Für Impfgegner kann es teuer werden

Masern-Impfung wird Pflicht: Was Eltern jetzt tun müssen – und was ihnen droht

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Die Masern-Impfung wird Pflicht. (Symbolfoto)

Rhein-Neckar-Kreis - Das Bundeskabinett hat eine Impfpflicht für Masern beschlossen. Für Impfgegner kann das ganz schön teuer werden. 

  • Immer mehr Masern-Fälle an Kitas und Schulen
  • Masern sind hochansteckend und besonders gefährlich für Kinder
  • Bundeskabinett hat eine Impfpflicht für Masern beschlossen
  • Eltern drohen Bußgelder bis zu 2.500 Euro

Update vom 17. Juli: Es ist beschlossene Sache: Die Impfung gegen Masern wird Pflicht. Das hat das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen. Ab März 2020 dürfen Kitas und Schulen Kinder nicht mehr aufnehmen, wenn sie nicht gegen Masern geimpft sind. Die Impfpflicht gilt auch für das Personal in Schulen, Kitas, in der Medizin und in Gemeinschaftseinrichtungen und auch für Tagesmütter. Kinder, die im März 2020 bereits in einer Kita oder einer Schule sind, müssen die Impfung gegen Masern bis spätestens 31. Juli 2021 nachweisen. Wer seine Kinder nicht impft, dem drohen Bußgelder bis zu 2.500 Euro.

„Wir wollen möglichst alle Kinder vor einer Masernansteckung bewahren“, sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Mittwoch. Nach dem Kabinett muss nur noch der Bundestag der Masern-Impfpflicht zustimmen.

Masern-Impfung bald Voraussetzung für Kita-Platz in Heidelberg?

Update vom 15. Mai: Die Zahl der Masern-Fälle ist in den ersten drei Monaten dieses Jahres weltweit um über 300 Prozent gestiegen. Im Landkreis Germersheim und im Landkreis Südliche Weinstraße sind mehrere Fälle von Masern nachgewiesen worden – auch im Rhein-Neckar-Kreis hat es einen bestätigten Masern-Fall gegeben. Daher will die CDU Heidelberg einen Antrag stellen, um die Gefahr einer Ansteckung in städtischen Kitas zu verringern.

Die CDU will die Einführung eines Impfnachweises als Voraussetzung für die Aufnahme eines Kindes in städtischen Kitas prüfen. Das teilt CDU-Stadtrat Alexander Föhr am Mittwoch (15. Mai) mit. So können Kindern, die nicht gegen Masern geimpft sind, die Aufnahme in eines städtischen Kita in Heidelberg verweigert werden. 

Aufregung in einer Gemeinschaftsschule: Innerhalb einer Woche steckt ein Schüler über 40 weitere Schulkameraden mit Tuberkulose an.

Masernimpfquote in BaWü weit unter bundesdurchschnitt

Sein Ziel: Kinder, die aus Altersgründen gegen Masern noch nicht geimpft werden können oder aus anderen Gründen nicht geimpft werden dürfen, besser zu schützen. „Es ist für uns auf kommunaler Ebene nicht möglich, zu entscheiden, ob die Impfung verpflichtend sein soll oder nicht. Das muss der Bundesgesetzgeber entscheiden. Wir können aber prüfen, wie es vor Ort möglich ist, diejenigen Kinder zu schützen, die durch ungeimpfte Kinder gefährdet würden", erklärt Föhr weiter. Dafür müssen die rechtlichen Voraussetzungen jedoch geprüft werden. „Da sich Impfgegner immer auf die Wahlfreiheit beriefen, müssten sie dann auch die Konsequenzen ihrer Entscheidung tragen“, heißt es weiter in der Pressemitteilung der CDU. 

