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Paketbomber-Prozess in Heidelberg: Freispruch-Urteil für Rentner (67) ist rechtskräftig!

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Von: Marten Kopf

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Der Angeklagte (M) kommt zu seinem Anwalt Steffen Lindberg (r) in den Gerichtssaal des Landgerichts Heidelberg. Der Angeklagte soll für eine Serie von explosiven Postsendungen verantwortlich sein.
Der mutmaßliche Bombenbauer vor dem Landgericht Heidelberg © Uwe Anspach/dpa

Heidelberg – Ein Rentner soll für drei Paketbomben an die Lidl, Wild-Werke und Hipp verantwortlich sein. Nun ist ein Urteil im Prozess vor dem Landgericht gefallen – mit einer Mega-Überraschung:

Update vom 29. November, 10:01 Uhr: Der spektakuläre Freispruch im Paketbomben-Prozess für einen angeklagten Rentner. Jetzt ist das überraschende Urteil rechtskräftig! Laut Staatsanwaltschaft Heidelberg werde man keine Revision gegen die Entscheidung des Gerichts zugunsten des 67-Jährigen einlegen, wie der SWR berichtet. Heißt: Somit läuft der Täter, der potentiell tödliche Paketbomben gebastelt und an Lebensmittel-Konzern wie Lidl in Neckarsulm und ADM Wild (Capri-Sun) in Eppelheim verschickt hat, nach wie vor frei herum! Eine dritte Bombe an den Kindernahrungs-Riesen Hipp (Oberpfaffenhofen/Bayern) konnte am Münchner Flughafen im dortigen Paketzentrum abgefangen werden. Die Sprengsätze Pakete verletzten im Februar 2021 insgesamt vier Menschen.

Zur Erinnerung: Statt wie gefordert mit einer Freiheitsstrafe von 4,5 Jahren hat der Angeklagte des Indizien-Prozesses das Landgericht Heidelberg als freier Mann verlassen. Lediglich eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen hat man ihm aufgebrummt – wegen unerlaubten Besitzes von Munition.

Heidelberg: Hammer-Urteil im Paketbomber-Prozess – Landgericht spricht Rentner (67) frei

Update vom 19. November: Spektakuläre Wende im Prozess um explosive Postsendungen an bekannte Lebensmittelfirmen! Das Landgericht Heidelberg hat den 67-jährigen Rentner frei gesprochen. Der Angeklagte müsse nur eine Geldstrafe wegen des unerlaubten Besitzes von Munition zahlen, hieß es bei der Urteilsverkündung am Freitag – Tagessätzen zu je 60 Euro weg. Der Ulmer hatte stets seine Unschuld beteuert, jedoch den unerlaubten Besitz von 13 Zentralfeuerkartuschen mit unterschiedlichem Kaliber sowie zwei Zentralfeuerpatronen eingeräumt, die im Rahmen einer Durchsuchung in seiner Wohnung gefunden worden waren. Sie stammen nach seinen Angaben aus seiner Wehrdienstzeit. Hinsichtlich der weiteren Tatvorwürfe hat sich die Kammer nach der zwölf Verhandlungstage umfassenden Hauptverhandlung angesichts des Ergebnisses der Beweisaufnahme nicht die für eine Verurteilung erforderliche Überzeugung von der Schuld des Angeklagten bilden können.

Die Serie der explosiven Postsendungen hatte am 16. Februar in Eppelheim in Baden-Württemberg begonnen. Dort war in der Warenannahme des Getränkeherstellers ADM Wild ein Mann durch eine Verpuffung verletzt worden als er ein Paket annahm. Am Folgetag kam es beim Öffnen eines Briefes in der Lidl-Zentrale im baden-württembergischen Neckarsulm zu einer Explosion mit drei Verletzten. Ein drittes Paket, das an den Babynahrungshersteller Hipp im oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm adressiert war, wurde in einem Paketverteilzentrum am Flughafen München abgefangen und entschärft.

Die Staatsanwaltschaft Heidelberg warf dem Angeklagten vor, eine Sprengstoffexplosion herbeigeführt zu haben, außerdem gefährliche Körperverletzung und versuchte schwere Körperverletzung. Mittels selbstgebauter Sprengsätze habe der Elektriker Geld von den Firmen erzwingen wollen. Die Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert, weil der Rentner nach einem anthropologischen Gutachten mit höchster Wahrscheinlichkeit gar nicht der gesuchte Mann sei. (Aktenzeichen: 1 KLs 400 Js 3757/21). Das Urteil des Landgerichts ist nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft, der Angeklagte sowie die Nebenkläger können gegen das Urteil binnen einer Woche das Rechtsmittel der Revision zum Bundesgerichtshof einlegen.

Heidelberg: Plädoyers im Paketbomber-Prozess – Diese Strafen werden gefordert

Update vom 17. November, 14:20 Uhr: Seit dem 8. September findet am Landgericht Heidelberg der Prozess um einen mutmaßlichen Bombenbauer statt. Dieser Indizienprozess wird wohl am Freitag (19. November) zu Ende gehen. Noch ist völlig offen, wie das Gericht entscheiden wird. Während die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von viereinhalb Jahren fordert, möchten die Verteidiger einen Freispruch erreichen. Lediglich für den weiteren Anklagepunkt des vorsätzlich unerlaubten Besitzes von Munition wird eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen vorgeschlagen. Die Nebenklage stellt keinen Antrag.

