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Heidelberg: Mit diesem ausgeklügelten Konzept soll Kinosterben verhindert werden

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Von: Peter Kiefer

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Heidelberg - Streaming-Dienste wie Netflix, aber auch Corona machen Kinos das (Über-)Leben schwer. Ein Konzept soll jetzt ein weiteres Kinosterben verhindern:

Ein trauriges Kinosterben fegt durch viele deutsche (Innen-)Städte. Auch in der Rhein-Neckar-Region haben Kinobetreiber große Probleme. Um dem in Heidelberg mit aller Macht entgegenzuwirken, ist jetzt ein ausgeklügeltes Konzept erarbeitet und präsentiert worden. HEIDELBERG24 weiß, was drin steht und wie die Kino-Landschaft gerettet werden soll.

StadtHeidelberg (Baden-Württemberg)
Einwohnerzahl158.741 (Stand: 31. Dezember 2020)
Fläche108,8 km²
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

Heidelberg: Kinos als wichtige kulturelle Anziehungspunkte

Kinos gehören zu einer lebendigen Stadt und sind wichtige kulturelle Anziehungspunkte. Die Frage, wie die Kino- und Filmfestivallandschaft in Heidelberg in den nächsten Jahren erhalten und weiterentwickelt werden kann, steht daher im Zentrum der ersten Heidelberger Kinokonzeption. Die Stadt hat die Untersuchung im Jahr 2021 Jahr in Auftrag gegeben.

Erste Ergebnisse, Potenziale und Handlungsempfehlungen sind jetzt von Kulturdezernent Wolfgang Erichson (Grüne) und Dr. Andrea Edel, Leiterin des Kulturamts, vorgestellt worden. Im Herbst 2022 wird die Kinokonzeption im Kulturausschuss umfassend vorgestellt und besprochen. Autorin der Studie ist die Film- und Sozialwissenschaftlerin Dr. Morticia Zschiesche.

Der Luxor Filmpalast in der Heidelberger Bahnstadt.
Der Luxor Filmpalast in der Heidelberger Bahnstadt. © HEIDELBERG24/Jana Buch

Bürgermeister Erichson: „Heidelberg bietet für Filmfans das gesamte Spektrum“

„Vom modernen Multiplex-Kino in der Bahnstadt über kleinere Arthouse- und kommunale Kinos bis hin zu Filmfestivals unterschiedlichster Formate im ganzen Stadtgebiet – Heidelberg bietet für Filmfans das gesamte Spektrum. Kinos sind genauso wie Theater oder Konzerthäuser wichtige Anker für eine belebte Stadt, bereichern das kulturelle Angebot und ziehen auch Menschen aus der Region nach Heidelberg“, erklärt Bürgermeister Erichson.

Viele Studien würden zeigen, dass Film und Kino das niedrigschwelligste und beliebteste Angebot für die kulturelle Nutzung quer durch alle Altersstufen, Milieus und Herkunftsländer darstellen. Qualitätsvolle Film- und Kinokultur biete damit große Chancen für Diversität und kulturelle Teilhabe.

Kino-Sterben in Heidelberg – so soll es verhindert werden

„Aber das Kino muss sich gegen immer mehr Konkurrenz durch Streaming-Dienste und andere technische Innovationen behaupten. Die Stadt hat das Ziel, dass es in Heidelberg weiterhin eine abwechslungsreiche und vielfältige Kino- und Filmszene gibt. Die Kinokonzeption gibt uns dafür eine gute Grundlage“, so Erichson weiter.

„Heidelberg ist geprägt von einer lebendigen Kino- und Filmkulturlandschaft, die eng mit der Stadtgesellschaft und zahlreichen Institutionen verbunden ist. Sie sollten daher als kulturelle Orte der Demokratie und Teilhabe anerkannt, in ihrer Vielfalt, Ausgestaltung, Professionalisierung und Digitalisierung kontinuierlich stärker gefördert und an zentralen Stellen der Stadt besser sicht- und erlebbar gemacht werden“, fasst Dr. Zschiesche die Handlungsempfehlungen der Kinokonzeption zusammen.

