Schockierende Erkenntnisse führen zu guter Tat

Nach Skandal um Reimann-Dynastie: 250 Millionen Euro gestiftet

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Die Familie Reimann spendet mehrere Millionen Euro für Opfer der NS-Zeit. (Symbolfoto)

Heidelberg/Mannheim/Ludwigshafen - Familien-Dynastie Reimann von Skandal aus NS-Zeit schockiert und stiftet nun hunderte Millionen.

  • Familien-Dynastie Reimann hat Nachforschungen über Vergangenheit anstellen lassen
  • Mehrere Familienmitglieder waren NS-Fanatiker, in Ludwigshafener Werk gab es Zwangsarbeiter
  • Über Alfred-Landecker-Foundation stiftet die Familie Reimann Millionen für Opfer der NS-Zeit
  • Familie Reimann stiftet zusätzlich 250 Millionen Euro in den nächsten zehn Jahren.

Update vom 29. Januar 2020: Die sonst eher medienscheue Milliardären-Familie Reimann aus Ludwigshafen, sorgt in den vergangenen Monaten immer wieder für Schlagzeilen. Familie Reimann betreibt heute ein Konglomerat aus Kosmetik-, Kaffee- und Konsumgüterfirmen, das insgesamt über 30 Milliarden Euro wert ist. Doch vor einigen Jahren kommt der Schock: Im Auftrag der Familie Reimann deckt ein Historiker Verbindungen zum Nazi-Regime auf. So waren der Vater und der Großvater der heutigen Erben Verfechter der Nationalsozialisten, die schon vor 1933 Geld an die SS gespendet hatten. Außerdem haben die Reimanns Hunderte von Zwangsarbeitern in ihren Fabriken beschäftigt und erniedrigt.

Nach Bekanntwerden dieser vergangenen Verflechtungen der Reimanns, entschlossen sich die heutigen Erben, 10 Millionen Euro zur „Unterstützung von Holocaust-Überlebenden und ehemaligen Zwangsarbeitern“ zu Spenden. Doch damit nicht genug: Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, wollen die Reimanns in den nächsten zehn Jahren 250 Millionen Euro für Initiativen bereitstellen, die sich mit den Folgen und Ursachen des Holocausts auseinandersetzen und die Demokratie in Europa stärken. Neben der Alfred-Landecker-Stiftung finanziert die Familie Reimann auch einen Lehrstuhl an der Universität Oxford. Dort wird an Themen, wie Verfolgung und Schutz von Minderheiten, geforscht. Wie die Stiftung mitteilt, geht es um viel mehr als eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit – ein Wiederholen der Geschichte müsse unbedingt verhindert werden: „Wir nehmen nicht hin, dass Antisemitismus und ethnozentrierter nationalistischer Populismus in Deutschland und Europa wie in den 1930er Jahren wieder zunehmend Raum gewinnen“.

Familie Reimann reagiert auf NS-Skandal

Update vom 16. Dezember 2019: Vor fast neun Monaten erschütterten Erkenntnisse über die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs die Familie Reimann. Die damals lebenden Familienmitglieder sollen Anhänger des NS-Regimes gewesen sein und Zwangsarbeiter beschäftigt haben. Aus diesem Grund gründet die Familie im Juni 2019 die Alfred-Landecker-Foundation. Diese soll das Andenken an die Opfer und Verfolgten des NS-Regimes aufrechterhalten und über den Holocaust aufklären. 

Familien-Dynastie Reimann: Große Spende für Opfer der NS-Zeit

Zu diesem Zweck spendet die Unternehmensfamilie Reimann fünf Millionen Euro an die Organisation Claims Conference, die sich weltweit für Holocaustüberlebende einsetzt. Weitere fünf Millionen Euro sollen gespendet werden, um ehemalige Zwangsarbeiter des Chemieunternehmens Benckiser zu finden und zu entschädigen. Bis heute wurden 838 Namen von Zwangsarbeitern identifiziert. 

Die von der Alfred-Landecker-Stiftung bereitgestellten Mittel werden einen spürbaren Unterschied im Leben vieler Überlebender machen, die es so sehr verdienen. Betagte, mittellose Holocaustüberlebende benötigen Lebensmittel, Medizin und Heizung im Winter. Diese Gelder erlauben es Tausenden Überlebenden, in Würde zu leben“, sagt Julius Berman, Präsident der Claims Conference.

Familien-Dynastie Reimann: Wer war Alfred Landecker?

Zudem will die Familie Reimann über die Alfred-Landecker-Foundation weitere 25 Millionen Euro jährlich in Programme stecken, die über den Holocaust und Demokratie informieren. 

Alfred Landecker war ein jüdischer Buchhalter aus Mannheim, der im April 1942 nach Polen deportiert und dort in einem Vernichtungslager ermordet wurde. Er war der Vater von Emilie Landecker, die mit Albert Reimann jun. drei Kinder hatte. Zwei dieser Kinder sind heute Gesellschafter der JAB Holding Company. Damit ist Landeckers Schicksal untrennbar mit der Familie Reimann verbunden. 

