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SAP: Wegen Ukraine-Krieg – Software-Riese zieht sich aus Russland zurückziehen

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Von: Peter Kiefer

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Walldorf - Nachdem SAP bereits seine lukrativen Geschäfte in Russland gestoppt hat, will sich der Software-Riese jetzt komplett vom dortigen Markt zurückziehen:

Update vom 20. April, 8:51 Uhr: Der Software-Riese SAP will angesichts des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine den russischen Markt verlassen. Das Unternehmen mit Sitz in Walldorf kündigte am Dienstag in einer Mitteilung zwei weitere Schritte „für den geordneten Ausstieg aus unserem Geschäft in Russland“ an. Zuvor hatte SAP bereits sein Neu- und Cloud-Geschäft in dem Land eingestellt.

NameSAP SE
KonzernsitzWalldorf (Baden-Württemberg)
BrancheSoftware
Mitarbeiter107.415 weltweit (Stand: 2021)
Umsatz27,8 Mrd. Euro (Stand: 2021)

SAP: Verträge mit bestimmten russischen Firmen werden nicht verlängert

Hinsichtlich seiner Cloud-Dienste hatte SAP nicht von Sanktionen betroffene Unternehmen bereits vor die Wahl gestellt, Daten löschen zu lassen, diese in Eigenregie zu übernehmen oder sie in ein Rechenzentrum außerhalb von Russland zu überführen. SAP kündigte nun an, die Verträge russischer Firmen, die sich für eine Migration der Daten ins Ausland entschieden hätten, nach Ablauf der Abonnementlaufzeit nicht zu verlängern.

Zudem beabsichtige SAP, den Support und die Wartung für Produkte, die auf lokalen Servern in Russland installiert sind (On-Premise), einzustellen. „Wir prüfen derzeit verschiedene Optionen, wie sich diese Entscheidung umsetzen lässt“, teilte das Unternehmen mit. Das Hauptaugenmerk liege darauf, den rechtlichen Verpflichtungen gegenüber nicht-sanktionierten Kunden weiter nachzukommen.

Wegen Ukraine-Krieg: SAP stoppt Cloud-Betrieb in Russland

Erstmeldung vom 25. März: Nachdem Software-Riese SAP wegen des schrecklichen Kriegs in der Ukraine bereits aus Solidarität sein Russland-Geschäft gestoppt hat, geht der Konzern mit Sitz in Walldorf (Baden-Württemberg) jetzt noch einen Schritt weiter.

„Wir stehen zu unserer Verpflichtung gegenüber der Ukraine, indem wir alle Verkäufe stoppen und den Cloud-Betrieb in Russland einstellen. Wir setzen die internationalen Sanktionen vollständig um und stellen sowohl Technologie als auch humanitäre Hilfe bereit“, so SAP in einem Statement.

SAP stoppt alle Verkäufe in Russland und Weißrussland

Weiter heißt es: „Am 2. März haben wir alle Verkäufe in Russland und anschließend in Weißrussland eingestellt. SAP hat ausnahmslos alle internationalen Sanktionen sofort umgesetzt und steht in ständigem Kontakt mit Regierungen, um deren Strategien zur Beendigung dieses Krieges zu unterstützen.“

Die SAP-Zentrale in Walldorf. (Archivfoto)
Die SAP-Zentrale in Walldorf. (Archivfoto) © HEIDELBERG24/Robin Eichelsheimer

Man schätze „die Entschlossenheit und den Weitblick, mit der sich die Regierungen auf koordinierte Sanktionen geeinigt haben“, sagt der der Konzern. Man begrüße „die neuen internationalen Sanktionen, die in Kürze in Kraft treten“.

Nach Einstellung des Cloud-Betriebs in Russland: Manche Produkte lassen sich weiter nutzen

Neben der Umsetzung der Sanktionen und dem Stopp aller Verkäufe hat SAP nun den Cloud-Betrieb in Russland aktiv eingestellt. Den Software-Konzern um CEO Christian Klein hätten Fragen erreicht, ob SAP in der Lage sei, alle bestehenden Produkte für russische Kunden abzuschalten.

Die Antwort der SAP: „Es gibt Kunden in Russland, die ihre SAP-Produkte für den On-Premise-Betrieb gekauft und installiert haben, also in eigenen internen IT-Abteilungen betreiben. Diese Produkte lassen sich weiter nutzen, unabhängig von einer Entscheidung seitens SAP, keinerlei Support oder Engagement zu leisten.“

SAP unterstützt Regierung in Ukraine bei Bestellung von medizinischen Hilfsgütern

Doch SAP tut noch mehr: Um den Bedarf an humanitärer Hilfe für Flüchtlinge vor Ort zu decken, setzt der Konzern seine Technologie ein, um multinationale Organisationen bei einer Reihe von Hilfsmaßnahmen zu unterstützen. Ein Schwerpunkt ist die sichergestellte Versorgung von Hilfsorganisationen und medizinischem Personal.

Dazu erklärt SAP: „Am 9. März haben wir Lieferanten im SAP Business Network die Möglichkeit gegeben, humanitäre Hilfe anzubieten – rund 1.500 haben dies bereits getan. Außerdem unterstützen wir die ukrainische Regierung bei der Bestellung von Hilfsgütern für Krankenhäuser, damit diese so schnell und einfach wie möglich mit dringend benötigter Ausrüstung versorgt werden können.“

Christian Klein, Vorstandssprecher des Software-Konzerns SAP, bei der Bilanzpressekonferenz im Januar 2021. (Archivfoto)
Christian Klein, Vorstandssprecher des Software-Konzerns SAP, bei der Bilanzpressekonferenz im Januar 2021. (Archivfoto) © Uwe Anspach/picture alliance/dpa

Ukraine-Hilfe: SAP und Mitarbeiter haben schon über 3 Millionen Euro gespendet

Technologie sei nur eines der Mittel, die SAP zur Verfügung stelle: „Die Gesamtsumme an Spenden seitens SAP und Mitarbeitern hat drei Millionen Euro überschritten und wächst weiter. Mehr als 4.000 Mitarbeiter haben den Flüchtlingen Wohnraum und andere Hilfe angeboten. Außerdem stellen wir SAP-Büroräume zur Verfügung, um Spenden wie Medikamente und Lebensmittel zu lagern.“

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Russlands ungerechtfertigter Krieg gegen die Ukraine sei „herzzerreißend in seiner Brutalität“, wie SAP betont. Zugleich verletze er das Grundrecht auf Freiheit, das man mit der Ukraine teile. „Wir stehen geschlossen an der Seite der Weltgemeinschaft in allen Bemühungen, diesen ungerechten Krieg in der Ukraine zu beenden und wir setzen weiter alles daran, um den Frieden wieder herzustellen“. (PM/pek)

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