Baden-Württemberg bildet einer Masernimpfquote von 89,5 Prozent das Schlusslicht unter allen Bundesländern. Die bundesweite Quote beträgt nämlich 92,9 Prozent. Ein umfassender Schutz gegen Masern für Säuglinge, Schwangere und Menschen, die sich nicht Impfen lassen dürfen, sei erst ab einer Impfquote von über 95 Prozent verlässlich, so Dr. Thomas Opladen, Kinderarzt am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin in Heidelberg. 

Update, 26. April: Die CDU in Ludwigshafen appelliert an alle Eltern, den Masern-Impfstatus ihrer Kinder zu überprüfen. Das sollten auch junge Erwachsene tun, die nach 1970 geboren sind – hier müsse die notwendige Zweitimpfung erfolgt sein. In einer Mitteilung der CDU Stadtratsfraktion heißt es außerdem, dass man die Initiative des Bundesgesundheitsministern Jens Spahn, eine verpflichtende Masern-Impfung einzuführen, begrüßen würde. So lange aber eine solche Verordnung nicht erlassen sei, sei es die Verantwortung eines jeden einzelnen, den Impfschutz zu überprüfen. 

Masern in der Region aus: Jetzt warnt auch die Stadt Mannheim

Update vom 12. April: Nachdem Anfang April bereits mehrere Masern-Fälle in der Südpfalz bekannt wurden, beschäftigt sich nun auch die Stadt Mannheim mit der hochansteckenden Krankheit. Laut Stadt lägen zwar noch keine Masern-Meldungen im Stadtgebiet von Mannheim vor – jedoch sei die Krankheit auch in der Quadratestadt nicht besiegt. Nur in den Jahren 2012 bis 2017 seien keine Masernfälle in Mannheim gemeldet worden. 2018 erkrankten zwei Mannheimer an Masern. Deshalb warnt das Gesundheitsamt in Mannheim vor der hohen Ansteckungsgefahr: Die liege bei Kontakt einer nicht geimpften mit einer angesteckten Person bei nahezu 100 Prozent. Die Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten von Anzeichen für die Masern könne 8 bis 21 Tage betragen, so das Gesundheitsamt der Stadt Mannheim. Symptome von Masern seien Fieber, trockener Husten, wässriger Schnupfen, Bindehautentzündung oder bräunlich-rosafarbene, zusammenfließende Hautflecken. 

Masern-Warnung in Mannheim: Gesundheitsamt empfiehlt Impfung

„Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit, da ein erhebliches Risiko für zum Teil schwere Komplikationen besteht“, heißt es in einer Meldung der Stadt Mannheim. Besonders für Kinder unter 5 Jahren und Erwachsene über 20 Jahre bestünde das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs. „Personen, die bisher nur einmal oder gar nicht gegen Masern geimpft wurden und in der Vergangenheit noch nicht nachweislich an Masern erkrankt waren, sollten die fehlende Impfung unverzüglich nachholen lassen“, rät Dr. Peter Schäfer, Leiter des Fachbereichs Jugendamt und Gesundheitsamt. Diese Empfehlung gelte auch für Personen, die ihren Impfstatus nicht kennen. Erst wenn in der Gesamtbevölkerung Impfraten von 95 Prozent erreicht sind, kann von einem sogenannten „Herdenschutz“ – also einer Immunitätslage in der Bevölkerung, bei der die Weiterverbreitung von Masernviren nicht mehr möglich ist – ausgegangen werden. 

Update vom 5. April: Wie der Landkreis Germersheim mitteilt, gibt es hier ebenfalls zwei Fälle von Masern. Unter den Erkrankten befinde sich laut Pressemitteilungen eine Frau Mitte 20. Ein dritter Verdachtsfall habe sich nicht bestätigt. Das Gesundheitsamt hat alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet.

Update vom 29. März: Der Landkreis Südlichen Weinstraße warnt vor einem Masern-Ausbruchsgeschehen. Aktuell steige die Zahl der bestätigten Masernfälle an. Insgesamt 13 bestätigte Masern-Fälle gibt es schon an der Südlichen Weinstraße und in Landau. Laut Landkreis seien die Personen, die an Masern erkrankt sind, zwischen 20 und 83 Jahre alt. 

