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Idar-Oberstein: Tankstellen-Mörder mit Schock-Tweets – „Gnade denen, welche ...“

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Von: Tobias Becker

Idar-Oberstein - An einer Tankstelle in Idar-Oberstein wird ein Student kaltblütig erschossen. Die Polizei untersucht nun wohl das Twitter-Profil des geständigen Verdächtigen.

Diese Tat beschäftigt derzeit ganz Deutschland. In Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz) wird am Samstag (18. September) an einer Tankstelle ein junger Kassierer von einem 49-Jährigen kaltblütig erschossen. Der Grund ist so einfach wie schockierend: Es ging lediglich um die Maskenpflicht, auf die der 20-Jährige Student den älteren Mann hingewiesen hat. Eine Regel, an die sich alle halten müssen, für die der junge Mann nichts kann. Eine Regel, die einige Menschen nicht wahrhaben wollen und perfide Argumentationen vorbringen.

Auch erschreckend an der Tat in Idar-Oberstein: Der Mann kommt zunächst in die Tankstelle um sich Bier zu kaufen, wird von dem Mitarbeiter auf die fehlende Maske hingewiesen und geht wieder. Nach einer geraumen Zeit kommt er erneut, zunächst mit Maske, in die Tankstelle. Dann provoziert der Täter, zieht die Maske an der Kasse runter. Als er darauf angesprochen wird, zieht er eine Waffe und schießt dem jungen Mann in den Kopf.

Nach Tankstellen-Mord: Das ist über den Täter von Idar-Oberstein bekannt

Der 49-Jährige wird am Morgen nach der Tat von der Polizei festgenommen. Angeblich wollte sich der Mann in Begleitung einer Frau der Polizei stellen. Außerdem bekannt: Bislang ist der Schütze noch nicht polizeilich in Erscheinung getreten.

Bewaffneter erschießt Angestellten einer Tankstelle
Die Polizei ermittelt weiter im Tankstellen-Mord von Idar-Oberstein. © Christian Schulz/dpa

Unfassbar ist auch das Motiv der Tat. Wie der Mordverdächtige, der die Tat bereits gestanden hat, angibt, hat er das Opfer erschossen, weil er verärgert über den ersten Besuch in der Tankstelle war – und aufgrund der Aufforderung zur Einhaltung der Maskenpflicht.

Dass der 49-Jährige bei seiner Vernehmung zudem zugibt, er lehne die Corona-Schutzmaßnahmen ab, verwundert kaum. Aber: Genau diese Aussage bringt Corona-Leugner auf den Plan, die die Tat zu feiern scheinen. So gibt es mittlerweile zum Beispiel unfassbare Telegram-Nachrichten des aufgrund eines Haftbefehls ausgewanderten Attila Hildmann. Währenddessen wird auf Twitter über die Tat und vor allem die Gefahr, die von radikalen Corona-Leugnern ausgeht, gesprochen.

Tankstellen-Mord in Idar-Oberstein: Täter wohl auf Twitter aktiv

Um mehr über die Hintergründe des Täters und der Tat zu erfahren, scheint die Polizei nun den Twitter-Kanal zu untersuchen. Dort soll der 49-Jährige bereits vor zwei Jahren Gewaltfantasien verbreitet haben. Das fanden der Spiegel und CeMAS, ein auf Verschwörungsideologien spezialisiertes Thinktank, heraus. Die Polizei bestätigte solche Hinweise bereits.

Laut den Recherchen soll der Mordverdächtige auf Twitter damals zum Beispiel gepostet haben: „Ich freue mich auf den nächsten Krieg. Ja, das mag sich jetzt destruktiv anhören, aber wir kommen aus dieser Spirale einfach nicht raus.“ Oder: „Meine Muskeln sind gespannt, mein Geist geschärft. Gnade denen, welche diese Situation heraufbeschworen haben. Oder nein, Gnade wäre unrecht«.

Mord an Tankstelle
Trauer und Unverständnis nach dem Tankstellen-Mord in Idar-Oberstein sind groß. © Thomas Frey/dpa

Tankstellen-Mord in Idar-Oberstein: Diesen Kanälen folgte der Täter auf Twitter

Damals gab es die Corona-Pandemie noch nicht. Der 49-Jährige hielt wohl auch den Klimawandel für eine Lüge, teilte rechtsoffene Kanäle und war wohl auch in den Coronaleugner-Theorien bewandert. Über das gefundene Twitter-Profil wurden - überwiegend 2019 - über 180 Tweets abgesetzt.

Mit dem Profil folgte der Täter unter anderem diversen Spitzenpolitikern der AfD, Bild-Chefredakteur Julian Reichelt und Hans-Georg Maaßen (CDU), wie Entertainer Jan Böhmermann herausgefunden hat. Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kommentierte auf Twitter: „Die Hetze im Netz ging so lange bis geschossen wurde.“

Die Frage, die sich nach dem Tankstellen-Mord in Idar-Oberstein stellt: War die Maskenpflicht wirklich der Grund für die Ermordung des 20-jährigen Studenten? Wenn es nach Kriminalpsychologe Rudolf Egg geht, muss diese Frage noch geklärt werden. Er sagt zu dpa: „Man muss bei einer Tat immer unterscheiden zwischen dem unmittelbaren Anlass und dem eigentlichen Grund.“

Mord in Idar-Oberstein: Aufforderung zur Maskenpflicht der wahre Grund?

In der Wohnung fand die Polizei mehrere Waffen, nicht nur die Tatwaffe, was zudem für eine mögliche Radikalisierung spricht. „Niemand, der auch nur halbwegs vernünftigen Verstandes ist, wird einen ihm völlig unbekannten jungen Mann einfach deshalb erschießen, weil er sagt: Du musst jetzt eine Maske aufsetzen“, so der frühere Direktor der Kriminologischen Zentralstelle des Bundes und der Länder weiter.

Die schreckliche Tat von Idar-Oberstein wird Deutschland noch eine Weile beschäftigen und die Ermittlungen der Polizei dauern ebenfalls an. Ob die Maskenpflicht der wahre Grund für die Ermordung des Studenten war und woher die Waffe kommt, sind wohl wichtige, noch offene Fragen...

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