Nach Messerattacke auf Mia (†15)

„Ich hoffe, dass Kandel zur Ruhe kommt“: Bürgermeister über Demo-Stopp

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Bürgermeister Volker Poß hofft auf eine Verschnaufpause für die Bürger von Kandel.

Kandel - Mehr als ein Jahr nach dem tödlichen Messerangriff auf eine 15-jährige Schülerin in Kandel werden die umstrittenen allmonatlichen Demonstrationen in der südpfälzischen Stadt beendet.

Update, 5. Februar 2019: Der wegen Mordes an seiner Ex-Freundin verurteilte Abdul D. muss wegen eines Handgemenges während des Prozesses nicht nochmal vor Gericht. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilt, habe das Gericht die Ermittlungen endgültig eingestellt.

„Ich hoffe, dass Kandel zur Ruhe kommt“: Bürgermeister über Demo-Stopp

Update, 25. Januar: Nach mehr als 60 Kundgebungen ist nun erstmal Schluss mit Demonstrationen in Kandel. Bürgermeister Volker Poß sieht diese Pause als Erleichterung. „Ich hoffe, dass Kandel nun etwas zur Ruhe kommt“, erklärt Poß. Die Menschen bräuchten dringend eine Verschnaufpause!

Die Gemeinde sei zudem dankbar über die Unterstützung von Politikern, wie zum Beispiel Kurt Beck. „Das ist ein wichtiges Zeichen, dass wir nicht allein sind“, meint Poß.

In Kandel solle es aber auch weiter Aktionen im kleinen Rahmen geben, erklärt Marco Kurz von der Gruppe „Frauenbündnis Kandel“. Sollte es durch den Ortswechsel nach Wörth aber weniger Teilnehmer geben, wolle das Bündnis ganz aufhören zu demonstrieren.

Die Linken in Rheinland-Pfalz rufen dazu auf, auch in Wörth gegen das Frauenbündnis auf die Straße zu gehen. „Denn Rassismus und Menschenfeindlichkeit sind zwar aus dem Ort, aber nicht aus der Welt“, sagt die Vorsitzende Katrin Werner. 

+++ UPDATE 23. Januar: 

„In Kandel gibt es jetzt erstmal keine Demo mehr“, sagte der Wortführer der oft als rechtspopulistisch kritisierten Gruppe „Frauenbündnis Kandel“, Marco Kurz, in einem auf Facebook veröffentlichten Video. 

Als Grund nannte er eine große, länger andauernde Baustelle im Zentrum von Kandel, die die Proteste erschwere. Die nächste Kundgebung des Bündnisses sei nun für den 2. Februar im benachbarten Wörth geplant. 

Es werde aber auch in Kandel weiter Aktionen im kleineren Rahmen geben. An der bisher letzten Kundgebung der Gruppe hatten der Polizei zufolge rund 200 Menschen teilgenommen. Parallel zu diesen Demonstrationen hatten in dem Ort mit rund 9.500 Einwohnern oft Gegenveranstaltungen linksgerichteter und bürgerlicher Organisationen stattgefunden. 

Viele Bewohner der Gemeinde haben wiederholt ein Ende der polarisierenden Kundgebungen gefordert. 

+++ Hintergrund der Demonstrationen 

Seit dem 27. Dezember 2017 ist der rheinland-pfälzische Ort Kandel nicht mehr der selbe. Damals wird die gerade einmal 15-jährige Mia von ihrem Ex-Freund Abdul D. in einem Drogeriemarkt niedergestochen. Nach einem hochbrisanten Prozess wird Abdul D. neun Monate später wegen Mordes und Körperverletzung zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Richterspruch ist rechtskräftig.

Die gesamte Zeit über finden regelmäßig Demonstrationen in Kandel statt, bei denen es immer wieder zu Angriffen und Provokationen der Beteiligten kommt. 

Fotos vom Trauergottesdienst für Mia (†15)

Kurt Beck will Zusammenhalt gegen Rechts

Auch am Samstag (12. Januar) finden vier Kundgebungen statt, die zwischen 35 und 200 Teilnehmern groß sind. Die Demos verlaufen weitgehend friedlich, mit Ausnahme von etwa 20 Personen, die im Bereich der Robert-Koch-Straße eine Absperrung der Polizei durchbrechen wollen. Die Beamten müssen Schlagstöcke und Pfefferspray einsetzen, um das zu verhindern.

>>> Alles zur Bluttat in Kandel findest Du auf unserer Themenseite

Im Rahmen der aktuellen Kundgebungen hat der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck zu mehr Unterstützung gegen den „Spuk von Rechts“ gefordert! Er wolle zeigen, dass die Kräfte für Demokratie und Freiheit stärker seien. Dafür nimmt er am Samstag selbst an einer Veranstaltung teil.

Die Menschen in Kandel ermüden natürlich allmählich. Aber ich spüre auch die Entschlossenheit, zu sagen: Wir lassen uns nicht in die Lethargie hineintreiben“, betont Beck. „Das sind starke Leute, die sich nicht beeindrucken lassen. Wir sollten sie nicht allein lassen.“ Die Einwohner klagen darüber, dass der 9.000-Einwohner-Ort als Aufmarschgebiet rechter und linker Gruppen missbraucht werde.

400 Menschen bei Schweigemarsch für getötetes Mädchen (†15)

Genau ein Jahr nach der Tat trauert der Ort gemeinsam bei Gottesdienst. Auch an diesem Tag gibt es eine Demonstration – gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung!

dpa/dh

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