Unglaublicher Verdacht

War die Kampfhunde-Attacke in Leimen geplant? Neue Details erschüttern

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Ein Teenager wird von zwei Hunden angegriffen und schwer verletzt. (Symbolfoto)

Leimen - Ein Jugendlicher wird von zwei nicht angeleinten Kampfhunden angegriffen. Bei der Attacke wird der 15-Jährige schwer verletzt. Wie es jetzt mit den Vierbeinern weitergeht:

Update vom 4. Juli: Bei dem Fall aus Leimen, bei dem ein 15-jähriger Jugendlicher am Pfingstmontag bei einer Attacke von zwei Kampfhunden schwer verletzt und im Gesicht entstellt wurde, werden immer mehr erschütternde Details bekannt. Nicht nur, dass der 16-jährige Tatverdächtige die beiden American Staffordshire Terrier auf sein Opfer gehetzt haben soll – womöglich könnte die Tat auch geplant gewesen sein. Denn: Wie die RNZ berichtet, sollen sich die beiden Jugendlichen seit mindestens zwei bis drei Jahren gekannt haben. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Heidelberg.

Außerdem soll das 15-jährige Opfer gegenüber den Ermittlern ausgesagt haben, dass einer der beiden Kampfhunde schon an Ostern versucht haben soll, ihn anzugreifen und zu beißen. 

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Leimen: Haftbefehle nach Kamphundeattacke auf Jugendlichen – Tiere auf 15-Jährigen gehetzt?

Update vom 2. Juli: Vor knapp drei Wochen wird in Leimen ein 15-Jähriger durch eine Hunde-Attacke schwer verletzt. Die beiden Kampfhunde greifen den Teenager in der Karlsruhe Straße in Leimen an, als er mit dem Rad an den Tieren vorbeifährt. Was zunächst wie ein schrecklicher Unfall aussieht, entwickelt sich jetzt zu einer schweren Straftat: Männer sollen die Hunde auf den 15-Jährigen gehetzt haben. 

Die Staatsanwaltschaft Heidelberg hat gegen einen 16- und einen 22-Jährigen Haftbefehle wegen des Verdachts auf Körperverletzung erlassen. Beide Männer wohnen in Leimen. Am Montag durchsucht die Polizei ihre Wohungen und verhaftet die beiden. Der 16-Jährige wird nach der Haftvorführung direkt in eine JVA eingeliefert. Der Haftbefehl gegen den 22-Jährigen wird gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt. Allerdings sind beide Männer nicht die Hundehalter. Das ist nämlich der 21-jährige Bruder des 16-Jährigen. Gegen den Besitzer der beiden Kampfhunde wird gesondert ermittelt.

Leimen: Kampfhunde-Attacke – So soll Angriff abgelaufen sein

Der Vorwurf wiegt schwer: Sie sollen am Pfingstmontag (10. Juni) gemeinsam den Entschluss gefasst haben, die beiden Kampfhunde der Rasse American Staffordshire Terrier ohne Maulkorb und ohne Leine auf den 15-Jährigen in Leimen gehetzt zu haben. Dabei herrscht laut Kampfhundeverordnung Baden-Württemberg Maulkorb- und Leinenzwang.

Im Feld zwischen Leimen und Heidelberg ist das Opfer zusammen mit drei Freunden mit dem Fahrrad unterwegs. Aus einiger Entfernung haben die Jugendlichen die Kampfhunde-Besitzer gebeten, ihre Tiere festzuhalten. Das haben sie zunächst auch getan. Doch plötzlich lassen sie die Kampfhunde los und der 16-Jährige soll sie zusätzlich noch mit Worten „scharf gemacht“ haben. Das erklärt die Polizei in einer Pressemitteilung. Damit sollen sie zumindest billigend in Kauf genommen haben, dass das Opfer von den Kampfhunden zerbissen wird.

Leimen: Junge durch Kampfhundebisse teilweise entstellt – Zukunft der Tiere ungewiss

Die Kampfhunde attackieren den 15-Jährigen und ziehen ihn durch Bisse vom Fahrrad. Als er am Boden liegt, greifen beide Hunde massiv an. Erst nach einiger Zeit gelingt es den beiden Männern, ihre Tiere von dem mittlerweile völlig zerbissenen Opfer zu ziehen – und das auch nur durch Schläge mit der Leine. Doch es ist bereits zu spät: Der Junge erleidet durch den Angriff schwerwiegende und teilweise entstellende Gesichtsverletungen.

