Keine große Feier wegen des Coronavirus 

Helmut Kohl wäre heute 90 Jahre alt geworden: Bekommt er gar keinen Grabstein mehr?

Ludwigshafen/Speyer – Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl wäre am 3. April 90 Jahre alt geworden. Eigentlich wollte ihn die CDU heute ehren – aber dann kam das Coronavirus. 

  • Helmut Kohl starb am 16. Juni 2017 in seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim.
  • Der Altbundeskanzler Helmut Kohl wäre am 3. April 90 Jahre alt geworden. 
  • Der Ex-Bundeskanzler ist in Speyer begraben – er hat noch immer keinen Grabstein.
  • Öffentliche Würdigung an seinem Geburtstag entfällt wegen des Coronavirus. 

Am 16. Juni 2017 starb Altbundeskanzler Helmut Kohl in seinem Haus in Oggersheim. Heute, am 3. April, wäre Europas Ehrenbürger 90 Jahre alt geworden. Eigentlich wollte ihn die CDU in Rheinland-Pfalz an diesem besonderen Tag würdigen, doch die Corona-Krise macht die Pläne einer öffentlichen Feier zunichte. Auch eine Zeremonie der Partei wird es an seinem Grab in Speyer nicht geben. In stillem Gedenken wollen nun unter anderem Partei, Kommunen und natürlich auch die Stadt Ludwigshafen Kränze in Speyer niederlegen: 

„Helmut Kohl hat sich herausragende Verdienste um die Einheit Europas erworben. Gerade heute, wo Europa, wo der europäische Gedanke, von stärker hervortretenden nationalen Interessen überlagert wird, ist der Geburtstag dieses großen Europäers eine gute Gelegenheit für ein Bekenntnis zur europäischen Einigung und zu den Grundlagen der freiheitlichen Demokratien, auf denen dieses geeinte Europa beruht“, so Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck.

Geburtstag von Helmut Kohl: Keine große Feier wegen des Coronavirus 

Anstelle öffentlicher Feiern soll es nun unter anderem Videos der Bundesagrarministerin und CDU-Landesvorsitzenden Julia Klöckner und von Christian Baldauf, Fraktionschef der oppositionellen CDU im Landtag in Mainz, geben. 

„Selbstverständlich schmerzt es sehr, nicht vor Ort sein zu können“, sagt ein Sprecher der CDU Rheinland-Pfalz. Der Schutz der Bevölkerung in der Corona-Krise gehe aber vor. 

Alles sei in enger Absprache mit Kohls Witwe Maike Kohl-Richter erfolgt, betont Peter Uebel, Chef der CDU-Fraktion im Stadtrat von Ludwigshafen.

Fast drei Jahre nach seinem Tod: Helmut Kohl hat immer noch keinen Grabstein 

Immer noch ziert ein schlichtes Holzkreuz das Grab von Helmut Kohl. Wann und ob ein Grabstein aufgestellt wird und ob überhaupt einer kommt, ist unklar. Aktuell sei von größeren Veränderungen am Grab nichts bekannt, teilen die Stadt Speyer und das örtliche Bistum der Deutschen Presse Agentur mit. 

Grab von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl in Speyer. 

Die letze Veränderung war es die Holzumfassung des Grabes durch eine Umfassung aus Pfälzischen Buntstein zu ersetzen. Kohls Sohn Walter übte 2019 schon scharfe Kritik an der Kohl-Witwe und bezeichnete das Grab seines Vaters als „würdelos“

Helmut Kohl – der „Vater der Deutschen Einheit“

Helmut Kohl wurde am 3. April in Ludwigshafen geboren, 1969 trat er das Amt des Ministerpräsidenten an. Nur wenige haben die CDU wohl so sehr geprägt wie Kohl. Kein Wunder: Stolze 25 Jahre lang war er Parteichef und 16 Jahre Bundeskanzler. Als „Vater der Deutschen Einheit“ ging er in die Geschichte ein. Frei von Kritik war er jedoch nicht: In der Ära Kohl wurden sogenannte „schwarze Konten“ geführt. Nachdem Helmut Kohl sie erst geleugnet hatte, gibt er ihre Existenz am 30. November 1999 in einem Fernsehinterview zu. Er übernimmt die politische Verantwortung für die „Spendengeldaffäre“ und gibt an, 2,1 Millionen DM illegaler Parteispenden an den Büchern der CDD vorbei angenommen zu haben. Kohl sagte, er habe den Spendern sein Ehrenwort gegeben, ihre Namen nicht zu nennen. Eines Verstoßes gegen die Rechtsordnung oder gegen die Verfassung fühle er sich dabei nicht schuldig. Einige Tage später tritt er auf Druck der CDU-Spitze vom Amt des Ehrenvorsitzenden zurück. 

Zeremonie zum ersten Todestag von Helmut Kohl

2014 gerät der Altbundeskanzler wieder in die Schlagzeilen. Das Buch mit dem Titel „Vermächtnis: Die Kohl-Protokolle“ enthält Aussagen, die nicht zur Veröffentlichung freigegeben waren. Es entbrennt ein Rechtsstreit mit Kohls ehemaligem Ghostwriter, den die Kohl-Witwe auch noch nach dem Tod des Altbundeskanzlers fortführt

Seinen 80. Geburtstag feiert Helmut Kohl mit rund 800 Gästen im Pfalzbau in Ludwigshafen. Unter den Gästen sind unter anderem Kanzlerin Angela Merkel, der damalige Bundespräsident Horst Köhler, sowie mehrere Bundesminister, einige Ministerpräsidenten und Prominenz aus Gesellschaft und Wirtschaft. Schon zu diesem Zeitpunkt sitzt Helmut Kohl im Rollstuhl. 2018 war er in seinem Haus in Ludwigshafen gestürzt, die Ärzte diagnostizieren ein Schädel-Hirn-Trauma. 

Keine Helmut-Kohl-Straße in Ludwigshafen 

Schon bald nach seinem Tod am 16. Juni 2017 werden Rufe nach nach einer Würdigung im öffentlichen Raum laut. In Speyer gibt es ein Helmut-Kohl-Ufer und in Mainz einen Helmut-Kohl-Platz. Die Initiative, die Ludwigshafener Rheinallee nach dem Sohn der Stadt zu benennen, scheitert am Widerstand Geschäftsleute und Anwohner vor Ort. Auch in Frankenthal wurde das Projekt, den Rathausplatz in Helmut-Kohl-Platz umzubenennen, nach Unwillen in der Bevölkerung der pfälzischen Stadt auf Eis gelegt.

Und was bleibt heute vom Altbundeskanzler übrig? Was ist sein politisches Erbe? „Sein großes diplomatisches Geschick war für das Zusammenwachsen Europas entscheidend", sagt die SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer anlässlich des 90. Geburtstags. Und sie erinnert an Kohl als Verfechter der europäischen Idee. „An seinem Geburtstag erinnern wir auch an die Bedeutung der Stärke und des Zusammenhalts der Europäischen Union.“

dpa/kp

Quelle: Ludwigshafen24

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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