In kugelsicherer Weste durch die Nacht

10 Stunden auf Streife: Teil 4 – Jugendliche Randalierer

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Die jugendlichen Randalierer sind eine wahre Geduldsprobe für die Polizisten.

Ludwigshafen – In diesem Teil spielen flüchtige Jugendliche und eine ominöse Orangensaft-Flasche die Hauptrolle...

Teil 4: Jugendliche Randalierer

Große Aufregung herrscht auf dem Revier. Flüchtige Jugendliche werden in der Nähe der Teufelsbrücke gesucht. Ein Team ist schon auf dem Weg dorthin. Chrissie und Christian sind die Verstärkung. 

Als wir unter der Brücke sind, stürzen sich schon die Mücken auf mich. Im hellen Scheinwerferlicht der Streifenwagen sehe ich ganze Schwärme flattern. Die Jugendlichen sehen auch nicht besonders glücklich aus. Aber das hat wohl andere Gründe.

10 Stunden auf Streife: Teil 4 – Jugendliche Randalierer

Der Verdacht: Zeugen sollen sie dabei beobachtet haben, wie mit Hilfe eines Steins, ein Seitenfenster eines parkendes Autos eingeschlagen wurde. Außerdem sollen sie versucht haben, in ein Gartenhäuschen einzubrechen

Die Jugendlichen wollen von den Vorwürfen gar nichts wissen. Einer regt sich unglaublich auf: „Ich weiß gar nicht, was Sie von uns wollen! Wir haben gar nichts gemacht.“ 

Ich finde sie sehen schrecklich jung aus. Einer ist ziemlich klein, eigentlich noch ein Kind, und sieht aus als wäre er etwa 12 oder 13 Jahre alt. Ein anderer gibt an, im Jahre 2000 geboren zu sein. Meines Erachtens sollten sie sich um diese Uhrzeit überhaupt nicht mehr draußen aufhalten.

Mittlerweile ist es schon fast Mitternacht. Bis auf einen scheinen sie sich alle beruhigt zu haben. Er spricht jetzt in einem sehr hässlichen Ton zu einer Polizeibeamtin: „Ich will wissen was Sie da aufschreiben! Was denken Sie sich eigentlich wer Sie sind? Ich scheiß´ drauf was sie sagen!“ 

Sie sieht ihn streng an und weist ihn zurecht: „Hör mal zu Kleiner, es ist mir völlig egal ob du Lust hast mit mir zu reden oder nicht, du beantwortest jetzt sofort meine Fragen.“ 

Er scheint ein bisschen erschrocken zu sein. Seine Freunde versuchen, ihn zu beschwichtigen: „Komm lass des jetzt.“ Um diesen Effekt zu erreichen, erklärt mir ein Beamter, mussten sie die Gruppe voneinander trennen und einzeln befragen. „Da reichen auch nur ein paar Meter Abstand. Dann werden auch die größten Großmäuler lammfromm.“

Mein Streifenteam wird nicht mehr gebraucht und wir ziehen von dannen. Nur um noch mehr Jugendliche anzutreffen, die auch besser zu Hause sein sollten. 

Wenn die Eltern ausgeflogen sind... 

Der nächste Einsatzort ist ein ruhiges Wohngebiet. Ein Zeuge wird zur Sachlage befragt. Es geht wohl um Jugendliche, die dauernd über Zäune klettern und Lärm machen würden. 

Wir erfahren, dass die Eltern im Urlaub seien und der Tochter ausdrücklich verboten hätten, eine Party zu feiern. Der Nachbar wäre auch nicht sicher, ob sie um die Uhrzeit noch draußen sein sollte. 

Die Gruppe von Jugendlichen ist schnell gefunden. Das Mädchen, das die Party veranstaltet hat, ist anhand einer Personenbeschreibung des Nachbarn auch schnell gefunden. Als Christian sie mit vollem Namen anspricht, erschrickt sie und knetet nervös ihre Hände.

Soso Orangensaft also...

Christian befragt das Mädchen: „Warum seid ihr über die Zäune geklettert?“ Sie antwortet nervös: „Wir waren vorhin bei mir und wollten noch einmal rein, um Orangensaft und Jacken zu holen.“ – „Soso, Orangensaft also...“, bemerkt Christian zweifelnd. „Wohin wollt ihr jetzt überhaupt?“„Also ich wollte bei einer Freundin schlafen.“

Christian beschließt, dass sich die Menschenversammlung jetzt auflösen muss. Außerdem müsse er die Mutter des Mädchens anrufen, um zu fragen, ob ihre Tochter denn überhaupt noch draußen bleiben dürfte. Das Mädchen scheint sich nun ernsthafte Sorgen zu machen. „Müssen Sie meiner Mutter sagen, dass Sie von der Polizei sind?“„Natürlich, was sollte ich denn sonst sagen?“ 

Das Telefonat scheint wenig erfreulich zu laufen. Ich höre nur Bruchstücke: „Aber darum geht es doch jetzt gar nicht, Frau ***. Es geht nur darum, ob sie bei einer Freundin schlafen darf. Machen Sie sich keine Sorgen… Ja, ich gebe sie Ihnen auch gleich wieder.“ 

Jetzt kommen wir in die Zeitung!

Die Jugendlichen scheinen sich immer noch nicht trennen zu wollen und sehen eigentlich wieder ganz vergnügt aus. Ich nutze die Gelegenheit um sie zu fragen, ob ich sie fotografieren dürfte. Sie scheinen von der Idee ganz angetan und posen selbstbewusst vor dem Polizeiauto. 

Ich warne sie noch einmal, dass ihre Eltern die Fotos ja sehen könnten, doch sie winken nur ab: „Kein Stress!“ Die Partyveranstalterin ruft sogar vergnügt: „Aahhhh – jetzt kommen wir in die Zeitung!“  

Christian wird es jetzt aber zu bunt und er bestimmt:„So jetzt ist aber genug! Ihr geht jetzt alle nach Hause!“ 

Doch sie wollen immer noch nicht und betteln: „Können wir nicht noch unsere Sachen holen?“ Doch Christian ist unerbittlich: „Nein, ihr geht sofort!“ Die Gruppe zerstreut sich. 

Christian beobachtet das mit einem Adlerauge und murmelt: „Nicht, dass die noch mal wieder kommen um ihren sogenannten Orangensaft zu holen...“ 

Bevor wir uns wieder auf die Socken machen, wird noch der Nachbar beruhigt. Als wir zum Auto zurückgehen, seufzt Christian – selbst Vater einer kleinen Tochter: „So etwas wird mir wohl auch noch blühen...“

Weitere Teile dieser Serie:

>>>>>10 Stunden Streife – Teil 1: Zickenkrieg statt Brezeln

>>>>>10 Stunden Streife – Teil 2: Der richtige Riecher

>>>>>10 Stunden Streife – Teil 3: Beweismittel am Finger

>>>>>10 Stunden Streife – Teil 5: Das verschwundene Quad

>>>>>10 Stunden Streife – Teil 6: Die Ausnüchterungszelle

>>>>>10 Stunden Streife – Teil 7: Weichgespülte Drogen

kp

Quelle: Ludwigshafen24

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