Vor der Landauer Tafel aufgenommen 

Hetze gegen Ausländer auf Facebook: Was wirklich hinter diesem Bild steckt 

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Dieses Foto kursiert seit einigen Tagen auf Facebook.

Landau - Seit Tagen hetzen Facebook-User unter einem geteilten Foto, das eine Frau mit Kopftuch zeigt, die vor der Landauer Tafel aus einer Luxus-Karosse aussteigt. Was wirklich hinter diesem Bild steckt:  

+++ Update (21. März, 16:30 Uhr): 

Wie der Mannheimer Morgen berichtet, sei bei der Staatsanwaltschaft Landau mittlerweile Anzeige gegen den Facebook-Nutzer eingegangen. 

Unter anderem betreffe sie auch das verbreitete Foto. Man prüfe nun, ob ein Anfangsverdacht für den Straftatbestand der Volksverhetzung vorliegt.

Am Donnerstag (15. März) postet Marco K. ein Foto auf Facebook. Darauf zu sehen: Eine Frau mit Kopftuch, die aus einem scheinbar teuren Mercedes steigt. Das Foto betitelt Marco L. mit: „Heute vor der Landauer Tafel. Läuft!“ Innerhalb von wenigen Tagen wird das Bild tausendfach geteilt. Viele Facebook-User fühlen sich sofort in ihren Vorurteilen gegenüber ausländischen Mitbürgern bestätigt.

Die über 1.000 Kommentare reichen von „Der Mercedes war scheinbar zu teuer!? Jetzt ist kein Geld fürs Essen mehr da! Arme Leute..!“, „Schmarotzer brauchen wir nicht“ bis hin zu „Die wissen alle genau wie man im deutschen System schmarotzt und Geld spart. Glaube das liegt in deren Mentalität.“ 

Doch nicht nur werfen die User in einer wahren Hetzkampagne Ausländern pauschal vor den Sozialstaat auszunutzen, den Deutschen das Essen wegzunehmen, sondern auch der Tafel selbst, ungeprüft Lebensmittel herauszugeben. 

Was wirklich hinter dem Foto steckt 

Schon einen Tag später melden sich die Verantwortlichen der Tafel selbst zu Wort und erklären was es mit dem Bild in Wirklichkeit auf sich hat: 

„Mit dem abgebildeten Auto wird eine (deutsche) Rentnerin abgeholt, die den Weg zur Tafel nicht mehr allein zurücklegen kann. Hilfsbereite Nachbarn fahren sie dann mit ihren Autos zur Ausgabestelle. Dazu gehört auch diese muslimische Familie, die von uns selbst keine Lebensmittel bezieht.“

Außerdem stellen sie klar, dass man um bei der Tafel Lebensmittel zu erhalten, mindestens ein Mal jährlich einen Nachweis erbringen muss, dass man bedürftig ist. Welche Nachweise dazu nötig sind, kannst Du hier nachlesen. 

In der Landauer Tafel gäbe es außerdem auch keine Drängeleien, die eine Essener Tafel Ende Februar dazu bewog, einen Aufnahmestopp für Flüchtlinge zu verhängen. Wer wann drankommt, wird über ein Nummern-System geregelt. Jeder Tafel-Kunde bekommt bei der Ausgabe eine Nummer, die festlegt, zu welcher Uhrzeit er in der nächsten Woche bedient wird. Die Nummer zieht ein Tafel-Mitarbeiter blind, sodass nicht immer die gleichen Leute am Anfang der Ausgabe bedient werden. 

Nach der Veröffentlichung des Statements bekommt die Landauer Tafel viel Zuspruch und wird darin bestärkt die gute Arbeit fortzuführen. Trotzdem gibt es immer noch einige, die die Erklärung der Tafel anzweifeln. Das finden die Verantwortlichen erstaunlich, „da von diesen Zweiflern doch keiner vor Ort war und das Geschehene selbst erlebt hat.“

Was bleibt da zu sagen? Vielleicht erst informieren – dann kommentieren... 

kp

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