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Schlafend reisen: Wird der Traum vom Nachtzug nach Barcelona wahr?  

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Von: Eliran Kendi

Mit einem Nachtzug lässt sich eine länderübergreifende Distanz bequem im Schlaf zurücklegen. Auch Heidelberg, Mannheim und Barcelona sollen so verbunden werden, fordert ein Verein.

Die Corona-Pandemie wird auch nach überstandener Virus-Krise das zukünftige Reiseverhalten der Menschen verändern. Steigende Ticketpreise bei den Airlines und nicht zuletzt der Klimawandel mit der damit verbundenen Flugscham, regen zum Umdenken an. Bisher gilt, entweder schnell mit viel CO2 im Gepäck fliegen oder behaglich aber wenig zeitökonomisch auf der Scheine durch Europa fahren. Zur Überraschung vieler könnte ausgerecht ein antiquiert anmutendes Transportsystem die Zukunft des Reisens darstellen: der Nachtzug. In Heidelberg oder Mannheim in den Zug einsteigen, einschlafen und in Barcelona wieder aufwachen, wenn der Frühstückskaffee duftet – stressfrei, klimafreundlich, günstig und eine Übernachtung im Hotel gespart; das wäre was!

Heidelberg/Mannheim: Abends in den Zug, mittags bereits am Strand von Barcelona

Vor knapp vier Jahren hat die Deutsche Bahn ihre letzten elf verbliebenen Nachtzugverbindungen eingestellt. Zu teuer und verlustreich, heißt es damals aus der Konzernzentrale in Berlin. Jenseits des Rheins sieht man das anders: Dort will eine französische Initiative die Nachtzugstrecke zwischen Frankfurt, der Rheinschiene und Barcelona wiederbeleben. Sie rührt mächtig die
Werbetrommel für ihren Traum von einer Verbindung zwischen Rhein-Main und Katalonien.

Menschen sonnen sich an einem Strand in Barcelona.
Menschen sonnen sich an einem Strand in Barcelona (Archivbild). © Paco Freire/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa

Der französische Nachtzug-Verein „Association Objectif Train de Nuit“ setzt sich für eine Wiederbelebung von Nachtzugstrecken in Europa ein. Hier geht man von einem Potenzial von rund 164.000 Reisenden im Jahr aus. Das soll eine Machbarkeitsstudie ergeben haben. Auch andere Nachbarländer wie die Schweiz und Österreich setzen derweil auf Nachtzüge.

Heidelberg/Mannheim: Nachtzugreisen sind klimaschonend und preiswert

Nachtzüge erleben seit einiger Zeit eine Renaissance. Denn nicht nur die Corona-Krise hat das Reiseverhalten der Menschen verändert. Auch die Debatte über den Klimawandel hat den Trend zur Nacht auf der Schiene beschleunigt. Die Trasse der Verbindung von und nach Katalonien könnte nach den Vorstellungen des Vereins von Barcelona über Montpellier, Avignon, Lyon, Straßburg, Karlsruhe, Heidelberg und Mannheim nach Frankfurt führen.

Das wäre das zentrale Puzzlestück für das Nachtzugnetz zwischen den Metropolen Europas“, sagte der Grünen-Politiker Cem Özdemir aus Stuttgart. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) bezeichnete Nachtzüge als „gute Botschaft für Bahnreisende, für Europa und fürs Klima“.

Heidelberg/Mannheim: Nachtzug nach Barcelona – überwiegen die Vorteile?

Nachtzüge könnten ein Trend gerade auch bei jungen Leuten werden, die gerne international unterwegs seien, aber aus Klimaschutzgründen nicht fliegen wollen. Dennoch bleibt beim Projekt zwischen Barcelona, Mannheim und Heidelberg die ungelöste Finanzierungsfrage.

Ein reiner Passagierzug würde sich derzeit wirtschaftlich nicht lohnen“, sagt Eric Boisseau, der Vorsitzende des Nachtzug-Vereins und fügt hinzu: „Aber er wäre lohnend, wenn sich ein kombiniertes Modell umsetzen lässt.“

Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Kombination mit Güterzügen reduziere die Kosten pro Kilometer, so werde eine Bewirtschaftung der Strecke rentabel. Außerdem können Güter-Kunden vom regelmäßigen Takt, von der Pünktlichkeit und der Schnelligkeit profitieren. Und Passagiere sparen sich durch die Anreise eine teure Nacht im Hotel am Urlaubsort.

Heidelberg/Mannheim: Nachtzug nach Barcelona – die finanziellen Hürden sind groß

Fakt ist aber auch, „es gibt derzeit noch keine Güterzüge, die die nötige Geschwindigkeit von 160 Stundenkilometern auf der Schiene erreichen“, räumt Jean-Luc Gibelin ein, der Vizepräsident der Region Okzitanien. Hierfür müssen neue Zugmodelle entwickelt werden.

Nightjet ÖBB
Österreich ist ein Vorreiter bei Nachtzügen: Bequem reisen im Nightjet der ÖBB (Archivbild). © © ÖBB

Sofern das Projekt realisiert wird, müssen zudem die Bahnunternehmen und die Regionen die Defizite in der Anfangsphase tragen. Trotz aller Vorteile, wie bereits vorhandene Schienen und Logistik, scheinen die finanziellen Hürden groß. Und so bleibt der Nachtzug aus Mannheim und Heidelberg nach Spanien zunächst noch ein Traum. (esk mit dpa)

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