bekanntgeben. Schuld daran sind vor allem der Lockdown im April 2020 und der damit verbundene Trend zum Homeoffice. Zwar steigen die Fahrgastzahlen inzwischen wieder, trotz allem liegen sie immer noch gut 20 Prozent unter dem Wert von 2019.

Busse und Bahnen im VRN: Weniger Wabe, mehr Luftlinie

Tatsächlich treibt das Preisgefüge mitunter seltsame Blüten: So kann es je nach Entfernung etwa günstiger sein, ein Tages-Ticket für das gesamte VRN-Gebiet zu erwerben als einfach Hin- und Rückfahrt zu buchen. Auf die Idee, eben das zu überprüfen und die Preise für Einzel- und Tageskarte zu vergleichen, muss der Kunde am Fahrkartenautomaten aber erstmal kommen, auf den günstigeren Tagestarif hingewiesen wird er nämlich nicht. Mal davon abgesehen, dass viele Bahnfahrer die Tageskarte gar nicht erst in Erwägung ziehen, weil sie über Hin- und Rückfahrt zum und vom angestrebten Ziel hinaus schlicht keine weiteren Fahrten geplant haben.

Einige nur von kleinen Kundengruppen genutzte Angebote werden nun wegfallen, besonders häufig genutzte dagegen sollen bei der Umstrukturierung erhalten bleiben: Die in der Rhein-Neckar-Region weit verbreiteten Jahreskarten für das komplette VRN-Gebiet wie das „Job-Ticket“, die „Karte ab 60“ oder das „Rhein-Neckar-Ticket“ wird es auch weiterhin geben. Ab kommendem Jahr soll aber der Luftlinientarif verstärkt in den Vordergrund rücken und gleichberechtigt neben dem Wabentarif stehen. Zu diesem Zweck wird es beispielsweise ein neues „Rhein-Neckar-Ticket Flex“ geben, das nur digital erhältlich ist, weniger kostet als das reguläre Rhein-Neckar-Ticket, dafür aber nur an acht Werktagen im Monat gilt. Hinzu kommt außerdem ein neues Kurzstrecken-Ticket.

Verkehrsverbund Rhein-Neckar: Luftlinientarif nur per App

Im Luftlinientarif, der nur die reine gefahrene Kilometerzahl abrechnet, wird zukünftig die Mitnahme von vier Personen zu vergünstigtem Preis möglich sein, auch die Tages-Tickets werden neu organisiert. „Der Luftlinientarif, den wir in den letzten Jahren erprobt haben, wird jetzt neben dem Wabentarif ein gleichberechtigtes System der Preisberechnung. Und die Abrechnung zum Bestpreis vergleicht zum ersten Mal die Preise beider Systeme, so dass der Kunde jeweils den günstigsten Preis zahlt“, so Geschäftsführer Malik.

Einziges Manko: Im neuen Tarif garantieren nur die Apps „eTarif“ und „Tickin“ immer den besten Preis, bei anderen Handy-Ticket-Apps ist dies bei Auswahl der Bestpreisfunktion der Fall. Am Automaten wird man sich dagegen wohl vergeblich nach einer solchen Bestpreisfunktion umsehen – man braucht also sein Smartphone, um auch garantiert das jeweils günstigste Ticket zu nutzen. (mko)

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