Aktuell werden die Hintergründe des Ausbruchs untersucht. Das Gesundheitsamt hat in den letzten Wochen mithilfe der betroffenen Familien und Arbeitgeber viele Kontaktpersonen ermittelt. „Wir haben festgestellt, dass die betroffenen Betriebe ihre Mitarbeiter auf vorbildliche Weise informiert haben und die notwenigen Schritte zur Abklärung des Immunstatus veranlasst haben.", betont Landrat Dietmar Seefeldt.

Masern in der Region: Tipps vom Gesundheitsamt

Das Gesundheitsamt bittet die Bevölkerung, dringend ihren Impfschutz zu überprüfen. Dies könne durch Vorlage des Impfpasses geschehen. Laboruntersuchungen seien nur im Einzelfall nötig und sollten vorher mit einem Arzt abgeklärt werden. 

Was ist, wenn ich meinen Impfass nicht mehr finde?

Wenn ein Impfpass nicht mehr auffindbar ist, gilt das selbe, als würde festgestellt, dass kein Impfschutz vorhanden ist: In diesem Fall sollte eine Impfung in Erwägung gezogen werden. Die Bedingungen, die daran geknüpft sind, sollten mit dem impfenden Arzt besprochen werden.

Wie viel kostet eine Masern-Impfung?

Alle Impfungen, die von der Impfkommission in Deutschland empfohlen sind, werden von den Krankenkassen übernommen. 

Ich habe Symptome von Masern, was mache ich?

Bei grippeähnlichen Symptomen, begleitet von einer Bindehautentzündung, solltest Du Kontakte meiden und einen Arzt aufsuchen. Schwangere sollten im Fall einer Masern-Erkrankung dringend auch den betreuenden Frauenarzt informieren. 

Wer ist bei Masern besonders gefährdet?

Ungeimpfte Personen und chronische Kranke gelten als besonders gefährdet, zu an Masern zu erkranken. Gefährdet sind auch Personen, die Gemeinschaftseinrichtungen besuchen oder dort arbeiten – zum Beispiel Kinder, Schüler, Pflege- oder Verwaltungspersonal. 

Masern in Heidelberg und Rhein-Neckar-Kreis: Ein Fall bereits bestätigt!

Meldung vom 28. März: Mitte März mussten Kinder vom Kindergarten ausgeschlossen werden, da der Verdacht auf Masern bestanden hat. Nun gibt es Entwarnung: Die Masernverdachtsfälle konnten durch zusätzliche vom Gesundheitsamt angeordnete Laboruntersuchungen im Nationalen Referenzzentrum nicht bestätigt werden. Das bestätigt uns Silke Hartmann, Amtsleiterin des Landratsamts Rhein-Neckar-Kreis am Mittwoch (27. März). Die Kinder haben innerhalb weniger Tage schon wieder den Kindergarten besuchen dürfen.

Allerdings: In diesem Jahr gebe es in Heidelberg und dem Rhein-Neckar-Kreis bisher einen bestätigten Masernfall. Dieser stehe aber nicht im Zusammenhang mit den Vorfällen im Kindergarten. 

Masern-Impfpflicht: Ja oder nein? Sag uns Deine Meinung!

Update vom 27. März: Die Sorge im Bundesministerium über die Zunahme der ansteckenden Masern ist groß. Obwohl die Krankheit in Deutschland eigentlich ausgerottet werden soll, kommt es immer wieder zu größeren Ausbrüchen. Die große Koalition erwägt jetzt sogar eine Impfpflicht für Kinder. 

