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Verdacht auf Körperverletzung im Amt – Polizei Bensheim ermittelt gegen Polizisten

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Von: Fabienne Schimbeno

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Bensheim - Die Polizei ermittelt gegen einen Kollegen. Der Beamte soll bei einem Einsatz einem Mann zwischen die Beine getreten haben. Der Betroffene wurde von seinem Streifendienst entbunden:

Ermittlung in den eigenen Reihen: Wie das Polizeipräsidium Südhessen am Freitag (2. September) in einer Meldung bekannt gibt, ist ein Beamter der Polizei Bensheim vorläufig von seinem Dienst als Streifenpolizist entbunden und innerhalb der Polizeidirektion Bergstraße versetzt worden. Dem Polizisten wird Körperverletzung im Amt in einem Fall vorgeworfen. Gegen den Beamten wurde laut Angaben der Polizei bereits Anzeige erstattet und ein Disziplinarverfahren eingeleitet.

Weil Beamter bei Einsatz gewalttätig wurde: Polizei Bensheim ermittelt gegen Kollegen

Grund dafür ist ein Einsatz am 19. August 2022: Wie das Polizeipräsidium Südhessen schildert, soll ein 19-jähriger Mann an besagtem Tag insgesamt drei Polizeieinsätze ausgelöst haben. Der Mann sei durch sein Verhalten auffällig geworden.

Wie die Beamten schildern, soll sich der 29-Jährige bei einem dieser Einsätze „extrem renitent“ gezeigt und sich geweigert haben, den Anweisungen der Polizeibeamten Folge zu leisten. „Hierbei soll es im Eingangsbereich einer Klinik in Bensheim zu einem Tritt eines Polizeibeamten in den Genitalbereich des Mannes gekommen sein“, heißt es.

„Macht mich betroffen“: Polizeivizepräsident entschuldigt sich für Verhalten des Beamten

Wie das Polizeipräsidium Südhessen weiter darstellt, soll der 29-Jährige im Anschluss das Klinikgelände verlassen haben. „Etwa 1,5 Stunden später wurde er dort, nach einer vorangegangenen Sachbeschädigung an der Glastür der Klinik, vorläufig festgenommen“, heißt es. Ein durchgeführter Alkoholtest soll einen Wert von 1,66 Promille ergeben haben.

Polizeivizepräsident Rudi Heimann entschuldigt sich unterdessen für das Verhalten seines Beamten: „Dass ich innerhalb kürzester Zeit von einem weiteren Vorfall Kenntnis nehmen musste, macht mich betroffen“, sagt der Präsident. Erst am Mittwochvormittag (31. August) war es zu einem weiteren Fall gekommen, in dem ein Polizist aus Darmstadt bei einem Einsatz einem Mann gegenüber handgreiflich geworden war:

Weiterer Fall aus Hessen: Polizist aus Darmstadt gibt Mann bei Einsatz Ohrfeige

In dem Fall hatte ein 26 Jahre alter Mann in einer Straßenbahn der Linie 8 in der Landskronstraße in Darmstadt randaliert. Die Polizei sei daraufhin alarmiert worden, der Mann sei dann in eine psychiatrische Klinik verbracht worden, wie es in einer Pressemitteilung vom 1. September heißt.

Weil sich der 26-Jährige auch in der Klinik nicht zu beruhigen schien und verbal ausfällig wurde und Personal und Beamte bespuckte, gab ihm ein Polizeibeamter schlussendlich eine Ohrfeige. Der Polizist soll sich noch vor Ort sowie am Folgetag für sein Verhalten entschuldigt haben. Schon im Mai 2022 waren zwei Beamte bei einem Polizeieinsatz in Mannheim in Verruf geraten: Ein 47-jähriger Mann war nach einer Polizeikontrolle im Krankenhaus verstorben. Eine Zeugin hatte den Einsatz, der sich am Marktplatz in Mannheim ereignete, geschildert.

„Sensibilisierungseffekt für alle erzielen“: Polizeivizepräsident Heimann über Vorfall aus Bensheim

In Bezug auf die Fälle aus Bensheim und Darmstadt erklärt Polizeivizepräsident Rudi Heimann unterdessen: „Ich bedauere, dass erneut wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt Anzeige erstattet werden musste“, sagt Heimann. Betonen möchte er überdies, dass sich die eingesetzten Beamtinnen und Beamten durch eine unmittelbare Meldung an ihre Vorgesetzten „vorbildlich“ verhalten hätten. „Auch die internen Meldewege haben funktioniert, wenn auch zeitverzögert“, so der Vizepräsident weiter.

Ein derartiges Verhalten sei für die Polizei in keiner Weise tolerierbar und erfordere stets konsequente Aufklärung und Ahndung. „Ich versichere, dass im Polizeipräsidium Südhessen Fehlverhalten in keiner Weise geduldet wird. Hierzu gehört darüber hinaus auch, dass solche Einsätze schnell, kritisch und umfassend nachbereitet werden, um aus den Ergebnissen einen umgehenden und nachhaltigen Sensibilisierungseffekt für alle zu erzielen“, bezieht Polizeivizepräsident Rudi Heimann klar Stellung.

Polizist aus Bensheim wegen Körperverletzung angezeigt – weiterer Skandal aus Hessen

Die internen Prozesse, insbesondere dass die Behördenleitung zeitverzögert und erst jetzt Kenntnis von dem Sachverhalt erlangt hat, würden nachbereitet, heißt es abschließend in der Meldung vom Polizeipräsidium Südhessen.

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Erst kürzlich waren Polizisten aus Hessen in einen Skandal verwickelt: Bei einem Videodreh der Ludwigshafener Band HoodBlaq sollen die Beamten mit Drogen erwischt worden sein. Gegen die Polizisten laufe nun ein Strafverfahren wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. (fas/pol)

Korrekturhinweis der Redaktion: In der ersten Version der Berichterstattung hieß es, dass der Polizist aus Bensheim in beide geschilderten Fälle verwickelt war. Der Beamte soll laut Hinweis der Polizei aber lediglich in einem der beiden Fälle betroffen sein, weswegen der Artikel angepasst wurde.

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