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Kommt der Impfzwang? Ärzte-Präsident fordert „vertretbare Diskriminierung“ 

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Von: Eliran Kendi

Corona-Impfung: In Deutschland soll es keine Impfpflicht geben. Werden notorische Impfgegner zukünftig dennoch durch gezielte Einschränkungen diskriminiert?

Direkt nach den Weihnachtsfeiertagen soll es los gehen: Pünktlich zum 27. Dezember werden dann die ersten Impfungen gegen das Coronavirus in Deutschland verabreicht. Eigens hierfür werden derzeit im ganzen Land Impfzentren eingerichtet – so auch in Baden-Württemberg.  Zudem sollen mobile Impfteams Menschen zum Beispiel in Alten- und Pflegeheimen versorgen. „Wirst du dich gegen Corona impfen lassen?“ Bereits vor der offiziellen Zulassung des Corona-Impfstoffs ist diese Frage zum allgegenwärtigen Gesprächsthema geworden. Damit sich die Bundesrepublik aus der Corona-Krise befreien kann, müssen sich knapp zwei Drittel der Deutschen mit dem Impfstoff gegen Corona schützen. Aber was tun, wenn sich zu viele der Spritze verweigern wollen?

KrankheitCoronavirus
ÜbertragungTröpfcheninfektion
KrankheitsverlaufIn 80 Prozent der Fälle verläuft Corona mit leichten oder mittelschweren Symptomen

Corona-Impfstoff: Zu wenige Menschen wollen sich impfen lassen

In einer Umfrage der Universität Erfurt haben lediglich die Hälfte der 1000 Befragten angegeben sich (eher) gegen Covid-19 impfen lassen zu wollen.

Auch aus einer repräsentativen Befragung der Barmer-Krankenkasse mit 2000 Teilnehmern geht hervor, das nur 48 Prozent eine generelle Impfbereitschaft an den Tag legen.

Selbst bei einem perfekt wirksamen Impfstoff würde das aber nicht ausreichen, um das Virus zu stoppen!

Corona: Kein Impfzwang seitens der Politik - Kretschmann zeigt Verständnis für Skeptiker

Trotz dieser ernüchternden Zahlen verspricht die Politik, dass es keinen Impfzwang geben wird. Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält auch nichts von Privilegien und Belohnungen für die Menschen, die sich impfen lassen wollen. „Eine Impflicht durch die Hintertür ist nicht geplant“, betont der Grünen-Politiker gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

In der Demokratie gebe es nur den Weg der Überzeugung. Er wolle deshalb mit Nachdruck für das Impfen werben. „Mehr ist erstmal nicht geplant.“

Er könne verstehen, dass einige Menschen unsicher seien, sagt Kretschmann. „Wir haben ja bisher keine Erfahrung mit dem Impfstoff gegen Corona.“ Aber grundsätzlich seien Impfstoffe die mit am besten geprüften Medikamente. „Wir haben die Aufgabe, die Bevölkerung gut aufzuklären,“ ergänzt der Ministerpräsident.

Corona: Verschwörungserzählung über Impfstoff „schlichtweg abwegig“

Aber wie sollen Corona-Skeptiker bei einem hochemotionalen Thema überzeugt werden in einer Zeit, in der Corona-Leugner Falschnachrichten verbreiten und die Langzeitfolgen des Wirkstoffes noch nicht absehbar sind?

Kretschmann weist Gerüchte über die Impfstoffe vehement zurück. „Was da rumgeistert, dass der Impfstoff das Erbgut verändern könne – das ist schlichtweg abwegig und gar nicht möglich.“

Der Regierungschef macht sich auch wenig Sorgen wegen Corona-Leugnern, die sich partout nicht impfen lassen wollen. „Die, die das Virus für ungefährlich halten, sind eine kleine Minderheit. Die zu überzeugen, ist fast unmöglich. Die sind aber auch nicht das Problem“, sagt er und fügt hinzu: „Um bei der Virusbekämpfung Erfolg zu haben, brauchen wir eine Impfquote von 60 bis 70 und nicht 97 Prozent.“

Corona-Impfung: Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg ist zuversichtlich

Der Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg, Wolfgang Miller, ist zuversichtlich, dass sich genug Menschen im Land impfen lassen werden – umso mehr, wenn die Älteren den Wirkstoff erstmal ohne größere Nebenwirkungen vertragen.

