Branche fürchtet Kollaps in Corona-Krise

„Rettungsschirm statt Sonnenschirm“: Reisebranche fürchtet Corona-Kollaps – Groß-Demo in Heidelberg

In mehreren deutschen Städten demonstrieren am Mittwoch Vertreter der Reisebranche für mehr Hilfe in der Corona-Krise. Auch in Heidelberg gehen die Menschen auf die Straße: 

  • Reisebranche fürchtet Kollaps in der Corona-Krise.
  • Am Mittwoch demonstrieren Veranstalter und Reisebüros in vielen deutschen Städten für mehr staatliche Hilfe und klare Perspektiven.
  • Auch in Heidelberg versammeln sich zahlreiche Menschen zur Demo und Kundgebung in der Innenstadt. 

Seit rund zwei Monaten ist das Reisen in der EU nur noch sehr begrenzt möglich. Die Reisewirtschaft in Deutschland fürchtet in der Corona-Krise einen Kollaps und Massenarbeitslosigkeit in der Branche. Laut einer Umfrage des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) sehen sich zwei Drittel der Unternehmen in der Reisebranche von Insolvenz bedroht. Rund 70 Prozent der Menschen in der Branche erhalten Kurzarbeitergeld. Am Mittwoch demonstrieren in zahlreichen deutschen Städten Vertreter der Reisebranche für mehr staatliche Hilfe und Perspektiven in der Corona-Krise – auch in Heidelberg.

Reisebranche fürchtet Kollaps in Corona-Krise – Demo in Heidelberg

In Heidelberg finden sich am Mittwoch auf dem Neckarmünzplatz mehr als 40 Busse und zahlreiche Reisebüro-Mitarbeiter ein. Sie fordern eine klare Perspektive für die Branche. Das Familienunternehmen von Edith Mayer etwa ist durch Corona gleich doppelt getroffen: Die Mayer GmbH in Neckargemünd bietet als klassisches Reisebüro Kreuzfahrten, Flug- und Studienreisen an, hat aber auch 19 Busse, davon sieben Reisebusse. „Es ist kein Land in Sicht“, sagt die Unternehmerin. „Unsere größte Forderung lautet für die Reisebusbranche, dass sich eine Perspektive ergibt - nämlich ab wann wir wieder fahren dürfen.“ Im Moment gebe es bundesweit einen Flickenteppich aus Verboten und Genehmigungen, der zu abstrusen Situationen führe, kritisiert Mayer. „Jedes Bundesland macht sein eigenes Programm. Nordrhein-Westfalen und Hessen dürfen ab Samstag fahren, bei uns im Südwesten steht noch nichts fest.“ Ihre Busse brauchten weniger als eine Stunde in die Pfalz oder nach Bayern - „aber was nützt uns das, wenn wir dort nicht fahren dürfen?“.

Vertreter der Reisebranche demonstrieren am Mittwoch in Heidelberg für schnelle staatliche Hilfen und Perspektiven in der Corona-Krise.

Auch die Reisebüros sind am Boden - viele setzen ihre Hoffnung auf eine Lösung der EU-Kommission, was Reisen im Sommer betrifft. Doch keiner weiß, wie sich das Coronavirus weiterentwickelt. Die Initiative „Rettet die Reisebüros“ fordert einen Rettungsschirm. Es gehe um 7.000 Reisebüroinhaber und ihre Mitarbeiter. Sie wollen finanzielle Soforthilfe von der Bundesregierung sowie eine umgehende und nicht rückzahlbare Beihilfe als Entschädigung für das Berufsverbot. Diese Hilfe brauche man schnellstens, heißt es bei dem Bündnis: „Unsere Existenzen stehen auf dem Spiel.“

Sommer-Urlaub 2020: EU-Kommission präsentiert Vorschläge

Seit Dienstag gibt es für die Reisebranche in Deutschland zumindest ein wenig Hoffnung. Denn die EU-Kommission hat empfohlen, die Reise-Einschränkungen ganz vorsichtig zu lockern – und Vorschläge präsentiert, wie der Sommer-Urlaub in diesem Jahr doch noch klappen könnte, ohne dass es zu einem heftigen Anstieg an Corona-Infektionen kommt. Die Empfehlungen der Brüsseler Behörde lauten unter anderem: Vorsichtige und abgestimmte Grenzlockerungen, Hygienepflichten für Hotels sowie geschultes Hotel-Personal und Maximalzahlen von Gästen.

Außerdem empfiehlt die EU-Kommission, dass Verbraucher in Sachen Gutschein oder Erstattung im Fall einer abgesagten Reise weiterhin die Wahl haben müssen. Deutschland will Verbraucher jedoch dazu verpflichten, bei Absagen in der Corona-Krise vorerst einen Gutschein statt einer Erstattung zu akzeptieren. 

dpa/kab

Quelle: Heidelberg24

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