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Rheinland-Pfalz: Impfung und Masken als falsche Lehre – Querdenker gründet „Freikirche“

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Von: Daniel Hagen

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Ein Querdenker aus Annweiler hat eine „Freikirche“ gegründet, die Masken und Impfungen ablehnt.
Ein Querdenker aus Annweiler hat eine „Freikirche“ gegründet, die Masken und Impfungen ablehnt. © Screenshot/Facebook/Demokratische Freikirche

Rheinland-Pfalz - Ablehnung von Masken und Impfungen als Religion? Das gibt es mittlerweile in der „Demokratischen Freikirche“, die auf den Grundsätzen der Querdenker aufgebaut ist.

„Wir verwerfen die falsche Lehre, als müsse man zwangsweise mit Giftstoffen den Körper zur Gegenwehr gegen Krankheit verändern. Wir verwerfen die falsche Lehre, es sei Nächstenliebe, Menschen ohne Giftinjektion auszugrenzen und zum Gespött der Leute, zur Gefahr für den Staat oder zum Antichristen zu erklären.“ Das sind nur ein paar Erklärungen, die man auf der Seite der Bernward-Gemeinde Westmarsch in Ostfriesland findet. Diese religiöse Vereinigung ist Teil der „Demokratischen Freikirche“, die am 29. November 2021 im rheinland-pfälzischen Annweiler gegründet wurde. Der „Glaube“ der sogenannten Kirche weist starke Übereinstimmungen mit der Querdenker-Bewegung auf – was kein Zufall ist.

NameAnnweiler am Trifels
BundeslandRheinland-Pfalz
Bevölkerung7085 (31. Dez. 2020)
StadtbürgermeisterBenjamin Seyfried (Unabhängig)

Rheinland-Pfalz: Mann aus Annweiler gründet „Demokratische Freikirche“

Tobias Fink ist Vorstandsvorsitzender und Gründer der „Demokratischen Freikirche“. In den sozialen Medien tritt er in der Vergangenheit im Pullover mit Querdenken-Logo auf. Passend dazu macht die Religionsgemeinschaft auch oft Werbung auf Telegram für „Spaziergänge“ in ihrer Region. Auf dem Kanal werden zudem Verschwörungsmythen über die Corona-Pandemie geteilt, die Impfung als „Todesspritze“ und der Mund-Nasen-Schutz als „Satans-Lappen“ bezeichnet. Also alles, wie es auf anderen Kanälen von Querdenkern und Verschwörungsideologen auch zu finden ist. Nur eben mit dem Unterschied, dass sich hier auf Gott und die Bibel bezogen wird.

So wird auf Telegram davor gewarnt, dass Bill Gates plane, den Menschen über die Impfung einen Mikrochip zu implantieren. Dabei handele es sich um das satanische „Malzeichen des Tieres“. Und wer am Ende ein paar Zahlen zusammenzählt, kommt mal wieder bei der Zahl des Teufels heraus – 666. Aufgrund dieser Zahl hält Xavier Naidoo die Bewegung „Fridays for Future“ übrigens ebenfalls für satanisch. Stattdessen habe Jesus uns gelehrt, dass man durch Berührung, Zuhören und Umarmung heilen kann. Daher sei es eine „falsche Lehre“, wenn man kranke Menschen von anderen absondere. Der Weg zur Heilung bestehe aus „Liebe, Meditation, Gebet, Vertrauen in Gott und den nächsten Menschen.“

„Demokratische Freikirche“: Diese Personen stehen hinter der Glaubensgemeinschaft

Doch wer steht eigentlich genau hinter der „Demokratischen Freikirche“? Der bereits erwähnte Tobias Fink war Besitzer des Restaurants Reiwerle in Annweiler, bis er es mit Einführung von 2G schloss. Als Begründung gab er an, niemanden ausgrenzen zu wollen. Kurz darauf machen Verschwörungsideologen wie Bodo Schiffmann – der bereits ein Gast des Betriebs gewesen sein soll – auf eine Spendenaktion für Fink und seine Familie aufmerksam. Der Mediziner hat mittlerweile übrigens fast 700.000 Euro Spenden-Gelder für die Flutopfer an einen esoterischen Verein weitergegeben.

Bernward Boden ist Kriminalbeamter im Ruhestand und war in den 1990ern Mitglied der „Bundesarbeitsgemeinschaft kritischer Polizistinnen und Polizisten“. Diese hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Missstände in der Polizei aufzuzeigen und zwischen Beamten und Bürgern zu vermitteln. Heute spricht er davon, dass Abstand und Maskentragen „demütigende Vorgänge“ seien und Polizei, Staatsanwaltschaft und Justiz das Grundgesetz missachten. Zudem seien die Kirche durch „satanische Kreise“ beherrscht und alle Medien gekauft. Wie groß die „Demokratische Freikirche“ ist und ob die Mitglieder auch der Querdenker-Bewegung angehören, lässt sich nicht sagen. Auf Telegram hat der Kanal immerhin fast 3.800 Abonnenten. Die Gespräche auf Twitch werden hingegen von weitaus weniger Menschen angeschaut. (dh)

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