Wir würden nicht mit den Älteren anfangen, wenn wir nicht überzeugt wären, dass der Impfstoff sicher ist“, so Miller.

Manne Lucha (Bündnis 90/Die Grünen, l), Sozialminister Baden-Württemberg, lässt sich im Messezentrum von Notfallsanitäterin Dorothea Gansloser im Beisein von Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen, r), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, und Thomas Strobl (CDU, M), Innenminister von Baden-Württemberg, den Ablauf einer Impfung demonstrieren. Das Deutsche Rote Kreuz probte den Ablauf zur Impfung eines Corona-Impfstoffs in dem neben weiteren für das Land Baden-Württemberg geplanten Impfzentren. In Ulm sollen pro Stunde bis zu 120 Menschen geimpft werden können. (zu dpa: «Spritze gegen das Virus - Landesregierung stellt Impfkonzept vor») | Archiv
Manne Lucha (Grüne, )Sozialminister Baden-Württemberg, im Probe-Impfzentrum in Ulm. © Stefan Puchner/dpa - Bildfunk

Nach dem Start in den Impfzentren sollen die Corona-Impfungen dann dezentral weitergehen – Miller erwartet sich einen regelrechten Impfschub durch die Hausärzte, die den Menschen dann Sorgen und Bedenken nehmen könnten.

Corona-Impfung: Privilegien für Geimpfte als Druckmittel gegen Verweigerer

Sollten sich aber am Ende dennoch nicht genug Impfbereite finden, hält der Ärztekammer-Präsident auch Privilegien etwa bei der Freizügigkeit für ein angemessenes Lock- und Druckmittel. „Dann kann ich nur nach Mallorca reisen, wenn ich geimpft bin“, sagt er.

„Das wäre eine vertretbare Diskriminierung.“ 

Wolfgang Miller, Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg

So benötige man etwa bereits den Nachweis einer Gelbfieber-Impfung für die Einreise in manche Länder. An anderer Stelle wird darüber diskutiert, ob die Corona-Impfung zum Freifahrtschein für Partys, Restaurants und Co. werden soll.

Corona-Impfung: Wie mit Impfverweigerern umgehen?

Es wird große Unterschiede in der Bevölkerung geben“, prognostiziert Kai Sonntag, der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg. Die Impfbereitschaft werde auch davon abhängen, wie gut die Impfungen organisatorisch anlaufen und wie die Geimpften in ihrem Umfeld davon berichten. „Es hängt viel davon ab, wie die Menschen darüber sprechen“, sagt Sonntag.

Erstmal sei wichtig, dass die, die bereit dazu seien, möglichst schnell geimpft werden. Wie man dann mit den Impfverweigerern umgehe, müsse man sehen. Gegebenenfalls werde man weitere Maßnahmen ergreifen müssen, meint Sonntag.

Corona-Impfung – Kretschmann: Pandemie lasse sich nur durch Impfen besiegen

Am Ende lasse sich die Corona-Pandemie nur durch Impfen besiegen, sagt Kretschmann - und warnt: „Die Alternative wäre eine Durchseuchung der Bevölkerung, das würde viele Jahre dauern und wäre mit Hunderttausenden Toten und mit schweren Erkrankungen zu bezahlen.“

Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen).
Winfried Kretschmann: Corona-Impfung für Bekämpfung der Pandemie alternativlos (Archivbild). © Sebastian Gollnow/dpa

Viele Menschen werden sich seiner Meinung nach allein deshalb schon impfen lassen, damit sie in einen normalen Alltag ohne Einschränkungen zurückkehren können.

Er selbst wolle sich natürlich auch impfen lassen, kündigt der 72-Jährige an. „Und zwar wenn ich an der Reihe bin.“ Zuerst kämen andere Gruppen dran, etwa Ältere und Pflegepersonal.

Ein Medikament gegen Corona mit Vorteilen gegenüber der Impfung? Klingt zu schön, um wahr zu sein – doch genau daran arbeiten derzeit britische Forscher. (dpa/esk)

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