Flüchtling ersticht Mia (†15)

Bluttat in Kandel: Hohe Sicherheitsvorkehrungen bei Mord-Prozess

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Prozessauftakt im Mordfall Mia am 18. Juni (Symbolfoto)

Kandel - Fast ein halbes Jahr nach dem gewaltsamen Tod der 15-jährigen Mia in Kandel kommt der Fall vor Gericht. Angeklagt ist ihr Ex-Freund, ein Flüchtling aus Afghanistan.

Mia hat keine Chance. Sieben Stiche treffen die 15-Jährige in einem Drogeriemarkt im südpfälzischen Kandel. Einer erreicht das Herz und ist tödlich. 

Am Montag (18. Juni) beginnt vor dem Landgericht Landau – hinter verschlossenen Türen – der Mordprozess gegen den jungen Flüchtling, der die Bluttat am 27. Dezember 2017 verübt hat. 

Das Verbrechen zerstört nicht nur das Leben von Mias Familie, sondern löst erneut eine intensive Debatte über den Umgang mit Flüchtlingen aus – und beschert dem Ort eine Welle von Demonstrationen rechtspopulistischer Gruppierungen. Denn der mutmaßliche Täter ist ein Flüchtling aus Afghanistan, dem das Mädchen einige Wochen zuvor den Laufpass gegeben hat.

3.000 Menschen demonstrieren in Kandel

Hohe Sicherheitsvorkehrungen beim Prozess

Zumindest für Landau wird das Verfahren ein Prozess der Superlative, mit großen Sicherheitsvorkehrungen, die den Beschuldigten, die Prozessteilnehmer und das Gericht schützen sollen. „Es ist einer der aufsehenerregendsten Prozesse des ganzen Jahres in ganz Deutschland“, sagt Gerichtssprecher Robert Schelp. Der Kandeler Fall sticht heraus, weil rechtspopulistische Gruppen die Tat zum Anlass nehmen, um in der 9.000-Einwohner-Stadt regelmäßig gegen die Asylpolitik der Bundesregierung zu protestieren. Auch Gegendemonstranten kommen, große Polizeiaufgebote sichern die Veranstaltungen, die zunächst Tausende anziehen und dann immer kleiner werden. 

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Die schreckliche Tat

Gewisse Alarmzeichen hatte es schon vor Mias Tod gegeben. Sie trennt sich Anfang Dezember von dem Jugendlichen, der zuvor wegen einer Körperverletzung bei einem Schulhofstreit aufgefallen war. Nach Darstellung der Ermittler dauert die Beziehung mehrere Monate. Der Verdächtige sucht weiter Kontakt, was aber nicht gut ankommt. Am 15. Dezember erstattet Mia Anzeige gegen den Ex-Freund wegen Beleidigung, Nötigung, Bedrohung und Verletzung persönlicher Rechte. Zwei Tage später folgt eine Anzeige des Vaters.

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Es ist die Rede davon, dass der Ex-Freund ehrverletzende Bilder des Mädchens anderen zugänglich gemacht und gedroht haben soll, es am Bahnhof „abzupassen". Noch kurz vor der Bluttat soll dem jungen Mann von Polizeibeamten eine Vorladung überbracht worden sein.

Das Grab der getöteten Mia (†15) auf dem Friedhof im Kandel 

Am Tattag soll er Mia und zwei Begleitern in einen Supermarkt gefolgt sein und dort das Messer gekauft haben. Danach, so die Ermittler, folgt er dem Mädchen in den Drogeriemarkt, geht auf es zu und sticht unvermittelt mehrfach zu – getrieben von übersteigerter Eifersucht und Rache. Das Opfer habe keine Chance gehabt, sich zu wehren. 

Der junge Mann, dem Mord zur Last gelegt wird, gibt sein Alter mit 15 Jahren an – was bald bezweifelt wird.  Ein Gutachten der Staatsanwaltschaft ergibt, dass er zur Tatzeit mindestens 17 Jahre und sechs Monate alt ist, wahrscheinlich aber schon 20. 

Da ein Zusatzgutachten die Zweifel nicht ausräumen können, geht das Landgericht in Anwendung des Zweifelsgrundsatzes davon aus, dass er zur Tatzeit das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat. Bei Angeklagten zwischen 14 und 17 Jahren gilt Jugendstrafrecht. Deshalb wird der Prozess vor der Jugendkammer des Landgerichts geführt - ohne Publikum. 

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Wie geht es den Menschen in Kandel vor Prozessbeginn?

Das Verfahren an sich bewege die Bürger gar nicht mal so sehr, sagt ein Sprecher der Verbandsgemeindeverwaltung. Für Emotionen habe aber der Tod der 14-jährigen Susanna aus Mainz gesorgt, weil es „gewisse Parallelen“ gebe. Ein Flüchtling aus dem Irak hat diese Tat gestanden. 

An einem Fenster in Kandel hängt ein Plakat auf dem steht „Unsre Stadt hat Nazis satt!"

Den Menschen in Kandel gehe es um Grundsätzliches in der Asylpolitik und darum, dass die Demonstrationen aufhörten, die für die Kommune mit großem Aufwand und für den Handel mit Einbußen verbunden seien. 

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dpa (Jasper Rothfels)/kab

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