Kanzler-Witwe verteidigt den Prozess

Emotionaler Brief am Todestag ihres Mannes: Maike Kohl-Richter will weiter klagen

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Maike Kohl-Richter will weiter gegen das Buch über ihren Mann klagen.

Speyer - Die Witwe des Altkanzlers Helmut Kohl erklärt in einem Schreiben, warum sie weiter vor Gericht gegen ein Buch über ihren Mann kämpft:

Pünktlich zum 2. Todestag ihres Mannes Helmut Kohl am Sonntag (16. Juni) meldet sich Maike Kohl-Richter zu Wort. In einem 19 Seiten langen Schreiben, das sie im Internet veröffentlicht hat, erklärt sie, warum sie weiterhin einen Prozess gegen Heribert Schwan, den ehemaligen Ghostwriters ihres Mannes, führt. 

Kohl-Richter führt Prozesse ihres Mannes weiter

Es ist natürlich richtig, dass ich klage, aber eigentlich klage nicht ich, sondern setze ich die Prozesse nur fort, die mein Mann im Jahr 2012 beziehungsweise 2014 begonnen hat“, erklärt die Witwe. Bei dem Rechtsstreit geht es um ein Buch mit dem Titel „Vermächtnis: Die Kohl-Protokolle“, das im Jahr 2014 veröffentlicht wurde. 

Es enthält teilweise deftige Zitate, die Helmut Kohl tätigte. Diese Aussagen wurden von dem Altkanzler nicht zur Veröffentlichung freigegeben. Beide Männer arbeiteten an den Vorbereitung der Memoiren Kohls, bis sie sich zerstritten. Schwan nutzte daraufhin Aussagen, die er auf Tonbändern aufgenommen hatte. Diese seien auch nie für eine eins-zu-eins Veröffentlichung bestimmt gewesen, erklärt Kohl-Richter in dem Schreiben.

Emotionaler Brief von Kohl-Richter über die Gründe des Prozesses

Die Kanzler-Witwe beschreibt weiter, wie ihr Mann in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt worden sei. Vieles, was sich auf dem Band befinde, seien Gedanken und Worte gewesen, die nicht immer ausformuliert worden seien. „Durch das gebrochene Wort von Herrn Schwan wurde nun das gesprochene Wort meines Mannes zur Waffe gegen ihn selbst“, beklagt die 55-Jährige.

Wenn sie jetzt aufgäbe, würde die Gegenseite ohne Strafe davonkommen, das Buch weiter verkauft werden und Schwan bleibe weiterhin Besitz der Tonbänder – der seine Arbeit fortsetzen würde. Damit würden Missbrauch und Schaden an ihrem Mann weiter gehen!

Kohl-Witwe will Textstellen streichen lassen und kämpft um Tonbänder

Laut Maike Kohl-Richter sei dies „ein Paradebeispiel, wie man einen Menschen mit seinen eigenen, im privaten Raum gesprochenen Worten zum Zeugen gegen sich selbst macht.“ Die Witwe will durch die Klage erreichen, dass weitere Textstellen aus dem Buch gestrichen werden und sie die Tonbänder bekommt. 

Den Prozess gegen Heribert Schwan hatte eigentlich Helmut Kohl eingeleitet und auch Recht bekommen – allerdings starb er, bevor das Urteil rechtskräftig wurde! Seitdem führt die 55-Jährige das fort, was ihr Mann begonnen hatte.

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Maike Kohl-Richter hat Prozess verloren, will aber nicht aufgeben

Dabei hatte sie bisher aber keinen Erfolg, sondern verlor den Prozess am Oberlandesgericht Köln. Im November 2018 erklärte sie, für die Entschädigung ihres Mannes auch durch alle Instanzen zu gehen.

Mein Mann wurde in seiner Würde und seinem Persönlichkeitsrecht massiv verletzt, der Schaden, den die Gegenseite mit der eigenmächtigen Nutzung von Helmut Kohls auf Band aufgezeichneten Lebenserinnerungen angerichtet hat, ist unwiderruflich in der Welt“, schreibt die Witwe in ihrem emotionalen Brief.

Sollte Maike Kohl-Richter die Tonbänder ausgehändigt bekommen, wolle sie diese sorgfältig abschreiben und autorisieren, damit sie der Forschung zugänglich gemacht werden könnten. In dem Schreiben vom 16. Juni erläutert sie zudem, warum sie weiterhin für ihren Mann klage und nach seinem Tod nicht die Prozesse für erledigt erkläre. „Wo kommen wir hin, wenn ein Nachlass durch Tod auf einmal vogelfrei oder wenn durch Tod Unrecht nicht mehr gesühnt und rechtens wird?“ 

Prozesse und Grab – Kritik gegen Kohl-Richter

Kohl-Richter war in den letzten Jahren immer wieder in Kritik geraten. Zum einen durch den Prozess, zum anderen aber auch wegen der Grabstätte von Helmut Kohl. Auch Sohn Walter Kohl kritisierte das Vorgehen und den Stillstand an dem Grab. Kurz vor dem 2. Todestag des Altkanzlers hat es ein paar Änderungen gegeben – dabei handele es sich aber nur um eine Zwischenlösung. 

dpa/dh

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