Der Angeklagte ist auf freiem Fuß, weil kein dringender Tatverdacht mehr besteht. Nach Ansicht der Verteidigung bestätigt ein auf den Vergleich von Körpermerkmalen basierendes anthropologisches Gutachten die Unschuld ihres Mandanten. Ein weiterer Gutachter kritisierte zudem den Einsatz von Suchhunden bei den Ermittlungen. Wie der Mannheimer Morgen berichtet, ist sich Oberstaatsanwalt Lars-Jörgen Geburtig allerdings sicher, dass es sich beim Bombenbauer um den 67-jährigen Elektriker handelt. Zu viele der Indizien sprächen dafür.

Heidelberg: Prozess-Wende – Gutachten soll Paketbomber endgültig entlasten

Update vom 22. Oktober: Im Prozess um explosive Postsendungen an süddeutsche Lebensmittelfirmen steht eine aus Sicht der Verteidigung für den Angeklagten entlastende Expertise im Fokus. Mit einem von ihr initiierten anthropologischen Gutachten sollte ein Experte nach einem Abgleich von Körpermerkmalen feststellen, ob ein Video aus einer Überwachungskamera den Beschuldigten zeige. Seine Analyse wird er am Freitag, den 22. Oktober, um 8.30 Uhr vor dem Landgericht Heidelberg präsentieren.

Basis ist eine Aufnahme eines Mannes in einer Poststelle, in der explosive Post aufgegeben worden war. Der angeklagte Rentner ist auf freiem Fuß, weil kein dringender Tatverdacht mehr besteht. Sein Rechtsanwalt will einen Freispruch seines Mandanten erreichen. Beim Prozessauftakt Anfang September hatte der gelernte Elektriker aus dem Raum Ulm die Vorwürfe bestritten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, gefährliche Körperverletzung und versuchte schwere Körperverletzung vor. Sie ging bislang davon aus, dass er die Sprengvorrichtungen selbst gebaut hat. Der Rentner habe Geld von den Firmen erzwingen wollen.

Heidelberg: Prozess-Hammer – mutmaßlicher Paketbomber kommt frei

Erstmeldung vom 5. Oktober: Überraschende Wende im Prozess um den mutmaßlichen Paketbomber Klaus S.: Der für die Absendung explosiver Postsendungen an süddeutsche Lebensmittelfirmen angeklagte Rentner kommt vorerst aus der Untersuchungshaft frei. Die zuständige Kammer habe den Haftbefehl gegen ihn am Montag (4. Oktober) aufgehoben, sagt eine Gerichtssprecherin am Abend der Deutschen Presse-Agentur. Nach derzeitigem Stand liege kein dringender Tatverdacht gegen den Mann mehr vor. Daher ordnet das Landgericht Heidelberg die Freilassung an. Nach Angaben seines Anwalts kommt der 66-Jährige bereits am Montagnachmittag frei.

StadtHeidelberg (Baden-Württemberg)
Fläche108,8 km²
Einwohnerzahl161.485 (2020)
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

Beim Prozessauftakt am 8. September bestreitet der gelernte Elektriker aus dem Raum Ulm jeden Zusammenhang mit der explosiven Post: „Ich bin nicht die von Ihnen gesuchte Person“, so S. Der Justiz wirft er vor, ihn mit großem Aufwand „zerstören“ zu wollen: „Ich hoffe auf Gerechtigkeit.“ Darüber hinaus äußert sich der Rentner nur zu seinem Werdegang und betont dabei vor allem sein soziales Engagement.

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Der Prozess geht nach Angaben des Landgerichts an diesem Freitag (8. Oktober) weiter. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, gefährliche Körperverletzung und versuchte schwere Körperverletzung vor. Sie geht bislang davon aus, dass er die Sprengvorrichtungen selbst gebaut hat. Er habe Geld von den Firmen erzwingen wollen. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft.

Paketbomber vor dem Landgericht Heidelberg: Explosions-Serie bei LIDL und Capri-Sun

Die Serie der explosiven Postsendungen beginnt am 16. Februar in Eppelheim. Dort wird in der Warenannahme des Getränkeherstellers ADM Wild ein Mann durch eine Verpuffung verletzt, als er ein Paket annimmt. Am Folgetag kommt es beim Öffnen eines Briefes in der Lidl-Zentrale in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) zu einer Explosion mit drei Verletzten. Ein drittes Paket, das an den Babynahrungshersteller Hipp im oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm adressiert ist, wird in einem Paketverteilzentrum am Flughafen München abgefangen.

„Alle drei Pakete sollen versteckte Sprengsätze enthalten haben, die so konstruiert gewesen seien, dass sie beim Öffnen der Pakete zünden und explodieren würden. Dabei soll der Angeklagte damit gerechnet haben, dass beim Öffnen der Pakete die damit befassten Personen durch die Detonation im Gesichtsbereich und an den Fingern verletzt werden würden“, so das Landgericht Heidelberg. (dpa/mko)

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