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Ticket-Schock im ÖPNV – VRN verteidigt Preisanstieg bei Fahrkarten

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Von: Peter Kiefer

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Mannheim - Zum 1. Januar 2023 werden die VRN-Tarife „angepasst“ – sprich teurer! So rechtfertigt der Verkehrs-Riese die Preiserhöhungen seiner Fahrkarten:

Alles wird in aktuellen Krisenzeiten deutlich teurer – so auch der ÖPNV in der Region Rhein-Neckar ab 2023. Daher werden zum Jahreswechsel gerne bundes- und landesweit die Preisanpassungen der Verkehrsverbünde verglichen. Der Vergleich der Tarifanpassungsquoten zum Jahreswechsel allein sei laut Verkehrsverbund Rhein-Neckar GmbH (VRN) mit Sitz in Mannheim jedoch nicht aussagekräftig.

Tickets im VRN trotz Erhöhungen günstiger als andere Verkehrsverbünde in BW

Der VRN wird im aktuellen Ranking als „Rekordhalter“ im negativen Sinn dargestellt. Diese Berichterstattung ist insofern unsachlich, als sie allein auf die aktuelle Preisanpassungsrunde abstellt und die Entwicklung der letzten drei Pandemiejahre und das grundsätzliche Preisniveau völlig ausblendet.

Im Unterschied zu vielen anderen Verkehrsverbünden wurden die Fahrpreise im VRN zu Beginn des Jahres 2021 pandemiebedingt nicht angehoben. Außerdem hat er anders wie etwa der Rhein-Main-Verkehrsverbund 2022 keine unterjährige zusätzliche Tariferhöhung vorgenommen. Seit Ausbruch der Pandemie im März 2020 sind etwa im HNV (Heilbronn) die Fahrpreise um durchschnittlich 10,36 Prozent und im VVS (Stuttgart) um 10,06 Prozent angehoben worden. Mit durchschnittlich 11,83 Prozent liegt der VRN also durchaus im Durchschnitt der Verkehrsverbünde in Baden-Württemberg.

Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar erhöht zum 1. Januar 2023 seine Preise.
Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar erhöht zum 1. Januar 2023 seine Preise. (Symbolfoto) © Uwe Anspach/dpa

Die zum 1. Januar 2023 beschlossene Erhöhung der Fahrpreise im VRN um durchschnittlich 8,83 Prozent ist eine Maßnahme, die dazu beiträgt, die extremen Kostensteigerungen der Verkehrsunternehmen im Bereich der Energie- und Lohnkosten aufzufangen und das bestehende Verkehrsleistungsangebot im Verbund aufrecht erhalten zu können.

VRN-Vorsitzender rechtfertigt Tariferhöhungen

Mannheims Erster Bürgermeister Christian Specht (CDU), VRN-Vorsitzender, wirbt gegenüber der dpa um Verständnis für teurere Fahrscheine: „Wir sind uns bewusst, dass die Qualität des ÖPNV aktuell aufgrund des Ersatzteilmangels und eines hohen Krankenstandes nicht zufriedenstellend ist“. Zur Erinnerung: Aktuell rollt der ÖPNV in Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen mit deutlich reduzierten Fahrplänen.

Dennoch sei eine Anpassung der Tarife existenziell, da der Nahverkehr stark vom Preisanstieg bei Energie und Material betroffen sei. Er befürchte auch Belastungen aus dem geplanten 49-Euro-Ticket. Schon jetzt deute sich an, dass die von Bund und Ländern für dessen Finanzierung bereitgestellten 3 Milliarden Euro nicht ausreichen.

Im Vergleich zu anderen Ballungsräumen wie bspw. den Regionen Stuttgart oder Frankfurt sind die Fahrpreise im VRN insbesondere im Bereich der Jahreskartenangebote für Berufspendler und Schüler, die von dem überwiegenden Teil der Fahrgäste genutzt werden, auch nach dieser Tarifanpassung immer noch deutlich günstiger.

So teuer wird das Rhein-Neckar-Ticket für Pendler

Das verbundweit gültige Rhein-Neckar-Ticket für Berufspendler kostet ab Januar 2023 im VRN jährlich 1.218 Euro, im Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart kostet ein vergleichbares Tarifangebot jährlich 2.360 Euro und im nördlich benachbarten Rhein-Main-Verkehrsverbund sogar jährlich 2.914,80 Euro.

In den südlich an den VRN angrenzenden Verkehrsverbünden Heilbronner-Hohenloher-Haller Verkehrsverbund und Karlsruher Verkehrsverbund können Interessenten ein Jahresabonnement für Jedermann für jährlich 1.194 Euro bzw. jährlich 1.160,40 Euro erwerben, beide Verbünde sind jedoch flächenmäßig deutlich kleiner als der VRN.

VRN-Tarife steigen ab 2023 – auch Preis für MAXX-Ticket wird erhöht

Das zur Fahrt im gesamten Verbundraum gültige MAXX-Ticket für Schüler und Auszubildende ist ab 2023 mit einem Fahrpreis von jährlich 615,60 Euro ebenfalls günstiger als das im Heilbronner-Hohenloher-Haller Verkehrsverbund angebotene Sunshine-Ticket, das jährlich 690 Euro kostet.

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Deutlich teurer sind die Zeitkartenangebote für Schüler in den eher ländlich geprägten baden-württembergischen Verbünden Donau-Iller-Nahverkehrsverbund und Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau. Dort entstehen der betroffenen Zielgruppe jährliche Fahrkosten von 1.891,20 Euro bzw. 1.992 Euro, wenn sie den gesamten Verbundraum befahren möchten. (pek mit PM)

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