Zehn Jahre später

Sexueller Missbrauch an Odenwald-Schule: Opfer bekommen über eine halbe Million Euro

Heppenheim - Zehn Jahre nachdem der sexuelle Missbrauch an hunderten Schülern der Odenwaldschule herausgekommen ist, sind noch viele Fragen offen. Mehrere Opfer haben bislang Entschädigungen erhalten. 

  • In der Odenwaldschule in Heppenheim werden seit 1910 Schüler unterrrichtet. 
  • Im Jahr 2010 kam heraus, dass hunderte Schüler über Jahre hinweg systematisch sexuell missbraucht wurden.
  • Im Jahr 2015 musste die Odenwaldschule Insolvenz anmelden.
  • Ehemalige Missbrauchsopfer bilden den Verein „Glasbrechen“.

Update vom 18. Mai: Zehn Jahre ist es her, dass die skandalösen und schrecklichen Vorkommnisse an der Odenwaldschule im hessischen Heppenheim enthüllt wurden. Es kam heraus, dass über Jahre hinweg systematisch Schüler sexuelle missbraucht worden waren. Studien gehen davon aus, dass mehr als zwei Dutzend Lehrkräfte und andere Mitarbeiter sich an über 900 Jugendlichen vergangen haben. Doch auch heute sind noch viele Fragen offen. Zum Beispiel welche Rolle andere Institutionen wie Jugendämter gespielt haben. Denn trotz Meldungen von Missbrauchsfällen sei nichts passiert. 

Odenwaldschule: Opfer erhalten eine halbe Million Euro

Nach Angaben der Stiftung „Brücken bauen“ wurden bislang mehr als 573.000 Euro an 46 Opfer ausgezahlt „Der Stiftung sind 140 Opfer bekannt, von denen einige bewusst keinen Antrag gestellt haben beziehungsweise vor einer Antragsstellung zurückschrecken, da dies wieder mit einer intensiveren Auseinandersetzung mit dem Thema verbunden wäre“, sagt Mitglied Ulrich Kühnhold. Sabine Pohle vom Verein „Glasbrechen“ geht zudem von einer Dunkelziffer aus.

Das Land Hessen unterstützte die Opfer nach Angaben des Kultusministerium mit insgesamt 100.000 Euro, von denen seitens der Stiftung „Brücken bauen“ 30.000 Euro für die Opferentschädigung bereitgestellt wurden. Die finanziellen Mittel für die Stiftung waren bis Ende vergangenen Jahres befristet.

Ein ekelhafter Fall ereignet sich Ende Mai auf einem Spielplatz in Heidelberg: Ein 56-Jähriger sitzt unter der Rutsche und beobachtet Kinder. Als einer Mutter auffällt, dass er dabei masturbiert, ruft sie die Polizei. Jetzt sitzt der Mann in Haft.

Odenwaldschule: Schreckliche Missbrauchsfälle in den 70 und 80er Jahren

Erstmeldung vom 22. Februar 2019: Der Horror sitzt heute noch tief bei vielen Menschen, wenn sie an das Eliteinternat Odenwaldschule denken. Im Jahr 1998 berichteten ehemalige Schüler über sexuellen Missbrauch, der in den 70 und 80er Jahren durch Lehrer durchgeführt wurde. Nach Jahren der Aufklärung musste die Schule schlussendlich Insolvenz anmelden und stellte im September 2015 den Betrieb ein.

Odenwaldschule: Zahl der Opfer ist unklar

Wie viele Schülerinnen und Schüler dem Missbrauch zum Opfer gefallen sind ist unklar. Man geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Am Freitag (22. Februar) werden zwei Studien vorgestellt, die von bis zu 900 Jugendlichen ausgehen

In der Odenwaldschule in Heppenheim sind jahrelang hunderte Schüler sexuell missbraucht worden.

Die dort über Jahrzehnte praktizierte sexuelle und emotionale Ausbeutung von Schülerinnen und Schülern lässt keine andere Diagnose zu als die eines manipulativen, selbstherrlichen und schäbigen pädagogischen Systems, in dem alle Kinder und Jugendlichen massiven Entwicklungsrisiken ausgesetzt wurden“, sagt Florian Strauss vom Institut für Praxisforschung und Projektberatung München (IPP)

Dort ist eine der beiden Studien erstellt worden. Die andere entsteht am Institut für Allgemeine Pädagogik und Sozialpädagogik der Universität Rostock. 

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Odenwaldschule: Über zwei Dutzend Täter – auch Frauen

Die ausgewerteten Akten und Daten zeigen zudem, dass es über zwei Dutzend Täter unter den pädagogischen und technischen Mitarbeitern der Schule gab! Laut Jens Brachmann von der Universität Rostock habe es nicht nur männliche Täter gegeben, sondern auch mindestens fünf Frauen

Die haben noch Täterinnen und Täter entdeckt, von denen wir nichts wussten“, sagt Adrian Koerfer, ehemaliger Gründungsvorsitzender des Vereins Glasbrechen. Das ist ein Zusammenschluss von Betroffenen – oft selbst Opfern der Missbrauchsvorfälle. 

Einen Grund zur Erleichterung gebe es aber nicht, da die Zahlen der Studien mit 500 bis 900 Opfern zu hoch seien. Laut Strauss von der IPP hätten die Aufarbeitung und Veröffentlichung der Studien früher erfolgen sollen. Sie wurden 2014 vom damaligen Trägerverein der Odenwaldschule und dem Verein Glasbrechen in Auftrag gegeben und vom hessischen Sozialministerium mitfinanziert. 

Odenwaldschule: Sozialminister entschuldigt sich bei Opfern

Im Anschluss wurden mehr als 450 laufende Meter Akten, mehrere hundert Pläne und 50.000 Bilder, Audio- und Videokassetten ausgewertet und ehemalige Schüler und Lehrer interviewt.

Ein breites System von Personen und Institutionen sind ihrem Schutzauftrag nicht nachgekommen, auch Ämter haben versagt“, erklärt der Landtagsabgeordnete Markus Bocklet. Der hessische Sozialminister Kai Klose bittet zudem um Verzeihung:„Für dieses Versagen der staatlichen Stellen bitte ich alle, denen auch deshalb Leid widerfahren ist, als heute verantwortlicher Minister um Verzeihung.

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Ein Mann aus Karlsruhe soll eine 9-Jährige sexuell missbraucht haben. Auf seinem Handy finden die Ermittler ein Video der widerlichen Tat – und noch weitere Beweise. 

dpa/dh

Rubriklistenbild: © picture alliance / Frank Rumpenhorst/dpa

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