In diesem Jahr gab es im gesamten Land bisher 170 Masern Erkrankungen – viele davon in Nordrhein-Westfalen. Oft kommt es zu Ausbrüchen von Masern in Großstädten oder Ballungsräumen. Das Masern Virus ist extrem ansteckend und wird durch Tröpfchen übertragen. Laut Robert-Koch-Institut kommt auf 1.000 Erkrankte ein Todesfall. Bei Säuglingen ist die Zahl sogar noch schlimmer: Eines von 300 erkrankten Kindern stirbt an Masern.

Masern-Verdacht: Kinder vom Kindergarten ausgeschlossen!

Meldung vom 15. März: „Die Masern sind wieder auf dem Vormarsch“, diese beunruhigende Mitteilung macht am Mittwoch das Landratsamt Rhein-Nekar-Kreis. Bereits in diesem Jahr gibt es in Baden-Württemberg 30 gemeldete Fälle, allein 13 davon Anfang März.

Masern in der Region: Kinder werden von Kindergarten ausgeschlossen!

Es werden im Rhein-Neckar-Kreis bereits Kinder vom Kindergarten ausgeschlossen, weil der Verdacht auf Masern vorliegt und kein ausreichender Impfschutz vorliegt. „Für die Eltern bedeutet dies einen hohen Betreuungsaufwand und einen Ausfall am Arbeitsplatz. Diese Folgen hätten durch einen adäquaten Impfschutz vermieden werden können,“ betont Dr. Schwertz. Laut ,Rhein-Neckar-Zeitung‘ seien zwei Kindergärten aus der Region davon betroffen.

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Die Inkubationszeit von Masern beträgt etwa 14 Tage. Bereits drei bis vier Tage vor Krankheitsausbruch können die Betroffenen die Erreger übertragen. Deshalb werden Schüler und Kinder ohne Impfschutz nach Kontakt mit einem Masernerkrankten in der Regel für 14 Tage von Kindergarten beziehungsweise Schule ausgeschlossen. Dies sei eine wichtige frühe Maßnahme, um zu verhindern, dass sich die hoch ansteckenden Masern weiter ausbreiten.

Gesundheitsamt befürchtet Anstieg von Masernneuerkrankungen

Das Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises befürchtet einen Anstieg von Masern-Neuerkrankungen. Amtsleiter Dr. Rainer Schwertz rät deshalb: „Es bietet sich deshalb an, die Gelegenheit zu nutzen und den eigenen Impfschutz und den Schutz der eigenen Angehörigen, insbesondere der eigenen Kinder, auf Vollständigkeit zu überprüfen.

Die Masern gelten laut dem Landratsamt als eine der ansteckendsten Krankheiten der Menschen überhaupt und seien trotz effektiver Impfstoffe immer noch ein Grund für die hohe Kindersterblichkeit auf der Welt. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ergeben, dass 2017 rund 110.000 Kinder an Masern gestorben sind. Um die gefährliche Krankheit ein für alle mal zu eliminieren, müsse die Infektionskette durchbrochen werden. Das gelingt jedoch nur, wenn mindestens 95 Prozent der Bevölkerung immun gegen Masern sind. 

Masern: Das sind die Symptome der gefährlichen Krankheit

Das Virus wird durch das Einatmen von Tröpfchen – etwa beim Sprechen, Husten oder Niesen – übertragen. Fast alle Menschen, die mit Masern-Infizierten Kontakt haben und nicht immun sind, stecken sich an. Masern-Erkrankungen verlaufen in der Regel mit hohem Fieber, Schnupfen, Bindehautentzündung und Husten. Nach wenigen Tagen kommt es zu einem rötlich-braunen Hautausschlag

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Masern-Viren haben die Eigenschaft das Immunsystem zu schwächen. Dadurch kann es zu Folgeinfektionen kommen – beispielsweise Mittelohrentzündung, Hirnhautentzündung oder Lungenentzündung. Besonders schwer können Masern bei Säuglingen und Menschen mit Grunderkrankungen verlaufen.

pm/jol

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