Mit kugelsicherer Weste durch die Nacht

10 Stunden Streife: Teil 7 –  Weichgespülte Drogen

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Das finden die Polizisten bei der Wohnungsdurchsuchung auf dem Tisch vor.

Ludwigshafen – Es wird schon langsam hell. Steini, Simon und ich sind wieder unterwegs und gähnen abwechselnd. Doch da zieht ein Radfahrer unsere Aufmerksamkeit auf sich... 

Von wegen Urlaub...

Es geht mit Simon und Steini zum letzten großen Einsatz der Nacht. Doch das wissen die beiden noch nicht. Steini freut sich auf seinen Urlaub, der nach Schichtbeginn anfangen soll. Wenn er nur wüsste, dass er heute Nacht noch Überstunden schieben muss. Nach ein paar unspektakulären Verkehrskontrollen sehen wir einen Fahrradfahrer vor uns.

Nächtliche Streife: Teil 7 –  Weichgespülte Drogen

Er hat kein Licht an seinem Rad und als er uns sieht, flüchtet er plötzlich in eine Nebenstraße. Solche Fluchtversuche habe ich in dieser Nacht schon ein paar Mal beobachten können. Meistens gab es keinen Grund dafür. Doch dieser Radfahrer hat wirklich etwas ausgefressen...

Es geht hinterher, der Radler ist schnell eingeholt. Während der Kontrolle schaut der Mann oft auf den Boden und reibt sich die Hände an seiner Hose trocken. Steini beweist wieder einmal seine Spürnaseund geht ein paar Schritte die Straße entlang. 

Als er zurückkommt, baumelt eine Plastiktüte von seinen gespreizten Fingern. Es ist ein Päckchen mit Drogen. „Haben Sie das gerade weggeworfen?“ 

Der Mann antwortet hastig: „Ich habe keine Ahnung, was das ist.“ Steini sagt ohne sichtbare Regung: „Sie müssen sich zu diesem Zeitpunkt nicht selbst belasten. Wir werden die Fingerabdrücke auf dem Päckchen mit ihren abgleichen.“ 

Der Mann nickt und leckt sich die spröden Lippen. Vorsichtig packt Simon die Tüten aus. Im Päckchen befinden sich Cannabis und vermutlich Amphetamine. Außerdem finden die Beamten noch Weichspüler, ein Säckchen mit Lavendel und ein Päckchen mit Taschentüchern – das dem Weggeworfenen verdächtig ähnlich sieht – in seinem Rucksack.

Steini glaubt nicht so Recht, dass in dem Säckchen nur Lavendel ist und vermutet darin noch mehr Cannabis. Er lässt den Mann den kleinen Beutel öffnen. Doch es scheint wirklich nur Lavendel zu sein. 

Was soll das mit dem Weichspüler?

Steini und Simon begutachten das pastenartige Amphetamin. Der Mann erzählt, dass er bei seiner Freundin Wäsche gewaschen hätte. Doch wo ist dann seine Wäsche? Steini vermutet, dass der Mann das Amphetamin mit Weichspüler gestreckt hat und es zu Hause trocknen wollte. So kann er die Substanz gewinnbringend, weil schwerer, weiterverkaufen. 

Simon sucht die Straße nach weiteren Drogen ab, die der Mann auf seiner Flucht fallengelassen haben könnte. Er kriecht mit einer Taschenlampe auf dem Asphalt herum, doch er findet nichts. 

In der Zwischenzeit trifft Verstärkung ein, die mir erklärt, warum der Mann aussieht, als hätte er Drogen konsumiert. „Siehst du denn weißen Spuren in den Mundwinkeln? Und seinen trockenen Mund? Er schaut und bewegt sich auch fahrig und die Kaumuskeln spannen sich die ganze Zeit an.“ 

Der Mann ist übrigens auch wegen Drogenbesitzes vorbestraft. „Wenn er jetzt noch viele kleine Scheine dabei hätte, würde es dafür sprechen, dass er ein Drogendealer ist.“, erklärt er weiter.

Die Wohnungsdurchsuchung

Der Mann erlaubt den Beamten, seine Wohnung auf weitere Drogen zu untersuchen. Er behauptet, kein Drogendealer zu sein und nur noch eine kleine „Konsumeinheit“ zu Hause zu haben. Das wird direkt überprüft. 

