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Bodo Schiffmann: Spenden-Geld landet bei Esoterik-Verein – „Kraftpakete“ für Flutopfer?

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Von: Daniel Hagen

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Bodo Schiffmann hat nach der Flut-Katastrophe im Ahrtal fast 700.000 Euro Spendengelder gesammelt. Ein esoterischer Verein soll das Geld an die Flutopfer verteilen.

Update vom 21. Februar, 13:30 Uhr: An welchen ominösen Verein hat Bodo Schiffmann (54) die fast 700.000 Euro Spenden-Gelder für die Flutopfer abgetreten? Diese Fragen stellen sich zahlreiche Menschen seit der Veröffentlichung der Abtretungsurkunde auf Telegram. So mancher Leser vermutet, dass das Geld in die eigene Tasche des Verschwörungsideologen geflossen sein könnte – jedoch ohne Beweise dafür. Eine Enthüllung von t-online unter der Leitung von Lars Wienand hat nach aufwendigen Recherchen eine Antwort auf die Frage!

Demnach handelt es sich um einen Verein, der bislang noch über sehr wenig Erfahrung verfügt, weil er laut dem Vereinsregister des Amtsgerichts Wiesbaden erst am 17. August 2021 gegründet wurde. Hinter dem Verein steckt eine Idee von Selbsthilfe auf lokaler Ebene, bei der sich Menschen in Not untereinander vernetzen können – was an sich jetzt nicht schlecht klingt. Zu den Gründungsmitgliedern gehört aber auch eine Frau namens Sanjana A., die laut Informationen von t-online der Sekte „Bhakti Marga“ angehört. Diese Religionsgemeinschaft ist bereits wegen Reliquien-Diebstahls und Vorwürfen von sexuellem Missbrauch in den Nachrichten aufgetaucht. „Bhakti Marga“ habe aber mitgeteilt, dass sie nicht in Verbindung mit dem Verein stünden.

Sanjana A. soll im Flutgebiet erst Suppen und anschließend „Kraftpakete“ verteilt haben. Darin enthalten: esoterische Produkte wie „Tesla-Platten“ und Aluminium-Scheiben, die angeblich speziell behandelt worden sind. Hinzu kommen Nahrungsergänzungsmittel und energetisiertes Wasser. Ein mittlerweile ausgestiegener Mitgründer bezeichnet den Verein als „zu esoterisch“. Wie die fast 700.000 Euro am Ende bei den Flutopfern ankommen werden – sobald PayPal sie freigibt – ist also weiterhin unklar. Bodo Schiffmann kann jetzt aber alle Schuld von sich weisen.

Bodo Schiffmann: Spenden-Skandal – Querdenker gibt Flutopfer-Gelder an ominösen Verein

Erstmeldung: Nach der furchtbaren Hochwasser-Katastrophe, die im Juli 2021 in Teilen Westdeutschlands gewaltigen Schaden angerichtet und viele Menschenleben gefordert hat, ist die Solidarität in der Bevölkerung groß. Menschen fahren extra ins Flutgebiet, um dort mit anzupacken, oder spenden Geld. Auch Bodo Schiffmann und die Querdenker-Bewegung betonen immer wieder, wie wichtig die Hilfe ist, und versuchen sich in den Gebieten als Retter aufzuspielen – wenn auch nicht immer mit legalen Mitteln. So ist zum Beispiel ein Bus unterwegs, der wie ein Fahrzeug der Polizei aussieht und Fake-News über Lautsprecher teilt. „Unter dem Deckmantel der Hilfsbereitschaft wurde hier verschwörerisches Gedankengut verbreitet“, erklärt damals Polizeivizepräsident Jürgen Süs gegenüber „Zeit online“.

