Diskriminierung oder wichtige Maßnahme?

Klassifizierung "Kampfhund" – bis zu 1.810 Euro Steuern

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Mannheim/Heidelberg - Das Leben mit einem als Kampfhund oder als gefährlich eingestuften Hund ist nicht immer einfach – besonders wenn es um die Zahlung der Steuer geht. Soll sich das bald ändern?

Dass Hundehaltung nicht ganz günstig ist, wissen die meisten Halter. Wer sich jedoch einen als "Kampfhund" oder "gefährlichen Hund" eingestuften Vierbeiner zulegt, der greift seit 2002 besonders tief in die Taschen.

Ein solcher Hund kostet in Mannheim pro Jahr 648 Euro an Steuern. Im Vergleich dazu zahlen Hundehalter für alle anderen Rassen lediglich 108 Euro (beziehungsweise 216 Euro für den zweiten Hund) jährlich. Blinden- und Rettungshunde sind sogar steuerfrei. 

Diese finanzielle Belastung bleibt nicht ohne Folgen: Waren in Mannheim im Jahr 2002 - als die gesonderte Hundesteuer gerade erst eingeführt wurde - noch 332 sogenannte Kampfhunde oder gefährliche Hunde gemeldet, waren es 2013 gerade noch 93. 

Seit Einführung der Steuer geht die Zahl dieser Hunde in Mannheim kontinuierlich zurück. Der Trend zum Kampfhund oder gefährlichen Hund ist eindeutig rückläufig.

Der Hindergrund:

Die Steuersätze für die sogenannten Kampfhunde und gefährlichen Hunde sind sehr unterschiedlich. Im Land liegen die Beiträge zwischen 120 und 1.810 Euro jährlich. So wird beispielsweise in Heidelberg gar keine gesonderte Steuer für die betroffenen Hunde gefordert. Egal ob Chihuahua oder Pit Bull Terrier. Hier ist jeder Hund gleich. 

Erst kürzlich hatte das Bundesverwaltungsgericht in einem Fall aus Bayern entschieden, eine spezielle Steuer für Kampfhunde sei grundsätzlich in Ordnung – deren Höhe habe jedoch Grenzen. Diese Grenze sei dementsprechend überschritten, wenn die Steuer die jährlichen durchschnittlichen Haltungskosten für den Hund übersteigt. Die Hundebesitzer sollten in diesem Fall 2.000 Euro an Steuern zahlen. 

Diese Entscheidung könnte nun nach Einschätzung des Gemeindetags und des Landestierschutzverbands zu mehr Klagen im Südwesten führen.

Nur rund 400 der 1101 Gemeinden im Südwesten erheben eine gesonderte Kampfhundesteuer. Am niedrigsten ist sie den Angaben zufolge in Dettenheim (Kreis Karlsruhe) mit 120 Euro pro Tier und Jahr, am höchsten in Weilheim an der Teck (Kreis Esslingen) mit 1.810 Euro. Mannheim liegt dementsprechend noch im unteren Drittel. 

Welche Hunde sind eigentlich speziell zu versteuern?

Die Grundlage zur Besteuerung von Kampfhunden in Baden-Württemberg ist eine Polizeiverordnung aus dem Jahr 2001. Für folgende Rassen darf demnach eine erhöhte Hundesteuer erhoben werden:

- American Staffordshire Terrier
- Bullterrier
- Pit Bull Terrier
- Bullmastiff
- Staffordshire Bullterrier
- Dogo Argentino
- Bordeaux Dogge
- Fila Brasileiro
- Mastin Espanol
- Mastino Napoletano
 -Mastiff
- Tosa Inu

Für Hunde anderer Rassen, die im Einzelfall durch besondere Aggressivität aufgefallen sind, können Sonderregeln gelten.

Mit dem höheren Steuersatz für Kampfhunde im Vergleich zu jenem für andere Rassen soll die Zahl von Kampfhunden beschränkt werden. Dieser Lenkungszweck ist jedoch umstritten. 

Zahlreiche Tierschützer und Hundebesitzer kritisieren diese Regelung: Letztlich führe es nur dazu, dass diese Hunde immer häufiger im Tierheim abgegeben oder gar ausgesetzt werden. Stattdessen wird ein Test für Hundebesitzer befürwortet. Hier sollen die Halter geschult und geprüft werden. 

mk

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