1. Mannheim24
  2. Region

BW: Schulen im Herbst wieder geschlossen? Experten mit Schock-Prognose

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Eliran Kendi, Klaudia Kendi-Prill

Angesichts der vierten Corona-Welle sind effektive Schutzmaßnahmen an Schulen unerlässlich. Doch genau daran mangelt es, kritisieren Lehrerverbände und zeichnen ein düsteres Bild.

Vor dem Schulstart in Baden-Württemberg am 13. September ist die Verunsicherung bei Eltern sowie Schülerinnen und Schülern groß. Nachdem das Land die Quarantäne-Regeln nahezu gänzlich aufgehoben hat, um einen durchgehenden Unterricht zu ermöglichen, folgt nun die Wende: Beim Bund-Länder-Treffen haben sich die Beteiligten auf bundesweit einheitliche Regeln geeinigt. Einzig Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben sich bei dem Votum enthalten. Für Stuttgart stellt das neue Maßnahmenpaket eine Verschärfung der Quarantäne-Regeln an Schulen dar. Diesen Umstand haben die Verantwortlichen eigentlich vermeiden wollen. Denn zum Schulstart in Baden-Württemberg setzt Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) auf Präsenzunterricht im gesamten Schuljahr 2021/2022. Am Mittwoch (8. September) folgt die abermals ein Wende: Keine Quarantäne! Diese Corona-Regeln gelten an Schulen in Baden-Württemberg.

Ungeachtet des politischen Hickhacks um die Corona-Regeln an Schulen schlagen nun Lehrerverbände Alarm: Im Herbst rechnen die Experten mit erneuten Schulschließungen, weil die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus aus ihrer Sicht nicht ausreichen. Der Vorwurf: Die Politik habe vor allem an der Infrastruktur gespart und das – so die Prognose – wird sich bald rächen.

BundeslandBaden-Württemberg
HauptstadtStuttgart
Einwohner11,07 Millionen (2019

Schule in Baden-Württemberg: Drohen wieder Schließungen im Herbst?

Es gebe viel zu wenige Luftfilter, CO2-Ampeln und kaum mobile Impf- und Testteams, kritisieren die Gewerkschaft GEW und der Verband der Berufsschullehrer am Mittwoch (8. September) in Stuttgart. „Meine Befürchtung ist, dass wir im Herbst wieder über Fernunterricht reden werden“, wird GEW-Landeschefin Monika Stein von der Deutschen Presse-Agentur zitiert.

Der Präsenzunterricht ist meiner Meinung nach sehr gefährdet

Thomas Speck, Vorsitzender Berufsschullehrerverband Baden Württemberg

In welchem Ausmaß Schulen geschlossen werden müssten, hänge von der Entwicklung der Corona-Zahlen und der Impfbereitschaft ab. Die Verantwortung für mögliche Lockdowns liege bei Bund, Land und Kommunen, die nicht genügend in Schutzmaßnahmen investiert hätten. „Alle drei haben zu wenig dafür getan, Schulen so sicher wie möglich zu machen.“

Auch der Vorsitzende des Berufsschullehrerverbands im Land, Thomas Speck, sagt: „Der Präsenzunterricht ist meiner Meinung nach sehr gefährdet.“ In anderen Bundesländern, in denen die Schule schon länger wieder läuft, sehe man, dass die Zahl der Ansteckungen bei jungen Leute stark steige, weil viele nicht geimpft seien.

Schulen in Baden-Württemberg: Lehrerverbände kritisieren Politik scharf

GEW-Landeschefin Stein fordert erneut, alle Klassenzimmer mit Luftreinigungsgeräten auszustatten. „Ein Lockdown würde sich dadurch vermeiden lassen.“ Das Land und die Kommunen müssten hier viel schneller handeln. „Ich bin mehr als sauer an dieser Stelle.“

Speck berichtet zudem: Eine Umfrage des Verbands habe ergeben, dass 53 von 180 Schulen keine CO2-Messgeräten hätten, obwohl diese preislich günstig seien. „Es ist peinlich und traurig zu gleich.“

Die Lehrkräfte fühlen sich „im Stich gelassen“. Zwei Drittel der befragten Berufsschulen hätten angegeben, keine Luftfilter zu haben. Hier habe man in der Corona-Krise zu viel Zeit verstreichen lassen.

Schulen in Baden-Württemberg: Experten gegen Auskunftspflicht über den Impfstatus der Lehrern

Bei der Impfkampagne sehen beide Verbände noch großen Nachholbedarf. So müssten auch Impfungen an Schulen für Schülerinnen und Schüler über zwölf Jahren angeboten werden. „Die Impfempfehlung für über Zwölfjährige ist noch nicht an allen Schulen angekommen,“ so Stein.

Bei den Lehrkräften hingegen geht die GEW nach eigenen Umfragen davon aus, dass 80 bis 95 Prozent von ihnen vollständig geimpft seien. Die Auskunftspflicht über den Impfstatus der Lehrerinnen und Lehrer hält Stein für nicht sinnvoll. „Es erschließt sich uns nicht, was der Vorteil ist. Welche Konsequenz soll daraus folgen?“, fragt Stein.

Speck schlägt ähnliche Töne an. „Eine Auskunftspflicht bringt nichts, weil wir die Lehrkräfte nicht aus dem Unterricht nehmen können, weil wir sie brauchen.“ Für alle anderen ungeimpften Bürger hingegen wird es ernst. Ab Montag (13. September) drohen massive Einschränkungen im Alltag, wenn die Knallhart-Regeln für Ungeimpfte in Baden-Württemberg kommen.

Baden-Württemberg: Sind Lolli-PCR-Test an Schulen die Lösung

Beide Verbände dringen auf regelmäßige Lolli-PCR-Tests in den Schulen, wie in Mannheim. Dort plant die Stadt bereits einen Pilotversuch an mehreren Schulen. Diese seien sicherer als die zwei wöchentlich geplanten Antigen-Schnelltests.

Wenn die grün-schwarze Regierung dies aus finanziellen Gründen verweigere, sei das „beschämend“, sagt Stein. Speck bemängelt, dass durch die Testung am Morgen viel Unterrichtszeit verloren gehe. Und Zeit, soviel steht fest, haben die Schüler in der Corona-Krise genug verloren. (esk mit dpa)

Auch interessant

Kommentare