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6 Fragen an OB-Kandidaten: Bauer möchte Heidelberg zur Klimawandel-Pionierstadt machen

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Von: Florian Römer

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Heidelberg - Am 6. November wird in der Unistadt der Oberbürgermeister gewählt. Welche Pläne Herausforderin Theresia Bauer für die kommenden acht Jahre hat:

Neun Kandidaten treten am 6. November zur Oberbürgermeister-Wahl in Heidelberg an. Im Gegensatz zur letzten Wahl 2014 bekommt der amtierende Rathauschef Prof. Dr. Eckart Würzner (parteilos) dieses Mal „richtige“ Konkurrenz. Insbesondere die Heidelberger Landtagsabgeordnete und ehemalige Wissenschaftsministerin Baden-Württembergs, Theresia Bauer (Grüne), macht sich berechtigte Hoffnungen, den 61-Jährigen als Oberbürgermeister von Heidelberg abzulösen.

OB-Wahl in Heidelberg: 6 Fragen an Theresia Bauer

HEIDELBERG24 hat den OB-Kandidaten sechs Fragen zu den laut Heidelberg-Studie wichtigsten Themen Verkehr, Wohnen und Klimaschutz gestellt. Theresia Bauer wurde in Zweibrücken geboren und wuchs in der Westpfalz auf. 1985 zog die 57-Jährige für das Politik-, VWL- und Germanistik-Studium nach Heidelberg und lebt seither hier. Bauer hat zwei Söhne.

Als Abgeordnete vertritt sie seit 20 Jahren den Stadtkreis Heidelberg im Landtag. Von 2011 an war Bauer Landesministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Sie wurde vier Mal zur „Wissenschaftsministerin des Jahres“ in Deutschland gewählt. Um sich voll auf den OB-Wahlkampf konzentrieren zu können, legte Bauer ihr Amt Ende September 2022 nieder.

Theresia Bauer will Oberbürgermeisterin von Heidelberg werden.
Theresia Bauer will Oberbürgermeisterin von Heidelberg werden. © Francesco Futterer/Kontext Kommunikation

Was sind aus Ihrer Sicht die drängendsten Verkehrsprobleme in Heidelberg und wie wollen Sie diese angehen?

Bauer: „Wir brauchen mehr Sicherheit und mehr Raum fürs Fahrradfahren: Deshalb ein Lückenschlussprogramm für Radwege, Fahrradstraßen und Radschnellwege ins Umland, mehr gute Fahrrad-Stellplätze. Wenn möglich, sollten Auto, Rad und Fußgänger getrennt voneinander unterwegs sein können. Ausbau der Nahverkehrsverbindungen ins Umland sind auszubauen, damit weniger Pendler aufs Auto angewiesen sind. Verkehrsberuhigte Zonen in allen Stadtteilen ausbauen, damit mehr Sicherheit und mehr Aufenthaltsqualität entsteht. Ausbau von Sharing-Angeboten und Ladesäulen für E-Autos und E-Bikes.“

Wie teuer sollte der ÖPNV Ihrer Meinung nach in Heidelberg und im Verbundnetz sein und warum?

Bauer: „Der Ausbau des ÖPNV ist zentral wichtig, um Menschen für den Umstieg vom eigenen Auto auf Rad, Nahverkehr und Carsharing zu überzeugen. Taktverdichtungen, gerade in zeitlichen und örtlichen Randlagen, und neue Schnellbuslinien ins Umland sind dafür zwingend erforderlich. Für Bergstadtteile werden künftig aber auch “on demand”-Angebote eine wichtige Rolle spielen.

Das alles gibt es nicht umsonst! Luftschlösser von einem für alle Fahrgäste kostenlosen ÖPNV zu bauen, wäre fatal, wenn aufgrund mangelnder finanzieller Mittel der notwendige Ausbau des Angebotes nicht gestemmt werden könnte. Mit dem vom Gemeinderat durchgesetzten 3-Euro-Ticket ist dagegen ein Weg gefunden, den Nahverkehr sozialverträglich preiswert zu gestalten und dennoch, von denjenigen, die es sich leisten können, Einnahmen zu generieren.“

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Wie stehen Sie zu den Themen Anwohnerparken und Gehwegparken?

Bauer: „Der Umgang mit parkenden Autos ist eine große Herausforderung: Ruhende Autos belegen öffentlichen Raum. Wenn sie auf Gehwegen parken, behindern sie das Durchkommen mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator und beeinträchtigen die Sicherheit. Das Auto im öffentlichen Raum abstellen zu können, ist daher ein Privileg im Vergleich zu anderen Verkehrsteilnehmern. Aber: Viele Menschen sind auf das eigene Auto angewiesen und das wird auch vorerst so bleiben.

