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Corona-Jahr im Rhein-Neckar-Kreis: Vor 365 Tagen kam das Virus in die Region

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Von: Ingo Rothermund

Das Uniklinikum Heidelberg.
Vor genau einem Jahr wurde im Uniklinikum Heidelberg der erste Coronafall der Region festgestellt. © Uwe Anspach/dpa

Rhein-Neckar-Kreis - Ende Februar 2020 kehrte ein Mann aus dem Rhein-Neckar-Kreis aus dem Skiurlaub zurück. Mit im Gepäck hat er das Corona-Virus.

Es ist ein mehr als außergewöhnliches Jahr. Viele Maßnahmen zur Einschränkung der Corona-Pandemie müssen die Menschen über sich ergehen lassen. Ausgangssperren, Ladenschließungen oder Kontaktbeschränkungen – um nur einige zu nennen. Zu Beginn des Jahres 2020 ist das Coronavirus noch weit weg. Mehr als 7.000 Kilometer östlich in China, um genau zu sein. Doch es kommt immer näher. Am Uniklinikum Heidelberg wird schließlich am Abend des 27. Februar 2020 ein Mann positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Dieser meldet sich aufgrund grippeähnlicher Symptome nach der Rückkehr aus dem Skiurlaub. In den vergangenen 365 Tagen haben das Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises und speziell das Gesundheitsamt viele Herausforderungen meistern müssen. Wir wagen daher einen Rückblick:

NameRhein-Neckar-Kreis
Bevölkerung547.625 (2019)
SehenswürdigkeitenTechnik Museum Sinsheim,
Hochschulen und UniversitätenFachhochschule Schwetzingen, MLP Corporate University

Corona im Rhein-Neckar-Kreis: Erster Fall aus Oftersheim

Jens Geiß, Bürgermeister der Gemeinde Oftersheim, blickt auf den 27. Februar 2020 zurück: Das Telefon klingelt und Landrat Stefan Dallinger ist am anderen Ende der Leitung. „Ich hatte gerade meine Tochter auf dem Schoß und habe ihr eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen, als mich der Landrat unterrichtete, dass ein Oftersheimer Bürger der erste positiv Getestete im Rhein-Neckar-Kreis sei. Auf einmal war das, was man zuvor als eher abstrakt wahrgenommen hatte, direkt bei und mitten unter uns.“

Im Gesundheitsamt ist man auf den Tag X vorbereitet: Bereits einige Wochen zuvor wird ein Stab einberufen, in dem die ersten Schritte im Umgang mit einer Pandemie vorbereitet wurden. Auch die einen Monat zuvor geschaltete Corona-Hotline verzeichnet ein erhöhtes Aufkommen, das sich in den darauffolgenden Wochen und Monaten deutlich erhöht. Andreas Welker vom Gesundheitsamt weiß bereits zu diesem frühen Zeitpunkt: „Das wird kein Sprint, sondern ein Marathon.“ Das Coronavirus ist fortan das dominierende Thema im Alltag der Menschen.

Corona im Rhein-Neckar-Kreis: Gestapelte Quarantänebescheide so hoch wie ein Turm

Doch noch einmal zurück zum Beginn des Ausbruchs im Rhein-Neckar-Kreis. In Windeseile müssen verschiedene Teams gebildet werden, um die Fälle schnell bearbeiten und nachverfolgen zu können. „Die Ermittlungsgruppe wurde mit steigenden Fallzahlen immer wieder in kleinere Einheiten unterteilt, um nicht nur spezielle Ansprechpartner für Gemeinschaftsunterkünfte, Altenheime, Schulen und Kitas anbieten zu können, sondern auch um Infektionsketten und sogenannte `Cluster´ noch schneller zu erkennen“, heißt es im Schreiben des Landratsamtes Rhein-Neckar-Kreis.

