Amok-Alarm an Realschule

Wird das ‘Phantom‘ von Schwetzingen je geschnappt? 

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Polizisten bei der Einsatzbesprechung in der Nähe der Schimper-Realschule.

Schwetzingen - Er ist noch immer das Thema – der Amok-Alarm an der Schimper-Realschule, der ganz Schwetzingen stundenlang in Atem hielt. Neue Details dank “Schwetzinger Zeitung“:

Der Tag danach – er wirft viele offene Fragen auf...

Der dramatische Amok-Alarm (WIR BERICHTETEN) an der Schwetzinger Schimper-Realschule vom gestrigen Donnerstag steckt noch allen Beteiligten in den Knochen.

Die entscheidende Frage dabei: Gibt es den angeblich mit Schwert und Pistole bewaffneten Mann überhaupt? War es am Ende ein Missverständnis  oder aber ein dummer Schülerstreich?

Fakt ist, dass die Polizei eine grobe Personenbeschreibung des Unbekannten herausgegeben hat: Der Mann soll 175 bis 180 Zentimeter groß sein, schwarz gekleidet gewesen sein und einen Kapuzenpulli mit Aufdruck getragen haben.

Als ihn die vier Schüler gegen 9:40 Uhr im Bereich der Carl-Diem-Straße gesehen und einer Lehrerin gemeldet haben, soll der Gesuchte ein Fahrrad geschoben und die Waffen bei sich geführt haben.

Der Rest ist bekannt: Die Lehrerin alarmierte die Polizei – der stundenlange Großeinsatz mit über 200 Beamten plus SEK, MEK und Hubschraubern nahm seinen Lauf.

Erst nachdem die Suche nach dem ‚Phantom‘ sowohl in Realschule als auch ganz Schwetzingen gegen 14 Uhr ergebnislos beendet wurde, durften die 600 Schüler (auch aller anderen Schwetzinger Schulen!) die Gebäude verlassen – schließlich war nicht auzuschließen, dass der Bewaffnete noch mit bösen Absichten unterwegs ist.

Schwetzingens Oberbürgermeister Dr. René Pöltl.

„Aus meiner Sicht war das in dieser Lage absolut richtig, um jegliche Gefährdungen auszuschließen. Andere Einrichtungen wie Volkshochschule und Musikschule wurden nicht geschlossen, da von keiner unmittelbaren Gefährdung auszugehen war“, rechtfertigt OB Dr. René Pöltl das mit seinem Rathaus abgestimmte Festhalten aller Schüler der Stadt bis zur Entwarnung gegenüber der „Schwetzinger Zeitung“.

Auffällig: Wie die „Schwetzinger Zeitung“ schreibt, befragte die Kripo die vier Hinweisgeber erneut zu ihrer morgendlichen Zufallsentdeckung.

Dabei bestätigten die Jungs, dass der Unbekannte einen länglichen Gegenstand bei sich trug – von Schwert und Pistole war plötzlich keine Rede mehr!

Nachdem eine Schülerin den Polizisten vor Ort mitteilte, dass eine entsprechende Person die Schule betreten habe, wurde der Amok-Alarm ausgelöst.

Doch dort wurde der Unbekannte trotz mehrerer dreiköpfiger Interventionsteams nicht gefunden – wie auch nicht im benachbarten Freizeitbad „Bellamar“ oder am Bahnhof. Überall dort war das ‚Phantom‘‚ gerüchteweise aufgetaucht.

Von absichtlichen Falschmeldung oder gar einem Streich geht die Polizei nicht aus: „Die Schülerinnen haben das gesehen, was sie ihrer Lehrerin und der Polizei gesagt haben, aber manchmal kann die Wahrnehmung falsch gedeutet werden“, erklärt Polizeisprecher Dieter Klumpp.

Aber lieber eine Falschmeldung als einen Amok-Lauf, bei dem ein irrer Waffennarr ein Bluttat anrichtet!

Um in der Realschule panische Hysterie zu vermeiden, wurden die verängstigten Kinder, die rund drei Stunden in Klassenzimmern eingeschlossen ausharren mussten, abgelenkt: „Mit Durchsagen haben wir versucht, die Schüler zu beruhigen. Die Lehrer haben Flüsterspiele und Quizfragen mit den Kinder gemacht. Dennoch eine wahnsinnig angespannte Situation, in der sich alle gut verhalten haben“, fasst Schulleiter Florian Nohl zusammen.

Dennoch mussten sechs Schüler nach all der Aufregung wegen Kreislaufprobleme behandelt werden.

Bewaffneter Mann vor Schule in Schwetzingen

Nicht nur OB Pöltl und Schulleiter Nohl sind hochzufrieden mit dem Verlauf des Großeinsatzes!

„Es war ein Einsatz unter Echtbedingungen, bei dem alles funktioniert hat. Wir werden aber dennoch schauen, ob es Verbesserungsbedarf gibt. Und wir würden jedes Mal genauso wieder reagieren. Sonst würden nicht nur andere, sondern auch wir uns große Vorwürfe machen, sollte etwas Schlimmeres passieren und wir hätten nicht alles getan“, versichert der Polizeisprecher. 

Außer im Schwetzinger Rathaus will man auch auf Seiten der Schule Lehren aus dem vermeintlichen Fehlalarm ziehen. Wobei sich alle einig sind, dass diese neuen Erkenntnisse hoffentlich nie Anwendung finden (müssen).

„Wir haben einige Sachen gelernt. Bei einem zweiten Mal würden wir die Rückgabe der Kinder sicher schneller hinkriegen“, so Rektor Florian Nohl zur „Schwetzinger Zeitung“ erleichtert und auch stolz, dass alle langjährigen Krisenpläne und Amok-Übungen gegriffen haben. 

Ein Bündel von Maßnahmen“ sei bereits eingeleitet, so der Schulleiter, der sich mit seinen Kollegen ebenfalls eingeschlossen und aus dem Verwaltungsbereich heraus immer Kontakt zur Polizei hatte.

Da die Unterrichts-Teilnahme am heutigen Freitag freiwillig war, fehlten rund 90 der 600 Schüler. Vielleicht wäre der Schulbesuch auch zu früh gekommen – schließlich könne es sechs bis acht Wochen dauern, bis sich die Symptome als Folgen des Stresses abbauen, wie Rektor Nohl weiß.

Die Ermittlungen der Polizei dauern indes natürlich weiter an! Mögliche Zeugenhinweise unter Telefon 0621/174-5555 ans Präsidium Mannheim.

pek

>>>Hier geht´s zum heutigen Artikel der Kollegen der „Schwetzinger Zeitung“

>>>Hier das ausführliche Interview der „Schwetzinger Zeitung“ mit dem Rektor

Die Heidelberger Ballnacht in der Stadthalle

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Fotos: Auffahrunfall auf A6 - Zwei Personen verletzt! 

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Fotos: Schlaglöcher und Risse auf Gaiberger Weg

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