Die Autorin der Heidelberger Kinokonzeption, Dr. Morticia Zschiesche (Mitte), übergibt die Studie an Kulturdezernent Wolfgang Erichson und die Leiterin des Kulturamts, Dr. Andrea Edel.
Die Autorin der Heidelberger Kinokonzeption, Dr. Morticia Zschiesche (Mitte), übergibt die Studie an Kulturdezernent Wolfgang Erichson und die Leiterin des Kulturamts, Dr. Andrea Edel. © Stadt Heidelberg

Heidelberg: Zentrale Akteurinnen und Akteure aus der Film- und Kinobranche eingebunden

Im Rahmen der Kinokonzeption hat Zschiesche unter Einbeziehung relevanter Kino- und Filmfestivalakteure sowie der Kulturamtsleiterin Dr. Andrea Edel von November 2021 bis Juni 2022 untersucht, wie die Kino- und Filmfestivallandschaft in Heidelberg erhalten und weiterentwickelt werden kann. Adressaten waren die drei regulären Kinobetriebe, sieben temporäre Kinos, Wanderkinos und Open-Airs sowie elf Veranstalter größerer Filmfestivals und Filmreihen.

Ermittelt wurden außerdem über eine schriftliche Befragung der Bestand und die aktuelle Situation. Damit stehen nun erstmals wichtige Strukturdaten für die lokale Kino- und Filmkunstlandschaft zur Verfügung. Von den einbezogenen 21 Akteurinnen und Akteuren bekundeten 17 ein starkes Interesse an weiterer Netzwerkarbeit. Es wurden bereits zwei „Runde Tische“ der verschiedenen Kinoformen unter Einbeziehung der lokalen Filmfestivals und -reihen sowie des Kulturamts via Zoom durchgeführt.

Die aktuelle Situation der Kinos in Heidelberg

Seit 2005 ist mit dem Kinosterben in der Innenstadt eine stärkere Konzentration des Filmangebots auf immer weniger Kinobetreiber in Heidelberg zu beobachten. So ist etwa im Jahr 2017 nach 50 Jahren das „Lux-Harmonie“ in der Heidelberger Altstadt abgerissen worden.

Gleichzeitig haben sich parallel kleinere Themenfestivals und temporäre Kinos herausgebildet, die sich zum Teil eng mit den verbliebenen Kinos verbunden haben. Corona hat in den vergangenen zwei Jahren die Besucherentwicklung in der Kultur allgemein stark beeinträchtigt.

Das Schlosskino in der Heidelberger Altstadt wurde 2018 abgerissen. (Archivfoto)
Fotos vom ,Schlosskino‘ in der Heidelberger Altstadt © HEIDELBERG24/Uli Hillenbrand

Investitionsstaus und fehlende Rücklagen bei vielen Kinobetreibern

Die Folgen sind oft große Investitionsstaus und fehlende Rücklagen bei den Kino- und Filmfestivalbetreibern. Es besteht nun die Notwendigkeit der Weiterentwicklung zu mehr ressourcenintensiven Sonderveranstaltungen, Open-Air-Kino, hybriden Formaten und digitalen Angeboten, um das Publikum zurückzugewinnen und den Kinobesuch sicher zu gestalten.

Verschärft durch die Corona-Pandemie gibt es darüber hinaus massive Personalprobleme und Unterbesetzung. Zu beobachten ist auch eine Überforderung von ehrenamtlichen Strukturen durch zu wenige Festangestellte, vor allem im Kommunalen Kino mit seiner Vereinsführung.

Heidelberg: Zusammenfassung der Handlungsempfehlungen für die Kommune

Aufgrund der Ergebnisse der durchgeführten Bestands- und Situationsanalyse, der aktuellen Studienlage sowie den Vorschlägen der beteiligten Akteurinnen und Akteure gibt die Kinokonzeption sechs Handlungsempfehlungen für die Erhaltung und Weiterentwicklung von Kino- und Filmkultur in Heidelberg:

  1. Anerkennung von Film- und Kinokultur als kulturelle Orte der Demokratie und Teilhabe
  2. Einbettung von Film- und Kinokultur in Angebote, Maßnahmen und Förderprogramme in den städtischen Handlungsfeldern
  3. Kontinuierliche Fortschreibung der Kinokonzeption 
  4. Förderung der Professionalisierung von Personalstrukturen im Kommunalen Kino
  5. Mitgestaltung des digitalen Wandels der Kinos und Filmfestivals
  6. Stärkung der Vielfalt und Sichtbarkeit der Heidelberger Kino- und Filmkultur

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Im benachbarten Mannheim ist nach über 50 Jahren sogar ein Traditionshaus vom grassierenden Kinosterben betroffen. Traurig zu hören, warum das beliebte Cineplex auf den Planken schließen muss. (PM/pek)

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