NameBodo Klaus Walter Schiffmann
Geboren20. Januar 1968 in Bonn-Beuel
EhepartnerinMechthild Schiffmann
AusbildungGauß-Gymnasium Worms (1988), Universität Heidelberg

Bodo Schiffmann: Arzt sammelt fast 700.000 Euro für Flutopfer

Verschwörungsideologe Bodo Schiffmann, der vor kurzem Bundeskanzler Olaf Scholz als „Nazi“ beschimpft hat, beginnt nach der Katastrophe damit, einen sogenannten „Moneypool“ auf PayPal einzurichten. Die Spenden, die darauf eingehen, sollen zu „100 Prozent“ an die Flutopfer gespendet werden. Ganz so einfach ist aber nicht, die fast 700.000 Euro an den Mann oder die Frau zu bekommen. Denn Schiffmann stellt die Forderung, dass Bauunternehmen, die mit ihm zusammenarbeiten wollen, groß Werbung für die Querdenker und deren Demos machen sollen.

Zudem würden Bürgermeister sein Geld ablehnen, da sie nichts mit ihm oder den Querdenkern zu tun haben wollten. Wäre es Schiffmann wirklich um die Menschen vor Ort gegangen, hätte er das Geld bestimmt auch anonym spenden können – dann bleibt allerdings der große Ruhm aus, den sich der Mediziner mittlerweile auf Telegram aufgebaut hat, indem er dort Verschwörungsmythen und Fake-News teilt.

Bodo Schiffmann: PayPal sperrt Spendenkonto – Arzt weist alle Schuld von sich

Als Schiffmann das Geld dann nicht loswird, sperrt PayPal plötzlich sein Konto. Das Unternehmen habe ein „potenzielles Risiko“ erkannt und den Account für bis zu 180 Tage gesperrt. Anschließend behauptet der 54-Jährige auf Telegram, dass es einzig und alleine die Schuld von PayPal sei, dass das Geld nicht bei den notleidenden Flutopfern ankomme.

Bodo Schiffmann äußert sich zu den Spendengeldern für das Ahrtal. (Fotomontage)
Bodo Schiffmann äußert sich zu den Spendengeldern für das Ahrtal. (Fotomontage) © Boris Roessler/Hauke-Christian Dittrich/dpa

Nach der Sperrung des Kontos wird es erstmal ruhig um die fast 700.000 Euro. Auch als die 180 Tage vorbei sind, äußert sich Bodo Schiffmann lange nicht dazu. In der Zwischenzeit hat die Staatsanwaltschaft Heidelberg aufgrund mehrerer Anzeigen wegen des Verdachts des Betrugs die Ermittlungen aufgenommen. „Dieses Verfahren wurde letztlich eingestellt, weil die Ermittlungen keinen hinreichenden Tatverdacht dahingehend ergeben hatten, dass der Beschuldigte die Spender in strafrechtlich relevanter Weise über die Verwendung der Spendengelder getäuscht hatte“, erklärt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Heidelberg auf MANNHEIM24-Anfrage.

Bodo Schiffmann: Querdenker tritt Ansprüche ab – sagt aber nicht, an wen

Am 15. Februar meldet sich Bodo Schiffmann aus seinem Exil in Tansania plötzlich mit einem Update zu dem Spendengeld. Er habe alle Ansprüche an eine gemeinnützige Hilfsorganisation abgetreten und postet eine notariell beglaubigte Abtretungsurkunde. An wen das Geld genau geht, verrät der Mediziner aber nicht. Auch die betreffenden Angaben in der Erklärung sind geschwärzt. Transparenz über Spendengelder sieht anders aus.

Der 54-Jährige behauptet zudem, dass PayPal das Geld nach wie vor blockiere. Das Unternehmen hat sich auf eine Anfrage von MANNHEIM24 zu dem Vorwurf nicht geäußert. Die am Anfang der Sperre erwähnten 180 Tage sind aber schon längst abgelaufen. Sollte der Mediziner auch in Zukunft so intransparent mit dem Umgang der Spendengelder für das Ahrtal sein, werden die zahlreichen Spender wohl niemals erfahren, was mit ihrem Geld passiert ist. (dh)

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