Die Hunde sind aktuell in einem Tierheim. Ihre Zukunft ist noch ungewiss. Beiden Tieren ist unter Betäubung eine DNA-Probe entnommen worden. Die Ergebnisse stehen noch aus. Die weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Heidelberg und des Fachdezernats der Kriminalpolizeidirektion Heidelberg in Zusammenarbeit mit der Polizeihundeführerstaffel des Polizeipräsidiums Mannheim dauern an.

Ein Labrador- Mischling sorgt am 6. Juli in der Mannheimer Innenstadt für Schlagzeilen: Weil er zwei Kinder gebissen hat, wird der Gehweg von der Polizei abgesperrt.

Leimen: Nach brutaler Hunde-Attacke: Stadt wünscht sich verpflichtenden Hundeführerschein 

Update vom 25. Juni: Die Meinungen zum Hundeführerschein gehen weit auseinander. Doch nach der brutalen Kampfhunde-Attacke auf einen 15-jährigen wünscht sich die Stadt Leimen eine gesetzliche Regelung zur Einführung eines verpflichtenden Hundeführerscheins„Zum Schutz der Menschen würden wir das begrüßen“, sagt Leimens Oberbürgermeister Hans Reinwald (CDU). Der Verband für das Deutsche Hundewesen hingegen hält nichts von der Idee. Ein solches Instrument schrecke insbesondere ältere Menschen von der Hundehaltung ab, die sich keiner Prüfung mehr unterziehen wollten. „Die Hundehaltung darf nicht weiter erschwert werden“, sagt Verbandsgeschäftsführer Jörg Bartschera am Dienstag in Dortmund. 

Unterdessen ermittelt die Staatsanwaltschaft nach der Hundeattacke in Leimen wegen fahrlässiger Körperverletzung. Für die Einführung eines verpflichtenden Hundeführerscheins wäre das Innenministerium zuständig. Hundebesitzer können den Führerschein aber auch immer freiwillig machen. Daran herrscht in Leimen jedoch offenbar kein großes Interesse – obwohl die Kommune bei Vorlage des Führerscheins eine geringere Hundesteuer verlangt. Seit zwei Jahren reduziert sich die Hundesteuer von jährlich 96 Euro für das erste Tier um 24 Euro, wenn die Prüfung bestanden ist. 

Hunde-Attacke in Leimen: Video zeigt den brutalen Angriff

Update vom 14. Juni: Nun kursiert auch ein Video im Netz, das die brutale Hunde-Attacke in Leimen zeigt. Darauf erkennt man zunächst zwei Hunde, die hinter einem Fahrradfahrer herlaufen – dann eskaliert die Situation. Die Tiere attackieren ihr 15-jähriges Opfer, während es wehrlos auf dem Boden liegt. Hier kannst Du das Video sehen. (Achtung: Der Inhalt ist nichts für schwache Nerven.) Unterdessen ist aus Sicht des Ordnungsamtes noch nicht vollständig geklärt, ob es sich bei den Hunden aus Leimen um Kampfhunde handelt. Gewissheit werde erst ein Gentest bringen, sagt Stefan Hauswirth vom Ordnungsamt der Gemeinde im Rhein-Neckar-Kreis am Freitag. 

Die von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmten Hunde waren als American Bulldog gemeldet, die im Südwesten nicht als Kampfhunde gelten. Beamte der Polizeihundestaffel, die nach Beschwerden eines Nachbarn des Hundehalters vor Ort waren, äußerten daran Zweifel, weil die Tiere eher der Rasse American Stafford Mix zuzuordnen und damit Kampfhunde seien.

Update, 12 Uhr: Die Zahl der Attacken von Hunden auf Menschen im Südwesten hat zugenommen. In der Kategorie „Tatmittel Hund“ verzeichnet das Innenministerium 1.397 Fälle im vergangenen Jahr – darunter 1.381 Körperverletzungen. Vor 5 Jahren waren es noch 1.214 Fälle. Das Ministerium macht dafür nicht etwa die wachsende Aggressivität der Hunde verantwortlich, sondern die steigende Zahl: „Mehr Hunde bedeuten mehr Zwischenfälle“, so Sprecher Renato Gigliotti am Mittwoch. 

Die Statistik unterscheidet zwischen Hunden und Kampfhunden. Auf das Konto letzterer gingen 2018 nur 34 Delikte. Der Fall des Jugendlichen, der in Leimen durch zwei junge Kampfhunde schwer verletzt wurde, sei laut Gigliotti äußerst selten. Da sei alles schiefgegangen, was möglich ist. Die meisten Bisse werden nämlich von den als Familienhunden bekannten Labradoren verursacht.

