Kommunale Flüchtlingsunterkünfte

Flüchtlinge: Landrat appelliert an Gemeinden

+
Kreissporthalle in Wiesloch: Kommunen müssen in Zukunft mehr Unterkünfte für Flüchtlinge schaffen.

Rhein-Neckar-Kreis - Konsequenz aus der Flüchtlingskrise: Die Kommunen im Kreis müssen sich auch für eine dauerhafte Unterbringung tausender Flüchtlinge vorbereiten. 

Die Suche nach vorläufigen Unterbringungsmöglichkeiten und die Versorgung von immer mehr Asylbewerbern und Flüchtlingen stellen den Rhein-Neckar-Kreis Woche für Woche vor große organisatorische Herausforderungen. 

Allein im November und Dezember wird der Kreis dem Land Baden-Württemberg über 2.300 weitere Flüchtlinge abnehmen (WIR BERICHTETEN). Bis Jahresende beläuft sich die Zahl der vom Rhein-Neckar-Kreis in Groß- und Notunterkünften sowie Wohnungen aufgenommenen Asylsuchenden damit auf rund 5.000

Entlastung nicht in Sicht

In Bezug auf die Flüchtlinsgproblematik sei man eigentlich „über den Krisenmodus hinaus“, sagte Landrat Stefan Dallinger im Rahmen eines Pressegesprächs am Mittwoch: „Was wir momentan erleben, kommt schon fast dem Katastrophenmodus nah“. 

Um den organisatorischen Aufwand bewältigen zu können, hat der Kreis zwei Stabsstellen eingerichtet, die sich um die unterschiedlichen Aufgaben kümmern sollen. Zudem wurde eine Urlaubssperre für Mitarbeiter verhängt und ein Bereitschaftsdienst auch am Abend eingerichtet. Außerdem sollen bis Ende des Jahres 90 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Der Rhein-Neckar-Kreis habe die Kapazitäten für die vorläufige Unterbringung von Flüchtlingen im vergangenen Jahr auf rund 5.000 Plätz e erhöht, berichtete der Landrat. Dies sei auch nötig, „denn eine Entlastung ist auf absehbare Zeit nicht in Sicht“, so Dallinger. 

Pro Monat muss der Kreis derzeit rund 1.200 Flüchtlinge unterbringen, die ihm vom Land Baden-Württemberg zugewiesen werden. Für Ende 2016 will der Rhein-Neckar-Kreis 8.000 vorläufige Unterbringungsplätze geschaffen haben, führte Dallinger weiter aus. 

Kommunale Aufgabe: Anschlussunterbringung

Auch die Gemeinden im Kreis müssen sich auf steigende Zahlen in der Anschlussunterbringung einstellen, ergänzte Erster Landesbeamter Joachim Bauer: „Die Welle der Flüchtlinge fließt erst in Zukunft von den Landeserstaufnahmeeinrichtungen (LEA) auf die Kommunen ab“. 

Dann etwa, wenn beispielsweise das Registrierungszentrum im Patrick-Henry-Village in vollem Umfang seinen Betrieb aufgenommen hat und wie geplant 3.000 Flüchtlinge pro Woche identifiziert, registriert und medizinisch untersucht. Nach ihrer Asylantragstellung sollen Asylbewerber mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit anschließend auf die Kreise, Städte und Kommunen in Baden-Württemberg verteilt werden.  

Für die Anschlussunterbringung werden 2015 rund 680 Asylbewerber auf die Gemeinden im Rhein-Neckar-Kreis verteilt, erklärte Ordnungsamtsleiter Stefan Becker, der mit seinem Team für die Sichtung und Einrichtung von Notunterkünften zuständig ist. „Nach derzeitigen Prognosen werden die Kommunen 2016 um die 2.000 Asylbewerber unterbringen müssen. Diese Zahl wird 2017 wahrscheinlich auf 4.000 steigen, vielleicht sogar deutlich darüber“, ergänzte Becker.

Bislang werden die Asylbewerber nach Einwohnerzahl auf die 54 Gemeinden verteilt. Die Gemeinden haben sich jetzt aber darauf geeinigt, dass die 24 Kommunen, die bislang vorläufige Unterkünfte für Flüchtlinge eingerichtet haben, ab 1. Januar 2016 geringere Kontingente zugewiesen bekommen sollen.

„Goldgräber“ profitieren von Suche nach Unterkünften

Der Kreis bekommt momentan von Baden-Württemberg 250 bis 280 Asylbewerber zugewiesen. Das stellt Becker und sein Team vor „eine Herkulesaufgabe“, wie Dallinger es ausdrückt. Auf der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten hat das Landratsamt insbesondere größere Immobilien mit Kapazitäten ab 50 Personen und Standorte für Container im Blick.    

Seit einer Informationsveranstaltung im Oktober bekäme das Landratsamt ein „Riesenangebot an potentiellen Unterkünften“, sagt Becker. Leider seien unter den Anbietern auch „Goldgräber“, die die derzeitige Krisensituation finanziell ausschlachten wollten: „Unter den Angeboten finden sich leider auch unseriöse, die darauf hinweisen, dass in manchen Gegenden in Deutschland derzeit 20 bis 30 Euro pro Tag und Person für eine Unterkunft gezahlt werden“, so Becker. „Das zahlen wir im Rhein-Neckar-Kreis nicht – noch nicht mal die Hälfte dessen.

Auch wenn es teilweise schnell gehen müsse, habe man in den Verhandlungen immer die Preisgestaltung im Blick, ergänzte Landrat Dallinger: „Uns ist bewusst, dass wir mit Ihren und unseren Steuergeldern hantieren, mit denen wir verantwortungsvoll umgehen müssen. Manche eigentlich geeignete Objekte haben wir abgesagt, weil wir sie preislich nicht darstellbar fanden.

Kleinere Objekte den Kommunen anbieten

Neben großen Objekten und Standorten gehen dem Landratsamt viele Angebote über Wohnungen oder kleinere Objekte in den Kommunen zur Unterbringung zu. Diese seien für den Kreis weniger interessant, würden aber an die Kommunen weitergeleitet. 

Die Gemeinden stehen nämlich in den kommenden Jahren vor der Herausforderung, ausreichend Wohnraum zu schaffen. Hier werde man in Zukunft auf die fristgerechte Aufnahme von Flüchtlingen wert legen müssen, betonte Ordungsamtsleiter Becker. 

-----

Weitere Artikel zum Thema:

>>> Das Registrierungszentrum Patrick Henry Village

>>> Flüchtlinge im Rhein-Neckar-Kreis

>>> Flüchtlinge in Mannheim

>>> Flüchtlinge in Ludwigshafen

>>> So kannst auch Du Flüchtlingen helfen

rmx

Die Heidelberger Ballnacht in der Stadthalle

Die Heidelberger Ballnacht in der Stadthalle

Fotos: Auffahrunfall auf A6 - Zwei Personen verletzt! 

Fotos: Auffahrunfall auf A6 - Zwei Personen verletzt! 

Ein nebeliger Herbstmorgen über Heidelberg

Ein nebeliger Herbstmorgen über Heidelberg

Kommentare