1. Mannheim24
  2. Region

Mord in Idar-Oberstein: Ekel-Kommentare auf Telegram – „Eine Zecke weniger“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Daniel Hagen

Attila Hildmann wittert eine Verschwörung hinter dem Mord in Idar-Oberstein. (Fotomontage)
Attila Hildmann wittert eine Verschwörung hinter dem Mord in Idar-Oberstein. (Fotomontage) © Christian Schulz/Carsten Koall/dpa

Idar-Oberstein - Ein Tankstellen-Kunde soll einen Kassierer nach Hinweis auf die Maskenpflicht ermordet haben. Jetzt bezeichnen Verschwörungsideologen wie Attila Hildmann die Tat als „inszeniert“:

Ein grausamer Mord erschüttert seit Samstag (18. September) die ganze Republik. Im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein erschießt ein 49-Jähriger einen Tankstellen-Kassierer. Später gibt die Staatsanwaltschaft das Motiv für die Tat bekannt. Der Beschuldigte sei so sehr über die Maskenpflicht verärgert gewesen, dass er keinen anderen Ausweg mehr gesehen habe, als ein „Zeichen“ zu setzen – und zwar den Tod eines 20-Jährigen, der ihn aufgrund seiner vergessenen Maske ermahnte.

Nach der Bluttat von Idar-Oberstein wird im ganzen Land über Radikalisierung und Terror durch Querdenker und Verschwörungsideologen diskutiert. Auf Twitter trendet der #QuerdenkerSindTerroristen, unter dem vor allem darüber gesprochen wird, wie gefährlich Maskenverweigerer sind, die von der „Merkel-Diktatur“ oder einer „Plandemie“ reden. Ob der mutmaßliche Mörder wirklich der Querdenker-Szene angehört oder bislang durch das Verbreiten von Verschwörungsmythen aufgefallen ist, ist allerdings bisher nicht bekannt.

NameIdar-Oberstein
BundeslandRheinland-Pfalz
Bevölkerung31.082 (31. Dez. 2008)
OberbürgermeisterFrank Frühauf (CDU)

Nach Tankstellen-Mord in Idar-Oberstein: Widerliche Kommentare auf Telegram

Während es auf Twitter um die Gefahren von Rechts- und Linksextremismus geht, nimmt die Diskussion auf der Plattform Telegram komplett andere Züge an. So wird der mutmaßliche Täter von vielen Leuten für seine Tat gefeiert. „An Corona stirbt er wenigstens nicht mehr“, „Eine Zecke weniger“, „Wenns die richtigen trifft, hab ich nichts dagegen“ oder „Wenn die Regierung jetzt nicht zurückrudert, wird es noch mehr Tote geben“ sind nur ein paar der widerlichen Beiträge, die man dort findet.

Auf Telegram werden Fake-News über die Tat in Idar-Oberstein geteilt. © Screenshot Telegram

In anderen Telegram-Chats, zum Beispiel dem von Bodo Schiffmann, wird die Tat sogar komplett anders dargestellt. Dort wird der Mord als eine False Flag Aktion bezeichnet – also eine inszenierte Tat, die einer anderen Gruppe in die Schuhe geschoben werden soll. „Eine Inszenierung...ganz klar, damit die Gegner auf die Terrorliste kommen“ oder „Inszeniert um unsere Gefährlichkeit zu propagieren“, vermuten zwei User. Ein anderer vergleicht die Tat mit dem Reichstagssturm während einer Querdenker-Demo, der angeblich von der Antifa gesteuert gewesen sein soll. Mehr als Spekulationen bringen die Telegram-Nutzer aber nicht vor – wie so oft in der Szene der Verschwörer.

Tankstellen-Mord in Idar-Oberstein: Auch Attila Hildmann kommentiert Tat

Besonders ein bekannter Kopf der Verschwörer-Szene hat sich auf den Mord in Idar-Oberstein eingeschossen. Attila Hildmann, dessen Kanäle vor kurzem von der Gruppe Anonymous übernommen und teilweise gelöscht worden sind, bringt auf seinem neuen Telegram-Kanal gleich mehrere „Beweise“, dass es sich um eine False Flag Aktion handelt soll. Diese seien laut Hildmann vom „Fake-BND“ und dem israelischen Mossad geplant worden.

Bewaffneter erschießt Angestellten einer Tankstelle
In einer Tankstelle in Idar-Oberstein wird ein Mann ermordet. © Christian Schulz/dpa

„FAKE! Ziele: 1. Maskenverweigerer als Gewalttäter darstellen 2. Waffengesetze ändern, Beobachtung ausweiten“, schreibt Hildmann dazu. Weiterhin stellt der vegane Buchautor, der aufgrund eines Haftbefehls in die Türkei geflohen ist, die Frage, ob überhaupt jemand den Täter, das Opfer oder „die Tanke“ kenne. Übrigens: Auch der Mordverdächtige hat schockierende Aussagen auf Twitter getroffen.

Im vergangenen Jahr gab es immer wieder offensichtliche Gewaltbereitschaft aus den Reihen der Querdenker. Vor allem bei Demonstrationen kam es zu Angriffen auf Polizisten und Journalisten. Das führte am Ende sogar dazu, dass die Pressefreiheit in der Bundesrepublik durch Reporter ohne Grenzen nur noch als „zufriedenstellend“ eingestuft wird, weil Pressevertreter offen attackiert wurden. (dh)

Auch interessant

Kommentare