Studie zum Skandal

Sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche: Bistümer nennen konkrete Zahlen!

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Bistümer nennen Zahlen zum Missbrauch in der katholischen Kirche (Symbolfoto)

Mainz/Speyer/Trier - Anlässlich einer Studie zum Missbrauchs-Skandal in der katholischen Kirche nennen die Bistümer am Dienstag konkrete Zahlen von Opfern – und Tätern. 

Im Rahmen der Herbstvollversammlung der Bischöfe im hessischen Fulda wird am Dienstag (25. September) eine wissenschaftliche Studie zu sexueller Gewalt in der katholischen Kirche Deutschlands vorgestellt. Demnach sollen zwischen 1946 und 2014 insgesamt 1.670 katholische Kleriker 3.677 meist männliche Minderjährige sexuell missbraucht haben.

Auch einzelne Bistümer berichten vor Ort über die Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs:

Bistum Speyer

Das Bistum Speyer hat 89 Priester in seinen Akten erfasst, die des sexuellen Missbrauchs beschuldigt werden. Außerdem seien 186 Betroffene festgestellt worden, teilt das Bistum mit. Darunter seien demnach 98 männliche sowie 88 weibliche Kinder und Jugendliche. In 11 von 23 strafrechtlichen Verfahren sei es zu Verurteilungen gekommen. In 19 Fällen zahlte das Bistum nach eigenen Angaben insgesamt 139.000 Euro an die Opfer. 

Fast alle Täter seien mittlerweile gestorben, sagt Generalvikar Andreas Sturm. Er nannte den in einer wissenschaftlichen Studie im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz dokumentierten Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche "zutiefst beschämend". „Dieses Ausmaß hätte ich nie für möglich gehalten.“ Das System Kirche habe „massiv versagt“. Nun gelte es, die Prävention auszubauen. „Wir kommen auch an der Frage nicht vorbei, Frauen stärker in der Kirche einzubinden", sagte Sturm. Auch über das Zölibat müsse „ehrlich und ohne Denkverbote“ gesprochen werden.

Das Bistum Speyer hatte seine Pressekonferenz am Dienstag live übertragen:

Trier

Im Bistum Trier sind in den Personalakten seit 1946 insgesamt 148 Priester wegen sexuellen Missbrauchs beschuldigt worden. Betroffen waren insgesamt 442 Opfer, davon 252 männlich. Nach den Vorwürfen gab es laut Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg 54 staatliche und 67 kirchenrechtliche Verfahren. Von den staatlichen Verfahren wurde fast die Hälfte (25) eingestellt. In 16 Fällen sei es zu Freiheitsstrafen gekommen, bei 3 gab es Geldstrafen. Sechs Priester wurden aus dem Klerikerstand entlassen. 

„Es gibt kirchlicherseits in diesem Zusammenhang nichts zu beschönigen oder zu beschwichtigen“, sagt von Plettenberg zu der Studie. Zudem meldeten sich seit 2010 insgesamt 140 Opfer beim Bistum Trier, die 75 Priester beschuldigten. Diese Zahlen flossen nicht in die Studie ein. Das Bistum bewilligte 96 von insgesamt 104 Anträge auf Zahlungen wegen erlittenen Leides. Gezahlt wurden 475.500 Euro. Das sind durchschnittlich knapp 5.000 Euro pro Opfer. 

Mainz

Im Bistum Mainz sind aus den Akten seit 1946 insgesamt 53 des sexuellen Missbrauchs beschuldigte Geistliche bekannt geworden. Ihnen können 169 Opfer – 122 männliche und 47 weibliche – zugeordnet werden. Die früheste der erfassten Missbrauchstaten im Mainzer Bistum datiere aus dem Jahr 1931, die letzte von 2010. 

50 der Beschuldigungen im Bistum Mainz hätten Diözesan- und Ordenspriester betroffen. Hinzu kämen Vorwürfe gegen zwei Ständige Diakone, die nicht in die Studie eingeflossen seien. Nach der Erhebung für die Studie seien dann noch Vorwürfe gegen einen weiteren schon vor Jahrzehnten gestorbenen Priester erhoben worden. Den Angaben zufolge wurden seit den 40er Jahren 18 Gerichtsverfahren gegen Mitarbeiter des Bistums Mainz geführt – Priester, Diakone und Laien. Vier Haftstrafen wurden verhängt, drei Freisprüche gab es. In den restlichen Fällen habe es Bewährungs- oder Geldstrafen gegeben. 

Kirchenrechtlich liefen seit 2001 fünf Verfahren. In einem sei der Betroffene aus der Kirche ausgeschlossen worden, eines laufe noch, der Rest endete laut Bistum mit geringeren Strafen und Auflagen. Von Opfern seien bislang 52 sogenannte Anträge auf Anerkennung erlittenen Leids gestellt worden, 47 wurden bewilligt. Gezahlt wurden an Opfer daraufhin insgesamt 275.000 Euro. Zudem wurden rund 93.000 Euro zur Übernahme von Therapiekosten für Betroffene gezahlt. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf betonte, er bedaure das Leid der Opfer zutiefst. In den kommenden Wochen und Monaten wolle er mit ihnen das Gespräch suchen. „Vertuschung und Schutz der Institution darf es nicht geben. Das muss auch im Umgang mit den Tätern deutlich werden."

dpa/kab

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