Prozessauftakt gegen Abdul D. in Landau

Bluttat in Kandel: Mias (†15) mutmaßlicher Mörder steht vor Gericht

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Ein Konvoi von Polizeifahrzeugen biegt in eine Einfahrt des Landgerichts ein. Dort beginnt der Mordprozess um die Messerattacke auf die 15-jährige Mia in Kandel.

Kandel/Landau - Das ganze Land schaut am Montag (18. Juni) auf das Landgericht in Landau. Dort sitzt der Ex-Freund von Mia auf der Anklagebank, der die 15-Jährige erstochen haben soll:

+++ UPDATE (11:40 Uhr): Kurz nach dem verspäteten Beginn wird die Verhandlung unterbrochen. Der Verteidiger von Abdul D., Maximillian Endler, möchte einen neuen Dolmetscher für seinen Mandanten. Der alte habe unzureichend übersetzt. Das Gericht stimmt dem Antrag zu. In absehbarer Zeit soll ein neuer Dolmetscher kommen. Sein Mandant wolle sich zur Sache äußern und bereue die tat sehr!

>>>Bluttat in Kandel: Mias (†15) mutmaßlicher Mörder im Knast verprügelt

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Rund ein halbes Jahr nach der heimtückischen Messerattacke auf Mia beginnt am Landgericht Landau der Prozess gegen den Hauptverdächtigen – ihren Ex-Freund. Der Flüchtling aus Afghanistan soll das Mädchen am 27. Dezember mitten in einem Drogeriemarkt erstochen haben! Die 15-Jährige erliegt kurze Zeit später ihren schweren Verletzungen.

Am Montagmorgen (18. Juni) beginnt der mit Spannung erwartete Prozess, um den es in den letzten Monaten viel Wirbel gibt. So ist das genaue Alter des Angeklagten unklar, da er sich als 15-Jähriger ausgibt. Ein Gutachten der Staatsanwaltschaft geht aber von einem Mindestalter von 17,5 Jahren und einem wahrscheinlichen Alter von 20 Jahren aus. 

Mias (†15) mutmaßlicher Mörder steht am Landgericht Landau vor Gericht.

Trotzdem hat das Gericht beschlossen, den Fall nach Jugendstrafrecht zu führen – also unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Für den Prozess sind noch zwölf weitere Verhandlungstermine bis Ende August festgesetzt. 

Um alle Beteiligten zu schützen, sind große Sicherheitsvorkehrungen geplant: „Es ist einer der aufsehenerregendsten Prozesse des ganzen Jahres in ganz Deutschland“, sagt Gerichtssprecher Robert Schelp dazu. 

Fotos vom Trauergottesdienst für Mia (†15)

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Tat eine Bestrafung sein sollte. Mia hat sich zuvor von dem Angeklagten getrennt. Am 15. Dezember erstattet sie sogar eine Anzeige gegen ihn – wegen Beleidigung, Nötigung, Bedrohung und Verletzung persönlicher Rechte. Zwei Tage später folgt eine Anzeige ihres Vaters.

Eine Tat und ihre Folgen

Das schreckliche Verbrechen an Mia hat eine bundesweite Diskussion über den Umgang mit Flüchtlingen ausgelöst – vor allem über die Altersfeststellung. Außerdem nutzen rechte Gruppierungen den Tod des jungen Mädchens aus, um in Kandel gegen die aktuelle Flüchtlingspolitik zu protestieren

3.000 Menschen demonstrieren in Kandel

Da auch zahlreiche Gegendemonstrationen stattfinden, kommt es regelmäßig zur Gewalt. Erst seit ein paar Wochen wird es ruhiger, weil immer weniger Demonstranten kommen. Für die Bürger ist das ganz gut, um mal etwas zur Ruhe zu kommen. Auch sie leiden unter den ständigen Demos, wollen keine „Nazis“ mehr in ihrer Stadt haben.

Das Plakat an einer Fensterscheibe in Kandel zeigt, dass die Bewohner die rechten Demonstrationen satt haben.

Parallelen zum Fall der getöteten Susanna (†14)

Ein Sprecher der Verbandsgemeindeverwaltung gibt die Emotionen der Bewohner wieder. Laut ihm bewege das Verfahren die Bürger gar nicht mal so sehr. Emotionen habe es aber zuletzt beim Fall der getöteten Susanna gegeben, der „gewisse Parallelen“ zu Mia aufweist. 

Laut Pfarrer Dembek wollen die meisten Bewohner, dass der Täter seiner gerechten Straße zugeführt werde. Dabei könne er keinen Rechtsruck wahrnehmen. Eher ein Gefühl der Ohnmacht und eine mehrheitliche Einstellung: „Lasst uns doch endlich mal in Ruhe.

>>> Alle Informationen rund um die Bluttat in Kandel gibt es auf unserer Themenseite

dpa/dh

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