Bismarck- und Ludwigstraße verwaist

Nachmieter gesucht! Dutzende Läden stehen in City leer

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Laut Schätzung des Ludwigshafener Einzelhandelsvorsitzenden Edmund Keller stehen 20 Prozent der Läden in der Innenstadt leer.

Ludwigshafen-Mitte – Ein Laden neben dem anderen steht leer! Auch zehn Monate nach unserem letzten Rundgang hat sich die Situation in der Innenstadt nicht verbessert – im Gegenteil!

Das Wort ‚Ladensterben‘ mag er so gar nicht – Edmund Keller (84), Vorsitzender des Einzelhandelverbands Ludwigshafen, im Gespräch mit LUDWIGSHAFEN24...

Dennoch sind die laut seiner Schätzung „mindestens 20 Prozent“ Leerstand in der Ludwigshafener Innenstadt nicht von der Hand zu weisen und eindeutig „zu viel“.

Und Keller weiß, wovon er spricht! Seit 1961 steht er an der Spitze des Einzelhandels, hat in der Wredestraße selbst seit 1954 ein Schuhgeschäft. Das letzte in Bismarck- und Ludwigstraße! „Es waren mal acht Schuhgeschäfte – jetzt sind wir die einzigen, die übriggeblieben sind. Die Kunden wollen Qualität und kompetente Beratung, bequeme Schuhe. Dafür sind sie auch bereit, mehr Geld auszugeben“, erklärt Keller.

Mit dem mehrstöckigen „Fashion House Amling“ verabschiedete sich im Sommer 2014 nach fast zehn Jahren der größte (und letzte) Textilhändler aus der City – und versucht jetzt in Bad Dürkheim sein Glück.

Nachmieter gesucht! Dutzende Läden stehen in City leer

Doch während (gefühlt) ein Laden nach dem anderen die Segel streicht und dafür ein Handy-Shop nach dem anderen eröffnet, kommt aufgeben für den Geschäftsmann nicht in Frage – im Gegenteil: Erst im Februar 2014 blieb sein Geschäft für Umbaumaßnahmen fünf Wochen lang geschlossen. 

Bereits im Jahr 2002 investierte er 600.000 Euro in eine umfassende Renovierung seines 200 Quadratmeter großen Ladens (plus 400 Quadratmeter ‚Reservefläche‘).

Dennoch muss auch das 15-köpfige Team von „Schuh Keller“ mit der Zeit gehen. Der Versandanteil stieg in den letzten Jahren auf 25 Prozent: „Wir können bis zu 50 Pakete am Tag verschicken, fürchten die Internet-Konkurrenz nicht. Zudem ist unser Sortiment nicht mit deren vergleichbar.

Während Viele in der „Rhein-Galerie“ (2010 eröffnet) den ‚Gnadenstoß‘ für den Innenstadt-Einzelhandel sehen, bewertet Experte Keller die Shopping-Mall mit ihren 130 Shops positiv.

Die Rhein-Galerie beschert uns eine andere Art Kundschaft, als in der Innenstadt gesucht wird. Dazu viele Kunden aus der ganzen Region, die teilweise jahrelang oder sogar noch nie in Ludwigshafen zum Einkaufen waren.

Vermieter sind gefordert

Fluch oder Segen? Die Rhein-Galerie am Ludwigshafener Rheinufer.

In den Städten wird nicht mehr so viel Fläche für den Handel benötigt, wie noch in den 60er Jahren. „Im Vergleich zu früher reichen 50 bis 60 Prozent der Flächen aus. Modeketten wie H&M, Esprit oder Zara ‚erobern‘ die Städte, zahlen jeden Mietpreis! Deshalb ist es in Shopping-Metropolen wie Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart oder München kein Problem, Läden zu vermieten“, so Keller.

Und hatten die Geschäfte in der Bismarckstraße früher noch eine Größe von 300 bis 400 Quadratmeter, wurden viele Läden unterteilt, weil sich so mehr Miete vom gleichen Objekt herausschlagen lässt.

Nach Kellers Meinung sollte so mancher Vermieter nicht auf das schnelle Geld aus sein und sich lieber einen Mieter ins Haus holen, die „zukunftsträchtig“ sind und nicht nach zwei Jahren schon wieder weiterziehen.

Vielmehr sollten Hausbesitzer potenziellen Mietern gegebenenfalls entgegenkommen, Zugeständnisse bei Dingen wie Umbaukosten oder Miete machen.

Wie kann es mit dem Einkaufsstandort Ludwigshafen wieder aufwärts gehen?

Wir brauchen in Ludwigshafen nicht noch mehr Filialen und Ein-Euro-Läden, sondern Waren, die in Rathaus-Center und Rhein-Galerie noch nicht angeboten werden. Junge Mode und Billiganbieter haben wir genug. Wenn nach dem Abriss der ‚Tortenschachtel‘ erstmal der Neubau am Berliner Platz steht, wird die Ludwigstraße der Laufweg zur Rhein-Galerie.

Eine Maßnahme zur Belebung der Innenstadt könnte sein, dass die Bismarckstraße teils für den Autoverkehr freigegeben wird beispielsweise von der Bahnhof- bis zur Kaiser-Wilhelm-Straße. So wie dies vor Jahren in der Ludwigstraße umgesetzt wurde.

Übrigens: Im Auftrag von Rathaus und LUKOM (Ludwigshafener Kongress- und Marketinggesellschaft) zerbrechen sich zwei Arbeitsgruppen die Köpfe, wie dem Leerstand beizukommen ist.

Wir (und alle Ludwigshafener) sind schon sehr gespannt...

>>>Dramatisches Ladensterben in Ludwigshafen!

pek

Quelle: Ludwigshafen24

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