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Brauereien in der Corona-Krise: Hohe Verluste – „Gastro-Landschaft wird eine andere sein“

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Von: Ingo Rothermund

Mannheim - Das gesellschaftliche Beisammensein während der Corona-Pandemie fehlt vielen Menschen. Zahlreiche Feste wurden abgesagt. Das wirkt sich auch auf die Brauereien der Region aus.

Der Bad Dürkheimer Wurstmarkt, die Mannheimer Messe und weitere zahlreiche Festivitäten sind in den vergangenen Monaten Opfer der Coronavirus-Pandemie gewesen. Viele Brauereien, die solche Feste beliefern, müssen Umsatzeinbußen wegstecken. Die versprochene finanzielle Hilfe von Bund und Ländern ist nicht überall angekommen.

Der Restaurantbesuch in der aktuellen Situation fällt flach - nichts mit Abends schön zum Italiener oder Griechen um die Ecke. „Die Schließung der Gastronomie und die Absage aller Veranstaltungen durch den aktuellen Corona-Lockdown ist für alle Brauereien bitter und führt zu immensen Absatz- und Umsatzverlusten“, so die Eichbaum-Brauerei auf Nachfrage von MANNHEIM24. „Innerhalb des Absatzkanals Gastronomie verzeichnen wir ein Absatzminus im Vergleich zu 2020 von 45 Prozent“, heißt es aus Mannheim weiter. „Wir leiden sehr unter dem Lockdown.

Brauereien in der Corona-Krise: Eichbaum hat bisher noch kein Bier vernichtet

Alle Bierliebhaber können auch aufatmen: Die Frage, ob Bier in den Abfluss gegossen wird, verneint der Mannheimer Konzern: „Nach den Erfahrungen aus dem ersten Lockdown waren unsere Gastronomen vorsichtig und haben nur auf Sicht geordert. Entsprechend stellt sich uns das Problem der Biervernichtung nicht.“ Grund dafür ist auch eine Maßnahme, welche die Brauerei gezogen hat. „Aktuell passen wir unsere Planung für Produktion und Absatz der Pandemielage und deren Einschränkungen an. Das heißt, dass wir momentan wegen des Lockdowns und der Schließung aller gastronomischen Objekte kein Fassbier abfüllen“, heißt es seitens der Eichbaum-Brauerei.

Die Eichbaum Gärtanks.
Eichbaum Gärtanks.jpg © Karl-Heinz Plagentz

Der Trend weg vom Fassbier geht auch bei der Welde-Brauerei in Plankstadt „Wir sind im Getränkehandel und Supermarkt gut aufgestellt und konnten den Flaschenbierverkauf sehr gut ausbauen“, erzählt Welde-Chef Max Spielmann. Auch die Plankstädter mussten bisher noch kein Gerstensaft entsorgen. „Dank vorausschauender und guter Planung bei uns und unseren Partnern in Gastronomie und Handel noch kein Bier entsorgt worden“, sagt Spielmann auf Nachfrage.

Brauereien in der Corona-Krise: Zweistelliger Umsatzeinbruch für Welde

Auch einen Einbruch bei den Verkaufszahlen in der vergangenen Zeit muss die Welde-Brauerei aus den bekannten Gründen hinnehmen. „Der zweistellige Umsatzeinbruch konnte glücklicherweise langsam, aber sicher im Laufe des Jahres zu einem großen Teil auf knapp unter Vorjahres-Umsatzniveau kompensiert werden“, spricht Max Spielmann von Glück im Unglück. Ein großes Manko sieht der Welde-Chef auch in den versprochenen Corona-Hilfen von Bund und Ländern. Denn auf die Frage, ob finanzielle Hilfen gekommen seien, heißt es nur: „Nein, nach wie vor nicht. Und das können wir auch ehrlich gesagt nicht verstehen. Die einzige Möglichkeit bisher war die Verschuldung.

Max Spielmann, Geschäftsführer der Welde-Brauerei, blickt kämpferisch in die Zukunft.
Max Spielmann, Geschäftsführer Welde-Braumanufaktur, im Welde-Brauhaus Schwetzingen. © Welde-Braumanufaktur

Auch linksrheinisch ist die Lage bei den Brauereien in der Corona-Pandemie eine schwierige. „Es war kein gutes Jahr“, resümiert Frank Mayer vom Ludwigshafener Mayerbräu. Doch auch hier haben die Mitarbeiter noch kein Bier vernichten müssen. Allerdings: „Das Bier wird nicht besser, umso länger es in den Fässern ist. Wir verkaufen nur Bier, das auch unseren Qualitätsanforderungen entspricht.“ Finanzielle Hilfen von Bund und Länder seien angekommen. „Wir haben November- und Dezemberhilfen beantragt, die mittlerweile auch zum Großteil geflossen sind“, sagt Frank Mayer.

Frank Mayer vom Ludwigshafener Mayerbräu
Frank Mayer vom Ludwigshafener Mayerbräu © Mayerbräu

Corona-Krise: „Gastro-Landschaft wird nach Corona wahrscheinlich eine andere sein“

Einen Zukunftsausblick wagen die Brauereien ebenfalls: „Wir hoffen sehr, dass sich durch die zugelassenen Impfstoffe die Corona-Lage entschärft und die Gastronomie im Sommer besonders in ihrem Außenbereich wieder Fahrt aufnehmen kann“, so die Eichbaum-Brauerei. „Als problematisch sehen wir jedoch, dass viele Gastronomen spätestens durch den zweiten Lockdown vor dem Aus stehen. Die Gastro-Landschaft wird nach Corona wahrscheinlich eine andere sein als vor der Pandemie.“

Die Welde-Brauerei fordert vor allem eine Perspektive der Politik. „Wir hoffen natürlich wie alle auf eine baldige Öffnung der Gastronomie. Es kann nicht sein, dass die Gastronomie, kulturelle Einrichtungen und Vereine von den letzten zwölf Monaten insgesamt schon sechs Monate dicht sind“, so Max Spielmann. „Sollte die Politik keine intelligenten Öffnungsstrategien erarbeiten, wird es in den kommenden Wochen für viele sehr schwer.“

Brauereien in der Corona-Krise: „Wir dürfen uns nicht unterkriegen lassen“

Frank Mayer von Mayerbräu warnt allerdings vor einer zu frühen Öffnung. „Wir hoffen natürlich auch, dass es weitergeht. Eine zu frühe Öffnung könnte im Hinblick auf die Infektionszahlen kontraproduktiv sein“, sagt Mayer. Doch ihm ist klar: „Je länger der Lockdown geht, umso mehr tut es weh. Dennoch wird es vielleicht das ein oder andere kleine Fest in diesem Jahr geben.“  Wie es auch immer in den kommenden Wochen und Monaten weitergeht. Das Motto ist: „Wir dürfen uns nicht unterkriegen lassen“, sagt Max Spielmann von der Welde-Brauerei.

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