Bei ihm zu Hause angekommen, öffnet Steini die Haustür und hebt gleich einen schweren Hammer vom Boden auf. „Nicht, dass ich bei der Durchsuchung noch eine auf die Rübe bekomme.“ Tatsächlich können die Beamten keine weiteren Drogen finden. Nur auf dem Tisch liegen ein paar Lines Amphetamin. Der mit uns eingetroffene Drogenhund soll das bestätigen 

„Woher weiß man eigentlich wo man suchen muss?“, frage ich den Hundeführer. „Erfahrung“, antwortet er müde. Als der Drogenhund anfangen soll, die Wohnung durchzuschnüffeln, tritt Simon einen Schritt zurück. Der Hundeführer macht sich über ihn lustig: „Na, Angst vor Hunden?“ Simon antwortet: „Nein ich mag Hunde, ich habe nur Respekt vor ihrer Arbeit.“  

Der Vierbeiner scheint noch sehr jung zu sein, aufgeregt schnüffelt und wedelt er mit dem Schwanz. „Wenn er anfängt zu kratzen, hat er etwas gefunden.“  erklärt der Hundeführer. Doch er kratzt nicht. Nichts zu holen.

Der tierische Helfer braucht ein Erfolgserlebnis

Der Spürhundführer nimmt eine Dose aus seiner Hose und versteckt sie unter ein paar Kisten. Jetzt sehe ich, wie der Hund anschlägt, wenn es wirklich etwas gefunden hat:. Er kratzt und wirft die Kisten um und schaut immer wieder zum Hundeführer, als wollte er ihm sagen: „Schau mal Herrchen, lobe mich, ich habe doch etwas gefunden!“ 

Das Herrchen belohnt ihn auch sofort mit einem Spielzeug und erklärt, als er meinen verwunderten Gesichtsausdruck sieht: „In dem Döschen sind ein bisschen Cannabis und Amphetamine. Wenn er nichts gefunden hat, lasse ich ihn es suchen, damit er ein Erfolgserlebnis hat. Sonst hätte er keine Lust mehr, nach Drogen zu suchen.“

Wir verlassen die Wohnung wieder. Der Mann wird nicht verhaftet. Erst müssten die Substanzen untersucht werden. Beim Rausgehen sehen wir noch einen Knüppel an der Haustür. Steini schüttelt den Kopf und flüstert mir zu: „Wenn der Mann dealen würde, würden Waffen im Eingang strafverschärfend auf das Urteil wirken.“

Wieder auf dem Revier 

Es geht wieder zurück aufs Revier. Berichte müssen vor der Schichtübergabe noch geschrieben werden. Und das dauert. Der Drogenfund wird gewogen, katalogisiert und in einen Tresor gesperrt. Steini sagt zu mir: „Du musst wirklich nicht mehr dableiben. Geh doch nach Hause.“ Mein Kopf ist auf den Tisch gesunken. Ich murmele im Halbschlaf: „Nein, ich mach noch ein Foto davon, wie die Drogen in den Tresor kommen...“

Die Frühschicht ist schon da. Es ist sechs Uhr. Nachdem der Tresor verschlossen ist, verabschiede ich mich, trunken vor Müdigkeit, und wünsche Steini einen schönen Urlaub. Doch er schüttelt den Kopf: „Ich muss morgen noch einmal herkommen, um Berichte zu schreiben.“ 

Auch erst um sechs trudeln Christian und Chrissie ein, die noch auf einem anderen Einsatz waren. Jetzt sehe ich, wie sich eine Aussage des frühen Abends bewahrheitet. Ziemlich am Anfang der Schicht fragte ich, wie denn Polizisten so in der Freizeit seien.

 „Ja, toll natürlich, richtig super“, lachte Simon und Steini ergänzte: „Ich glaube, wir sind Idealisten. Wir müssen ja auch Vorbild sein. Die Leute sollen ja Zivilcourage zeigen und die Initiative ergreifen, wenn sie Missstände beobachten. Wir stehen für diese Dinge ein – auch in unserer Freizeit.“ 

Fazit dieser Nacht: Die Stadt Ludwigshafen kann sich glücklich schätzen, so gute und gewissenhafte Polizisten zu haben. 

Alle Teile der Serie noch einmal zum Nachlesen: 

>>>>>10 Stunden Streife – Teil 6: Die Ausnüchterungszelle

>>>>>10 Stunden Streife – Teil 5: Das verschwundene Quad

>>>>>10 Stunden Streife – Teil 4: Jugendliche Randalierer

>>>>>10 Stunden Streife – Teil 3: Beweismittel am Finger

>>>>>10 Stunden Streife – Teil 2: Der richtige Riecher

>>>>>10 Stunden Streife – Teil 1: Zickenkrieg statt Brezeln

kp

Quelle: Ludwigshafen24

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