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Verrückte Osterbräuche: schießen oder lieber ‚schibbeln‘?

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Die einen schießen auf Scheiben, um Ostereier zu bekommen, die anderen lassen sie im Wettkampf einen Hang hinunterrollen. So verrückt können Osterbräuche sein: 

Osteier kaufen? Das ist vielen Rheinland-Pfälzern zu langweilig. Wieso kaufen wenn man sich welche schießen kann? 

Das ‚Osterschießen‘

Dazu gibt es doch das „Ostereierschießen“ zahlreicher Schützenvereine. Bei dem Spektakel für Menschen mit und ohne Schießerfahrung wird aber nicht auf Eier gezielt, sondern auf Schießscheiben, wie Tobias Müller vom Schützenverein Ramsen erklärt.

Wer mit Luftgewehr oder -pistole ins Schwarze trifft, bekommt ein bunt gefärbtes Ei, wer genau die Mitte erwischt sogar zwei. Fünf Schüsse kosten 1,50 Euro bei dem Verein, der seit genau 40 Jahren zum Ostereierschießen lädt.

Beim Ostereierschießen rangiert der Schützenverein Ramsen (Donnersbergkreis) nach eigenen Worten an der Spitze. „Wir haben für uns intern nachrecherchiert: Wir haben bundesweit das größte Ostereierschießen in dieser Form“, sagt Müller.

Im Jahr 2015 seien etwa 4000 bis 5000 Menschen gekommen und 102.783 Eier ausgegeben worden, berichtet er. „Das hatte Volksfestcharakter, absolut.“ 

Und auch in diesem Jahr ist das Interesse groß: Nach dem Start am Freitagabend gingen bis Sonntag gut 20.800 Eier über die Theke.

Auch in Bayern und Baden-Württemberg

Nach Müllers Angaben gibt es den Brauch auch in Bayern und Baden-Württemberg. Aber auch im Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen ist er verbreitet. Nach Ansicht des Vereinschefs geht der Wettstreit auf sportliche Motive zurück. Andere meinen, der Brauch sei vom Offiziersschießen im 18. Jahrhundert abgeleitet.

Familienfreundlich

Bei den Schützenvereinen in Enkenbach-Alsenborn, Gerolsheim und Kirchheimbolanden wird ebenfalls zum Ostereierschießen geladen. Auch Familien mit Kindern sind mit von der Partie: In Gerolsheim (Kreis Bad Dürkheim) dürfen die Kleinen zum Beispiel mit einem Saugnapf- und einem Lasergewehr antreten.

Nicht mehr dabei ist die Schützengesellschaft Ruppertsberg (Kreis Bad Dürkheim) - obwohl sie ab 1965 als eine der ersten und mit großem Zuspruch das Ostereierschießen organisierte. Aber 2012 beschädigte ein Felssturz die in einem ehemaligen Steinbruch gelegene Schießanlage, die daraufhin gesperrt wurde.

‚Schibbeln‘

Der ‚Schibbelkönig‘ wird jedes Jahr zu Ostern in Norken im Westerwald gekrönt: Dabei gilt es, Eier über schräg in den Boden gesteckte Latten treffsicher in die Nähe anderer Eier rollen zu lassen - oder besser gesagt, über ‚Schibbelstöcke‘ zu ‚schibbeln‘.

Getan wird dies auf dem ‚Schibbelrain‘, einer leicht abfallenden Wiese in einem kleinen Waldstück in Dorfnähe. Die Tradition wird vom eigens dafür in den 60er Jahren gegründeten ‚Schibbelklub‘ ausgerichtet. Nach der Dorfüberlieferung gibt es den Brauch schon über 100 Jahre - woher er kommt, sei aber unbekannt.

‚Raffer‘ und die ‚Eierlage‘ 

Im Eifelort Schönecken gibt es einen der angeblich ältesten noch erhaltenen Eierlese-Bräuche Deutschlands: die ‚Schönecker Eierlage‘. Dabei treten an Ostermontag zwei Junggesellen gegeneinander an. Der eine, ‚Raffer‘ genannt, muss 104 rohe Eier, die auf der Straße im Abstand von jeweils einer Elle (62,5 Zentimeter) in Sägemehl ausgelegt sind, einzeln ‚aufraffen‘ und jeweils in einen Sammelkorb am Ziel legen.

Dabei legt er eine Strecke von gut 6,8 Kilometern zurück. Währenddessen rennt der ‚Läufer‘ ins Nachbardorf Seiwerath (Eifelkreis Bitburg-Prüm) und zurück (knapp 7,3 Kilometer).

Wer seine Aufgabe als erster erledigt hat, ist Sieger, sagt André Steevens, Vorsitzender der ‚Junggesellensodalität Schönecken‘, die den Wettbewerb organisiert. „Die Läufe sind körperlich sehr anstrengend.“ 

Und der ‚Raffer‘ müsse aufpassen, das kein Ei, das er aufhebe, kaputt gehe. „Sonst hat er verloren“, sagte Steevens.

Am Osterdienstag folgt dann der große Rühreier-Schmaus. Die ‚Eierlage‘ wurde laut Steevens urkundlich erstmals 1764 erwähnt. Den Erzählungen nach gab es sie aber auch schon rund 100 Jahre davor.

Ostereierbaum

Den überregional bekannten Saalfelder Ostereierbaum haben Besucher am Wochenende mit Tausenden Eiern geschmückt. Am frühen Sonntagnachmittag hätten schätzungsweise 6000 bunte Eier den Baum im Schlosspark geziert, sagte Organisator Uwe Gerstenberg. „Bis Mittwoch wollen wir die 10 000 voll machen.“

Rekordverdächtig: der Ostereierbaum in Saalfeld.

Bei dem Anschmückfest habe am Samstag und Sonntag reges Kommen und Gehen geherrscht. Einige Besucher brachten neben selbstbemalten Eiern auch Leitern mit, um beim Schmücken zu helfen, wie Gerstenberg berichtete.

Der Versuch, einen Rekord als „häufigste jährliche Osterbaum-Dekoration in einem Ort“ aufzustellen, fiel dagegen vorerst aus. Der Experte des Hamburger Rekord-Instituts für Deutschland sei erkrankt und habe sich abgemeldet, sagte Gerstenberg.

Fest der fliegenden Brücke

Das ‚Fest der fliegenden Brücke‘, bei dem man für ein Osterei mit der Rhein-Fähre zwischen Sankt Goar und Sankt Goarshausen oder umgekehrt über den Fluss fahren kann, ist für dieses Jahr leider abgesagt. Die Gemeinde Sankt Goar hat aber angekündigt, sie wolle ein neues Konzept erarbeiten.

dpa/kp

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