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Extremisten planten Lauterbach-Entführung – „Wir gehen weiterhin davon aus, dass...“

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Von: Josefine Lenz

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Nach der geplanten Entführung zeigt sich Karl Lauterbach kämpferisch. Unterdessen schweigen die vier Beschuldigten in Untersuchungshaft.

Update vom 19. April: Bei Beschuldigten der kürzlich aufgeflogenen extremistischen Chatgruppe haben die Ermittler ein Sammelsurium an Waffen sowie eine SS-Uniform gefunden. Die vier in U-Haft sitzenden Männer hätten sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft am Dienstag. Ihnen werden die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und Verstöße gegen das Waffen- und Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen.

Entführung von Karl Lauterbach geplant: „Wir gehen weiterhin davon aus...“

Die Auswertung der sichergestellten Datenträger werde noch einige Zeit dauern. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) hatte von Rechtsterrorismus gesprochen.  Die Beschuldigten sollen in Deutschland Sprengstoffanschläge und die Entführung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) geplant haben. Damit hätten sie die Bevölkerung den Ermittlern zufolge in Angst und Schrecken versetzen und das angestrebte Chaos nutzen wollen, um die Macht in Deutschland zu übernehmen.

„Wir gehen weiterhin davon aus, dass es sich bei den beiden Hauptbeschuldigten aus Neustadt an der Weinstraße in Rheinland Pfalz und Falkensee (in Brandenburg) um die entscheidenden Planer und Organisatoren handelt“, sagte der Oberstaatsanwalt.

Karl Lauterbach nach Entführungs-Skandal: „Große Sorgen um meine Kinder“

Erstmeldung vom 17. April: Die Polizei macht eine Terror-Gruppe ausfindig, die mittels Sprengstoffanschlägen und Gewalttaten Deutschland ins Chaos stürzen wollte. Außerdem planten die Täter die Entführung des Gesundheitsministers Karl Lauterbach (59). Die Mitglieder der „Vereinten Patrioten“ werden der Querdenker- und Reichsbürgerszene zugeordnet.

NameKarl Wilhelm Lauterbach
Geboren21. Februar 1963 in Düren
ParteiSozialdemokratische Partei Deutschlands

Nach geplanter Entführung: Karl Lauterbach stuft radikale Querdenker als „hochgefährlich“ ein

Wenige Stunden nach dem Bekanntwerden der geplanten Entführung meldet sich Karl Lauterbach auf Twitter zu Wort. „Coronapolitik wird zunehmend durch Staatsfeinde missbraucht. Durch Gewalt soll Demokratie beschädigt werden. Danke an Ermittler und BKA, die mir halfen. Gegner und Befürworter meiner Arbeit will ich auch weiter zusammenführen. Aber Gewalt weiche ich nicht“, schreibt der Politiker, der immer wieder ins Visier von Querdenkern gerät.

Der amtierende Gesundheitsminister zeigt sich aber auch bestürzt wegen der geplanten Entführung. „Den Betroffenen geht es nicht um die Corona-Politik, sondern um eine Abrechnung mit dem Staat als solchem und das dürfen wir nicht zulassen“, sagt Lauterbach. Diese kleine Minderheit an Menschen sei „hochgefährlich“.

Karl Lauterbach erhält täglich Hassnachrichten und Morddrohungen

Am Mittwoch spricht Karl Lauterbach außerdem in einem Bild-Interview über die geplante Gewalttat gegen ihn. Der Gesundheitsminister erklärt, dass er tagtäglich die Bedrohung von Coronavirus-Leugnern spüre. Er habe Bodyguards und Zivilschützer um sich.

Normal mit Freunden essen gehen, ist für den umstrittenen Politiker nicht drin. „Ohne Personenschutz ist das leider unmöglich. Die meisten Menschen sind wohlwollend und freundlich. Wenige sind es aber keinesfalls. Sie sind zum Teil aggressiv. Es könnten mir auch Täter auflauern. Ich würde mich selbst gefährden, aber auch andere, mit denen ich essen gehe oder die zufällig in meiner Nähe sind“, so Lauterbach im Interview.

Geplante Entführung: Karl Lauterbach macht sich „große Sorgen“ um seine Kinder

Die Gefahr für andere macht dem Gesundheitsexperten besonders zu schaffen. „Ich bin selber kein ängstlicher Mensch. Ich habe aber große Sorgen um meine Kinder. Und es tut mir natürlich weh, dass meine Kinder Angst um mich haben. Es ist nicht richtig, wenn Kinder lesen müssen, dass Radikale ihren Vater entführen wollten“, sagt er weiter.

Karl Lauterbach bringe jede Gewalt- und Morddrohung zur Anzeige. Aktuell würden fast 100 Verfahren laufen, bei 65 Fällen seien die Identitäten der Täter bereits ermittelt. „Die Hasstäter wollen mir Angst machen, mich einschüchtern. Das lasse ich nicht zu. Im Gegenteil: Ich sorge dafür, dass sie das Gesetz fürchten müssen“, so Lauterbach.

Pressekonferenz zu Corona-Impfungen
Geplante Entführung: Karl Lauterbach macht sich „große Sorgen um meine Kinder“ © Bernd von Jutrczenka/dpa

Karl Lauterbach: Polizei schnappt Terror-Gruppe – Ermittlungen laufen seit Oktober

Der Gesundheitsminister macht im Gespräch deutlich, dass es den Querdenker nur nachgelagert um Corona gehe. Viel eher sei der Sturz des Staates das Ziel. „Diese Demokratie-Feinde plakatieren, dass Olaf Scholz und ich einen Überwachungsstaat wie in China einführen wollen. Teilweise werden Rentenkürzungen bei abweichendem Verhalten und Zwangsimplantaten von Überwachungschips herbeifantasiert. Auf so einen Unsinn muss man erst einmal kommen“, erklärt der 59-Jährige.

Gegen Lautersbachs Entführer wird bereits seit Oktober ermittelt. Insgesamt sollen 12 Personen daran beteiligt sein. Die Hauptverdächtigen sollen ein 55-Jähriger aus Neustadt an der Weinstraße und ein 54-Jähriger aus dem brandenburgischen Falkensee sein. Der Pfälzer ist bei der Vorbereitung einer Waffenübergabe festgenommen worden. (jol)

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