Alleine die bloßen Zahlen belegen die Dimension der Corona-Pandemie im Landkreis und der Stadt Heidelberg. „Zusätzlich zu den über 19.000 Fällen verzeichnet das Gesundheitsamt in der von der hauseigenen IT-Abteilung blitzschnell programmierten und immer weiter optimierten C-19-Datenbank über 37.000 Kontaktpersonen der Kategorie 1. Der Höchststand an aktiven Fällen, also Personen, die positiv getestet sind und sich deshalb in Quarantäne befinden, lag am 19. Dezember bei 1.945. Und die circa 50.000 versendeten Kuverts der Quarantänebescheide ergäben übereinandergestapelt einen 250 Meter hohen Turm“, bilanziert das Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis. So sehen die Fallzahlen in der Region mittlerweile aus.

Corona im Rhein-Neckar-Kreis: Über 125.000 Telefonate innerhalb eines Jahres

Kommunikation und Information werden meist telefonisch ausgetauscht. Über das Jahr hinweg werden über 125.000 Anrufe getätigt. Damit das alles reibungslos läuft, braucht es zudem Personal. „In der Spitze gab es im Gesundheitsamt zeitweise über 200 Vollzeitstellen - zu normalen Zeiten arbeiten dort lediglich rund 80 Personen.“ Nebenbei organisiert das Landratsamt den Aufbau und Betrieb von Corona-Testzentren. Zuerst in Schwetzingen, dann in Heidelberg, später noch in Reilingen und Sinsheim. „Wir sahen und sehen uns immer wieder vor Herausforderungen gestellt, die für eine Behörde nicht alltäglich sind. Der Aufbau von Impfzentren gehört normalerweise ja nicht zu unserem Kerngeschäft“, sagt die Dezernentin für Ordnung und Gesundheit, Doreen Kuss. „Aber auch diese Aufgabe haben wir in kürzester Zeit gestemmt und der Betrieb in den drei Impfzentren läuft reibungslos.

Auch Landrat Stefan Dallinger weiß um die enorme Belastung: „Das Landratsamt ist eben keine gesichtslose Behörde, sondern voll von motivierten Mitarbeitenden, die seit Monaten ein großes Pensum abspulen. Wir alle haben Familie und viele von uns nehmen wegen Corona Entbehrungen, großen Stress und zahlreiche Überstunden in Kauf. Ich bedanke mich bei allen ganz herzlich für ihr Engagement in diesem besonderen Jahr. Zugleich haben wir bewiesen: Auf den öffentlichen Dienst ist gerade in einer Krisensituation Verlass!

Corona im Rhein-Neckar-Kreis: Warnung vor dritter Welle

Seit Beginn der Pandemie in der Region vor einem Jahr steht das Landratsamt viel stärker im Fokus als sonst. Für die 54 Kommunen im Rhein-Neckar-Kreis ist das Amt ein wichtiger Ansprechpartner bei Fragen rund um die Corona-Pandemie. „Gerade bei uns in den Verwaltungen musste vieles spontan passieren - ein Umstand, mit dem man erst einmal zurechtkommen musste in unserem sonst ach so gut regulierten Arbeitsumfeld. Auf einmal mussten wir damit umgehen, dass Verordnungen zum Teil wenige Minuten vor dem Inkrafttreten übermittelt wurden und wir uns recht spontan in Sachverhalte reindenken mussten“, sagt Jens Geiß, Bürgermeister von Oftersheim.

Doch die Hoffnung, dass die hohe Belastung kein Dauerzustand bleibt, ist groß. „Nach zuletzt sinkenden Fallzahlen befindet sich das Infektionsgeschehen gerade in einer Stagnationsphase“, sagt Andreas Welker vom Gesundheitsamt. „Insofern besteht durchaus die Gefahr einer dritten Welle. Mit jeder Lockerung erhöht sich automatisch die Zahl der Kontakte, die die Menschen generieren.“ Neben der Kontaktminimierung ist für den stellvertretenden Amtsleiter daher auch die Impfung ein wesentlicher Baustein in der Bekämpfung der Pandemie: „Ich kann jedem nur dringend ans Herz legen, einen Impftermin wahrzunehmen, sofern man zur Gruppe der Impfberechtigten gehört“, so Welke.

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