Skandal bei Familien-Dynastie Reimann: „SS-Hochzeit“ in Heidelberg

Update, 2. April 2019: Die schockierenden Enthüllungen der Reimann-Familie gehen weiter: Denn nicht nur Albert Reimann senior und sein Sohn, auch seine Ehefrau Else war dem NS-Regime zugetan. Wie die ,Bild' berichtet, notierten Behörden zwei Jahre nach Kriegsende über die 73-Jährige: „Die Ermittlungen ergaben: In Schlierbach als große Parteigenossin und finanzielle Stütze bekannt.“ 

Auch die Tochter von Albert und Else, die ebenfalls Else Reimann heißt, war eine leidenschaftliche NS-Anhängerin. Laut ,Bild‘ trat sie 1931 der NSDAP bei, war Gruppenführerin beim Bund Deutscher Mädel und sie bekam ein Ehrenzeichen der Hitlerjugend. Else heiratete den Berliner SS-Unteroffizier Hans Dubber. Die Hochzeit, die parallel zur Heirat ihres Bruders Albert junior und Paula stattfand, galt bei den Behörden später als „SS-Hochzeit“. Das Familienhaus der Reimanns in Heidelberg war mit Nazi-Fahnen geschmückt. Hans Dubber und Else Reimann zogen ebenfalls nach Heidelberg. Dubber wurde zu dieser Zeit Personalchef im Reimann-Unternehmen und war damit auch für die Zwangsarbeiter verantwortlich. 

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Nach dem Zweiten Weltkrieg war Tochter Else Reimann weiterhin eine NS-Fanatikerin. „Sie soll in ihrer Begeisterung gestanzte Hakenkreuze aus dem Auto herausgeworfen haben“, heißt es in der ,Bild‘. Ihre Zuneigung hatte aber keinerlei Auswirkungen: Sowohl Mutter und Tochter wurden als ,Mitläufer‘ eingestuft. Auch Hans Dubber kam nach einer zweieinhalb-jährigen Haftstrafe als ,Mitläufer‘ davon. 

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Zweitreichste Familie Deutschlands: Reimanns verlieren an Vermögen

Update, 25. März 2019: Nach dem Skandal um die NS-Vergangenheit der Reimann-Dynastie, jetzt auch noch diese Nachricht: Das Vermögen der Industriellen ist im Jahr 2018 wohl um fast eine Milliarde Euro gesunken. Das berichtet das Handelsblatt am Montag und beruft sich dabei auf die am Montag veröffentlichten Bilanzzahlen der JAB Holding. Zum Jahresende 2018 habe sich das Vermögen auf 15,26 Milliarden Euro belaufen – ein Jahr zuvor hätte es noch bei 16,5 Milliarden Euro gelegen. 

NS-Skandal um Unternehmer-Familie Reimann

Sie zählen zu den reichsten Familien Deutschlands. Mit einem geschätzten Vermögen von 20 Milliarden Euro belegen sie im Jahr 2018 den zweiten Platz der reichsten Deutschen. Die Rede ist von der Unternehmerfamilie Reimann.

Skandal bei Familien-Dynastie Reimann: Schlimme Details über Vorfahren

Ihrer JAB Holding Company gehören Anteile an Firmen wie Jacobs-Kaffee und Reckitt Benckiser, die Reinigungswaren und Haushaltsprodukte produzieren. Seit letztem Jahr gehören auch der Sandwich-Riese Pret A Manger und Dr Pepper dazu. Das 1851 gegründete Unternehmen hat seinen Sitz in Ludwigshafen und wurde von Karl Ludwig Reimann geschaffen.

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Danach ging alles an Albert Reimann senior und später an seinen Sohn Albert Reimann junior. Über diese beiden Familienmitglieder sind nun skandalöse Details bekannt geworden. Die betreffen die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs

Skandal bei Familien-Dynastie Reimann: Gewalt und Missbrauch in Werken

Wie die ‚Bild am Sonntag‘ berichtet, soll es damals in den Werken und in der Privatvilla in Ludwigshafen zu Gewalt und Missbrauch an Zwangsarbeitern gekommen sein! Zudem sollen die beiden Firmen-Patriarchen überzeugte Nationalsozialisten und Antisemiten gewesen sein. 

Die Reimann-Erben bestätigen die Vorwürfe. Sie haben selbst vor drei Jahren einen unabhängigen Historiker beauftragt, der die dunkle Geschichte aus der NS-Zeit vollständig aufarbeiten soll. „Reimann senior und Reimann junior waren schuldig. Die beiden Unternehmer haben sich vergangen, sie gehörten eigentlich ins Gefängnis“, sagt Peter Harf, ein Vertrauter der Familie und Chef der JAB Holding.

Skandal bei Familien-Dynastie Reimann: Unternehmen will Geld spenden

Der beauftragte Wirtschaftshistoriker Paul Erker von der Uni München berichtete vier Reimann-Kindern, einem Enkel und Harf erst vor wenigen Wochen über die skandalösen Zustände der Vergangenheit. Hierbei handele es sich erst um einen Zwischenstand der Recherchen. 

Als Professor Erker berichtet hat, waren wir sprachlos. Wir haben uns geschämt und waren weiß wie die Wand. Da gibt es nichts zu beschönigen. Diese Verbrechen sind widerlich“, erklärt Harf. Er kündigt daraufhin an, zehn Millionen Euro an eine passende Organisation zu spenden! Die Familie sei nun froh, dass es endlich raus ist.

dpa/dh

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