Borkenkäferplage

Wenn sich Nadelwälder rot färben: „Buchdrucker“ setzen Fichten zu!

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Die Borkenkäfer-Plage reißt Schneisen in die Wälder, sogenannte „Käferlöcher“.  

Rhein-Neckar-Kreis - Wer derzeit aufmerksam in unsere Wälder schaut, sieht viele rot verfärbte Nadelbäume. Die Bäume leiden aber nicht unter Trockenheit, sondern unter Forstschädlingen: 

Nadelwälder leiden unter Borkenkäfer-Plage.

Ob an Berghängen oder in Seitentälern: Wer momentan in der Region in unsere Wälder schaut, sieht rote statt grüner Baumkronen. Mit den hohen Sommertemperaturen und der anhaltenden Trockenheit über die letzten Monate hat das aber nur bedingt zu tun.

Vielmehr sind die roten Baumkronen ein deutliches Zeichen für Borkenkäfer, die auch vor den Nadelwäldern im Rhein-Neckar-Kreis nicht Halt machen: Ist die Krone der Fichten bereits rot und der Baum abgestorben, ziehen die „Buchdrucker“ (so der genaue Name) zum nächsten gesunden Baum weiter.

Die Waldplagegeister: Borkenkäfer.

Erkennen, Einschlagen, Entrinden

Um die Borkenkäfer einzudämmen, müssen frisch befallene Bäume erkannt, eingeschlagen und entrindet werden. Anschließend werden sie aus dem Wald gebracht. Geht das nicht, werden die gefällten Stämme mit einem Insektizid behandelt, die Käfer gehen ein. 

Allein im Staatswald des Rhein-Neckar-Kreises sind bis dato bereits circa 15.000 Kubikmeter Käferholz angefallen – und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht“, bedauert der Leiter des Kreisforstamts, Dr. Dieter Münch: „Mit diesem Holz hat niemand gerechnet – es fällt ungeplant an und muss aufgrund seiner Qualität und der aktuellen Marktlage auch zu einem niedrigeren Preis verkauft werden.“ 

Die Gründe für die Borkenkäfer-Plage und die Vielzahl befallener Bäume ist der ‚Jahrhundertsommer‘: Hohe Temperaturen, wenig Niederschläge greifen die Bäume an, gleichzeitig begünstigt er die Entwicklung der Forstschädlinge. Derzeit steht schon die dritte Borkenkäfer-Generation in den Startlöchern.

Normalerweise schafft sie es gerade noch vor dem Herbst, wenn die Temperaturen unter 15 Grad sinken – oder gar nicht mehr. Die Fortpflanzungsrate ist enorm:Aus einem einzigen Käferpaar konnten in diesem Jahr bereits eine Million Käfer entstehen!

Forstrevierleiter: „Kontrollaufwand ist beträchtlich“    

Diesem Ansturm sind die Bäume einfach nicht mehr gewachsen“, erklärt Forstrevierleiter Rüdiger Dehn aus dem Revier „Neckarberg“. Auch er ist seit Wochen damit beschäftigt, befallene Bäume zu suchen und zu kennzeichnen. „Der Kontrollaufwand ist deshalb beträchtlich, weil wir zu jedem potenziellen Baum hinlaufen müssen, um die Anzeichen des Borkenkäferbefalls zu erkennen“, erläutert er.

Forstrevierleiter Rüdiger Dehn kennzeichnet zu fällende Bäume mit einem roten „K“.

Eindeutige Indizien sind das feine Bohrmehl, das am Stamm herunterrieselt, abfallende grüne Nadeln sowie die vom Specht bearbeitete Rinde. Und das alles bei immer noch grüner Krone.

Fichtenstammfuß mit Bohrmehl und Nadelteppich.

 Die befallenen Waldbereiche werden „Käfernester“ genannt und sind über das gesamte Revier verteilt. Auch das macht die Kontrolle nicht einfacher. Für das gesamte Kreisgebiet gibt es mittlerweile eine Karte, auf der die möglichen Befallspunkte eingezeichnet sind. Zum jetzigen Zeitpunkt sind das bereits 450 Stellen – und täglich kommen neue dazu. Dabei kommt es vor, dass an einem Punkt nur 10 Bäume betroffen sind, an einem anderen 200.

Der Schaden für die heimischen Nadelwälder ist auf alle Fälle groß: besonders in den reinen Fichtenbeständen, wo nach der Aufarbeitung der befallenen Bäume überhaupt kein Wald mehr steht. Aber auch dort, wo die Fichten mit anderen Baumarten gemischt sind, wird in Zukunft die Fichte schlichtweg fehlen.

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Weitere Informationen zum Thema geben die Revierleitungen vor Ort oder das Kreisforstamt des Rhein-Neckar-Kreises (☎ 06223/866536-7600, E-Mail: forstamt@rhein-neckar-kreis.de).

pm/rmx

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