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Querdenker-Terror: So heftig werden Lehrer und Schulen bedroht

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Von: Daniel Hagen

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Laut Bundesinnenministerium üben Querdenker und Verschwörungsideologen viel Druck auf Schulen und Kitas aus. Dazu gehören auch Beleidigungen und Drohungen gegen Lehrkräfte.

Neben Politikern, Journalisten und Polizei haben Querdenker, Reichsbürger und Selbstverwalter noch ein weiteres Ziel ins Auge geschlossen: Lehrer und Erzieher. Wie aus einer Anfrage der Linken an das Bundesinnenministerium hervorgeht, würden Gegner der Corona-Maßnahmen und der Impfkampagne in einzelnen Fällen vor Schulgebäuden demonstrierten und „dabei zuweilen auch das Zwiegespräch mit Schülern suchen“. Wie weit die Beschimpfungen und Bedrohungen gehen, lässt sich auch auf Telegram beobachten. Zudem berichten Lehrkräfte von den Anfeindungen und den kruden Methoden der Querdenker im Schulalltag.

Die Informationen der Bundesregierung bestätigen Befunde einer repräsentativen Umfrage der Bildungsgewerkschaft VBE, an der Lehrkräfte im Mai teilnahmen. 22 Prozent hatten darin angegeben, dass sie an der eigenen Schule Beschimpfungen, Bedrohungen oder Beleidigungen im „Zusammenhang mit der Durchsetzung von Infektionsschutzmaßnahmen“ erlebt hatten. 25 Prozent der Befragten berichteten von Beschimpfungen und Bedrohungen per Mail oder in Chats.

Querdenker und Reichsbürger nehmen Schule ins Visier – und bedrohen Lehrer

Rund sieben Prozent der Lehrkräfte geben auch an, persönlich von solchen Vorfällen betroffen gewesen zu sein. Als Beispiele wurden Drohungen beim Elternabend, eskalierende Gespräche, Briefe sowie Drohungen mit Strafanzeigen und Berufsverboten genannt. Der Verband berichtet auch von Plakataktionen und Demonstrationen im Umfeld von Schulen. Anwaltsschreiben oder standardisierte Schreiben, die sich Eltern im Netz heruntergeladen hätten, seien an Lehrer verschickt worden.

Der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann ruft die Bundesländer mit Hinblick auf die neuen Erkenntnisse der Bundesregierung dazu auf, „als Dienstherr“ ihrer Fürsorgepflicht nachzukommen. Etwaige Angriffe auf Lehrkräfte müssten konsequent verfolgt und angemessen geahndet werden. „Schulleitungen und Lehrkräfte dürfen in dieser belastenden Situation nicht im Stich gelassen werden.“ Vor kurzem ist in Sandhausen sogar der neu gewählte Bürgermeister von einer Corona-Maßnahmengegnerin rassistisch beleidigt worden.

Fake-News und Drohungen: So gehen Querdenker und Reichsbürger gegen Schulen vor

Schaut oder hört man sich auf Querdenker-Demos – neuerdings auch „Spaziergänge“ genannt – etwas um, fällt einem ein Punkt ganz oft ins Auge. Viele Teilnehmer fordern von der Politik, die Finger von ihren Kindern zu lassen, wenn es um Maskenpflicht oder Impfungen geht. Es wird von „Kindeswohlgefährdung“ und sogar „Folter“ gesprochen. Seit Beginn der Pandemie werden zudem Nachrichten in den sozialen Medien wie Telegram umhergeschickt, laut denen schon mehrere Kinder durch das Tragen einer Maske gestorben seien. Beweise hat es dafür aber noch nie welche gegeben – selbst wenn es sie angeblich überall gebe.

Demonstrationsverbot in Berlin - Menschenansammlung
Auf Querdenker-Demos geht es auch immer wieder um Kinder. (Symbolfoto) © Fabian Sommer/dpa

Doch durch solche Fake-News und Verschwörungsmythen pushen sich Querdenker, Reichsbürger und Selbstversorger gegenseitig hoch. Um zu verhindern, dass ihre Kinder in der Schule oder der Kita Masken tragen oder Tests über sich ergehen lassen müssen, werden die Institutionen mit Briefen, E-Mails und Drohschreiben überschüttet. In manchen Schreiben werden „pseudojuristische Argumente“ angeführt, die den Corona- oder Masken-Verordnungen ihre Rechtsgültigkeit absprechen. Reichsbürger und Selbstverwalter erkennen die Bundesrepublik Deutschland und ihr Rechtssystem nicht an. Ob es im Zusammenhang mit den genannten Aktionen auch zu Straftaten kam, dazu habe das Innenministerium „keine Erkenntnisse“.

Telegram: Hetze und Beleidigungen gegen Lehrer

Wie groß der Hass gegen Lehrkräfte ist, zeigt sich auch auf mehreren Telegram-Kanälen. So wurde zum Beispiel in der Gruppe „ElternStehenAuf Speyer + Rhein-Pfalz-Kreis + Germersheim“, noch Ende letzten Jahres darüber fantasiert, einen Anschlag auf einen Impfbus durchzuführen. In der Gruppe wird außerdem regelmäßig über Lehrer und Erzieher gehetzt, die sich an die Corona-Regeln halten. Zudem werden auch Tipps gegeben, wie man sich vermeintlich vor Maskenpflicht und Tests drücken kann.

„Der Schulleitung bitte ein Formular zur Haftungsübernahme vorlegen und unterzeichnen lassen....und gleich den Anwalt vorankündigen. Ich war bisher eher gemäßigt unterwegs und dachte, man könnte mit den Pädophi....ähm....Pädagogen vernünftig reden. Inzwischen bin ich sehr sehr oft anderer Meinung“, schreibt zum Beispiel ein Moderator der Gruppe, als es um Masken im Unterricht und Coronatests in der Schule geht. Zwischen den Diskussionen der Impfgegner, in denen Ärzte auch gerne mal als „Impfmörder“ betitelt werden, werden auch fleißig Fake-News, Verschwörungsmythen und Aufrufe zu „Spaziergängen“ und Demos geteilt. (dpa/dh)

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