Mehr Sicherheitsgefühl im Nachtleben

Ein „Codewort“ gegen sexuelle Belästigung?

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Kann ein „Codewort“ Frauen dazu ermutigen, sich gegen Belästigung zu wehren? 

Tübingen - Mit der Einführung eines „Codewortes“ sollen Frauen dazu ermutigt werden, sich gegen sexuelle Belästigung zu wehren. Auch Heidelberg und Mannheim interessieren sich für diese Idee:   

Die Kampagne für mehr Sicherheit im Tübinger Nachtleben gibt es so flächendeckend noch in keiner baden-württembergischen Stadt. Rund 30 Tübinger Gastronomen arbeiten mit der Polizei, der Stadtverwaltung, einer Anlaufstelle für sexuelle Gewalt sowie dem örtlichen Netzwerk Antidiskriminierung zusammen.

Die Idee

Wer sich in einer Kneipe oder einem Club sexuell belästigt, rassistisch angegriffen oder anderweitig angegangen fühlt, soll sich künftig mit einem speziellen Satz an das Thekenpersonal wenden können. „Es wird das Codewort geben, damit man nicht über die Theke schreien muss: Hallo, ich wurde gerade sexuell belästigt“, erklärte Tübingens erste Bürgermeisterin Christine Arbogast am Montag bei der Kampagnenvorstellung. Das Codewort solle die Hemmschwelle senken. „Ich bin überzeugt, dass die Dunkelziffer bei diesen Straftaten immer noch hoch ist.“ 

Wie das Codewort genau lautet, wird erst zum Startschuss der Kampagne Anfang 2018 bekanntgegeben. Die Tübinger haben sich dabei an einer Initiative des Frauen-Notrufs Münster orientiert, der die Frage „Ist Luisa hier?" festgelegt hat, um Belästigung diskret mitzuteilen.

Von der Kampagne könne auch eine abschreckende Wirkung für potenzielle Täter ausgehen. Laut baden-württembergischer Kriminalstatistik gab es 2016 insgesamt 5.406 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, 1,2 Prozent weniger als im Vorjahr (5.474). Die Zahl der Nichtdeutschen Tatverdächtigen ist von 1.070 auf 1.313 Fälle gestiegen, wobei bei den Herkunftsländern unverändert die Türkei an erster Stelle steht, neuerdings gefolgt von Afghanistan und Syrien. 

Lea Goetz vom Frauen-Notruf Münster hat eine Erklärung für die Notwendigkeit ihrer Kampagne: „Durch viele gesellschaftliche Diskussionen ist sexuelle Gewalt in den Fokus gerückt“, sagt sie am Montag. Als Beispiel nennt sie die unter dem Hashtag „metoo" geführte Debatte nach Bekanntwerden von Missbrauchsvorwürfen gegen den amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein. Dadurch werde erst klar, wie alltäglich das Problem sexueller Belästigung für Frauen sei. In der Tübinger Gastronomie werden bis Februar 300 Gastronomie-Mitarbeiter geschult. 

Nach Angaben des Frauen-Notrufs Münster wurde schon aus Freiburg, Heidelberg, Mannheim und Stuttgart Interesse an einer Adaption des Konzepts gezeigt. Vielerorts wurden schon Ideen für einen sicheren Heimweg umgesetzt. Die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH in Mannheim lässt Fahrgäste nachts auf Wunsch auch zwischen regulären Bushaltestellen aussteigen, um einen längeren Heimweg zu vermeiden. In Heidelberg gibt es Frauennachttaxis mit vergünstigten Fahrpreisen. 

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dpa/kab

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