Blick in den Stadtteil

Protestwähler? LU-West wundert sich über AfD-Erfolg

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Plakate mit AfD-Spitzenkandidat Uwe Jung zierten während des Wahlkampfs auch in Ludwigshafen die Straßen.

Ludwigshafen – Die AfD hat am Sonntag vielerorts Erfolge gefeiert - in Ludwigshafen-West kommt sie sogar auf 25 Prozent. Dort gebe es viele Protestwähler, so die Vermutung. Warum? 

Auf 25 Prozent oder 265 Stimmen hat es die rechtspopulistische Partei im Stadtteil West gebracht und damit den zweiten Platz hinter der SPD (36,7 Prozent) belegt.

Super-Wahl-Sonntag! So hat Ludwigshafen gewählt

In einer kleinen Wohnsiedlung am Rande Ludwigshafens sitzen acht Männer und eine Frau vor einem Kioskladen, einige trinken in der Mittagssonne ein Bier. Einer von ihnen ist Sven Illing, der sich selbst als Hartz-IV-Empfänger bezeichnet. 

Illing sagt, in West seien„alle gegen die Flüchtlinge“. Der 25-Jährige hat bei der Landtagswahl am Sonntag nach eigenen Angaben AfD gewählt – so wie manch anderer hier – und damit zum Blitzstart der Partei im Land beigetragen.

LU-West als Problembezirk

Der Kiosk liegt in der Bayreuther Straße, einem ärmlich wirkenden Teil der Chemiestadt. Zwar erstrahlt manches Gebäude hier in neuem Glanz, doch allgemein wirkt die Gegend heruntergekommen. Wer hier lebt, hat meist wenig Geld. Illing sagt mit Blick auf die Flüchtlinge, es sei nicht normal, was da abgehe. Während er „den Deppen“ machen müsse, um sein Geld zu bekommen, sei dies für Flüchtlinge ganz einfach.

„Der Stadtteil West hat viele Protestwähler, sagt Antonio Priolo. Die hätten vermutlich auch die AfD so in die Höhe gehoben. Der Italiener ist Ortsvorsteher des Bereichs nördliche Innenstadt, zu dem West gehört. Er vermutet, dass das Thema Flüchtlinge nicht von allen Bürgern mitgetragen wurde. Das Ergebnis der AfD sei für ihn als Migranten besonders schlimm, sagt der Sozialdemokrat.„Um Gottes Willen, das kann doch nicht wahr sein“, habe er gedacht. West sei ein ganz normaler Stadtteil. „Wir haben einige Arbeitslose, aber sonst wohnen normale Bürger da.“

Ursachen für Wahlverhalten

Ein Blick auf die Zusammensetzung der Bevölkerung in den einzelnen Wahlkreisen, lässt vermuten, dass auch die Kirche eine Rolle spielt: 

Schon bei früheren Wahlen war zu beobachten, „dass wir in Rheinland-Pfalz und anderen Teilen Deutschlands den Zusammenhang haben, dass Parteien am rechten Rand wie die NPD oder die Republikaner in protestantisch-ländlichen Gebieten stark sind“, erklärt der Mainzer Politikwissenschaftler Kai Arzheimer. Dort fehle die katholische Kirche vor Ort, die die Einwohner in das traditionelle Parteiensystem einbinde.

Nach ihrem Senkrechtstart zur drittstärksten Kraft im Landtag bildet die AfD nun ihre 14-köpfigen Fraktion. Am Mittwoch, 16. März, wollen die künftigen Abgeordneten in Mainz bei einem ersten Treffen ihren Fahrplan abstecken. Beim Fraktionsvorsitz läuft alles auf Spitzenkandidat und Landeschef Uwe Junge zu. 

sag/dpa

Quelle: Ludwigshafen24

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