Parkraum ist jedoch schrittweise zu bewirtschaften, das Anwohnerparken in der Fläche gerecht und sozialverträglich auszuweiten. Ein schrittweiser Abbau von kostenlosen Parkplätzen im öffentlichen Raum muss begleitet werden durch mehr Car-Sharing Stellplätze und mehr Quartiersgaragen. Das Parken auf Gehwegen ist – heute schon – nicht erlaubt und das muss mit geeigneten Maßnahmen umgesetzt werden.“

Heidelberg will das Gehwegparken schrittweise unterbinden.
Heidelberg will das Gehwegparken schrittweise unterbinden. © Florian Römer/HEIDELBERG24

Heidelberg wächst und ist für immer mehr Menschen ein attraktiver Ort zum Leben. Gleichzeitig wird es immer schwerer, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Wie wollen Sie sicherstellen, dass in der Unistadt ausreichend bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht?

Bauer: „Bezahlbarer Wohnraum ist in Heidelberg ein brisantes Thema. Es wurde zwar viel gebaut in den letzten Jahren, aber verfügbarer bezahlbarer Wohnraum ist dabei kaum dazugekommen. Deshalb muss die Stadt aktiver gestalten und eingreifen. Dafür gibt es verschiedene Instrumente: Aktive Bodenpolitik, also Grundstücke zur Bebauung selbst erwerben, um deren Vergabe nur nach gemeinwohlorientierten Kriterien und Konzepten zu erlauben. Die Zusammenarbeit mit gemeinwohlorientierten Trägern, etwa Genossenschaften oder der GGH und die Förderung von kleinteiligen Bau- und Wohngruppen gehören dazu.

Auch Beschäftigtenwohnen und Studierenden- und Azubi-Wohnhäuser wäre Vorrang zu geben bei der Realisierung von neuen Vorhaben: Nicht nur Neubau, sondern auch Sanierung kommt dafür in Frage – insbesondere im neuen Stadtteil im PHV. Hier stehen seit 9 Jahren Gebäude leer! Ein guter Ort für experimentelles und einfaches Bauen und Sanieren! Für mehr Vielfalt hilft die kleinteilige Entwicklung neuer Quartiere und die Beratung und Unterstützung von solidarischen, gemeinwohlorientierten Projekten. Auch in der Innenstadt lässt sich Wohnraum gewinnen ohne weitere Flächen zu versiegeln, etwa durch Dachstuhlausbau und Aufstockung.“

Heidelberg will im Jahr 2030 klimaneutral sein. Falls Sie zur neuen OB gewählt werden – welche Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um dieses Ziel zu erreichen?

Bauer: „Sichere und saubere Energie- und Stromversorgung durch regenerative Fernwärme und Ausbau der Sonnenenergie. Auf jedes geeignete Dach der Stadt, der GGH und des Landes gehört eine PV-Anlage. Wärme aus Flusswasser, Abwasser und Erschließung von Geothermie gehören dazu. Die Verkehrsplanung entwickeln wir weiter zur Klimamobilitätsplanung: Sie stärkt den Radverkehr, die Öffentlichen Verkehrsmittel und das Car-Sharing.

Schutz vor Hitze für unsere Gebäude, Plätze und Spielplätze muss in die Stadtplanung integriert werden. Mehr Bäume und Grün an Fassaden bringen Abkühlung und Schatten in die Stadt. Ich helfe dem Klimahandwerk, ausreichend Fachkräfte zu gewinnen für den Wandel zur klimaneutralen Stadt. Ich arbeite mit Bürgerinnen und Bürgern, mit der Wissenschaft und der Wirtschaft zusammen, damit alle ihren Beitrag dazu leisten, Heidelberg zur Pionierstadt in Sachen Klimawandel zu machen. Die Umsetzung der Klimaschutzpolitik wird Chefinnen-Sache!“

Sollten Sie zur OB gewählt werden – welches Projekt wollen Sie bis 2030 unbedingt in Heidelberg umsetzen?

Bauer: „Die Stadt wird grüner und hält der Hitze besser stand durch 30.000 neue Bäume, die Schatten und Abkühlung spenden - überall. Viele Dächer blitzten blau in der Sonne, weil sie mit Solaranlagen ausgestattet sind. Und PHV wird zum Modellstadtteil für einfaches, experimentelles Bauen und Sanieren. Damit wird bezahlbarer Wohnraum für diejenigen Bevölkerungsgruppen entstanden sein, die wir für Heidelberg dringend brauchen.“ (rmx)

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