Update vom 12. Juni: Nach der brutalen Kampfhundattacke in Leimen liegt der schwer verletzte Jugendliche weiterhin im Krankenhaus und wird medizinisch versorgt. Das bestätigt uns am Mittwochmorgen ein Sprecher der Mannheimer Polizei. 

Es werde sowohl gegen den 16-Jährigen als auch gegen den Bruder wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt. Denn der Bruder und Besitzer der beiden Listenhunde hätte wissen müssen, dass sein Bruder nicht mit beiden Vierbeinern gleichzeitig spazieren gehen durfte und dass seine Tiere nur mit Maulkorb und an der Leine raus dürfen. Ob der Hundebesitzer seinen 16-jährigen Bruder mit den Hunden losgeschickt oder ob dieser ohne zu Fragen die Tiere genommen hat, müsse laut dem Polizeisprecher noch geklärt werden.

Wie es mit den beiden American-Staffordshire-Mischlingen weitergeht, kann der Sprecher noch nicht sagen. 

Ein Gutachter ist damit beauftragt, sich die Hunde anzuschauen. Die Vierbeiner befinden sich aktuell in einem Tierheim, wo sie auf ihre Wesensveranlagung hin eingeschätzt werden.

Hierbei wird überprüft, ob die Hunde per se gefährlich sind“, so Thomas Boris von der Polizeihundeführerstaffel Mannheim gegenüber HEIDELBERG24. Dabei solle herausgefunden werden, ob man - auch als Fremder - mit den Tieren umgehen könne und ob Auffälligkeiten hinsichtlich des Verhaltens festgestellt werden können.

Da die Tiere sich nun in einem für sie fremden Umfeld befinden, kann lediglich ein erster Eindruck gewonnen werden, um gegebenenfalls sofortige weitere Maßnahmen einzuleiten oder die weiteren Abläufe zu planen“, so Boris weiter. 

Leimen: Teenager (15) bei brutaler Tier-Attacke schwer verletzt – Schicksal der aggressiven Hunde ungewiss

Update, 19:55 Uhr: Wie ein Polizeisprecher erklärt, hätten die beiden elf Monate Tiere nicht nur angeleint sein, sondern auch einen Maulkorb tragen müssen. Dies sei laut Kampfhundeverordnung Pflicht bis zur Wesensprüfung, die ab dem zwölften Lebensmonat vorgenommen werden könne. Erst auf dieser Grundlage könne es Lockerungen geben. Auch sei der 16-jährige Hundehalter wegen seines Alters nicht berechtigt, mit den Listenhunde Gassi zu gehen. Für American Staffordshire gelte außerdem, dass immer ein volljähriger Hundeführer nur einen Hund an der Leine halte - und nicht wie im Leimener Fall zwei. Was mit den beschlagnahmten Tieren passiert, die dem Bruder des 16-Jährigen gehören, ist noch unklar

Leimen: Brutale Tier-Attacke – Kampfhunde zerfleischen Teenager (15) das Gesicht

Meldung vom 11. Juni, 7:30 Uhr: Drei Teenager fahren am Montagabend (10. Juni) durch die Karlsruher Straße in Leimen. Gegen 20 Uhr kommt das Trio an einem 16-Jährigen vorbei, der zwei Hunde mit sich führt. Beide Tiere der Rasse American Stafford Mix sind nicht angeleint, werden aber vom Hundeführer an ihren Halsbändern festgehalten. Als die Radfahrer an den Vierbeinern vorbeigefahren sind, lässt das Herrschen sie wieder los.

Doch die Hunde reagieren nicht wie erwartet, sondern beginnen die Verfolgung der Radfahrer. Als sie das Trio eingeholt haben, greifen die American Staffordshire Terrier einen 15-Jährigen an und beißen mehrfach zu! Der 16-Jährige geht dazwischen und kann die Vierbeiner unter Einsatz von Gewalt von ihrem Opfer trennen. 

Der 15-Jährige wird durch die Bisse schwer im Gesicht und am Körper verletzt und muss in ein Krankenhaus gebracht werden. Gegen den Hundeführer wird wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt. Die Tiere, die eigentlich seinem Bruder gehören, werden beschlagnahmt. 

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Falls Du Hinweise zu dem Vorfall geben kannst, melde Dich bei der Polizeihundestaffel Mannheim unter ☎ 0621/714970.

pol/dh/dpa/kab

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