Mitarbeiter sterben durch „inneres Ersticken“

Mülldeponie-Unglück mit zwei Toten in Heßheim: Ursache steht fest! 

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Unglück auf der Mülldeponie Heßheim

Heßheim - Nach dem tödlichen Unfall auf einer Mülldeponie im August 2018 steht nun die Ursache fest. Die genauen Untersuchungsergebnisse: 

Update vom 27. März 2019: Nach den bisherigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankenthal wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung steht jetzt die Ursache des Mülldeponie-Unglücks in Heßheim mit zwei Toten fest: Beim Umfüllen des Inhaltes eines 60-Liter-Kanisters in einen 1.000-Liter fassenden Intermediate Bulk Container (kurz: IBC) kam es zu einer chemischen Reaktion, bei der stark toxischer Schwefelwasserstoff freigesetzt wurde.

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Der Restinhalt des 60-Liter-Kanisters sowie der Inhalt des IBC wurden sowohl von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in Berlin, als auch vom Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz untersucht. Beide Untersuchungsstellen gelangen in allen wesentlichen Punkten zu übereinstimmenden Untersuchungsergebnissen.

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Mülldeponie-Unglück in Heßheim: Kanister falsch beschriftet

Demzufolge handelte es sich beim Inhalt des 60-Liter-Kanisters um Abfälle aus der Bestimmung des chemischen Sauerstoffbedarfs (CSB-Abfälle), also um stark schwefelsaure anorganische Lösungen. Auf dem Kanister war die zutreffende abfallrechtliche Bezeichnung angebracht.

Nach dem Ergebnis der Untersuchungen enthielt der IBC entgegen seiner abfallrechtlichen Deklarierung als Säure nach dem Einfüllen eines erheblichen Teils des 60-Liter-Kanisters eine Flüssigkeit im pH-Wert-neutralen Bereich

Daraus haben beide Untersuchungsstellen den Schluss gezogen, dass sich in dem IBC vor dem Zugeben eines Teils des sauren Inhaltes des 60-Liter-Kanisters eine deutlich basische Flüssigkeit befunden haben muss. 

Beim Einfüllen der Säure aus dem 60-Liter-Kanister in eine basische Flüssigkeit im IBC sei es dann erwartungsgemäß zu einer starken Wärmeentwicklung gekommen, die zum Aufkochen der Flüssigkeit und zum Überlaufen des IBC geführt haben könne. Zugleich sei durch die Reaktion mit weiteren Inhaltsstoffen der basischen Flüssigkeit Schwefelwasserstoff freigesetzt worden, welcher gasförmig entwichen sei.

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Zwei Menschen sterben durch „inneres Ersticken“

Die beiden mit dem Umfüllen befassten Mitarbeiter sind infolge des Einatmens des Schwefelwasserstoffs, der in die Atmungskette innerhalb der Körperzellen eingreift und bereits in außerordentlich niedrigen Konzentrationen zu einem „inneren Ersticken“ führt, verstorben.

In der Vergangenheit wurden insgesamt 8 Objekte von 6 Firmen in 3 Bundesländern durchsucht, um den Weg sowie den genauen ursprünglichen Inhalt des falsch deklarierten IBC zu rekonstruieren. Die vollständige Auswertung der umfangreichen Dokumente und Unterlagen, die bei den Durchsuchungen sichergestellt wurden, wird noch geraume Zeit in Anspruch nehmen.

Der Unglücks-IBC, der als zentrales Beweismittel kurze Zeit nach dem Unfall beschlagnahmt und in einem gesicherten Bereich auf dem Gelände der Firma Süd-Müll GmbH & Co. KG für Abfalltransporte und Sonderabfallbeseitigung abgestellt worden war, ist – nach Klärung komplexer sicherheitsrechtlicher, abfallrechtlicher und transportrechtlicher Fragen – mittlerweile vom Betriebsgelände der Firma Süd-Müll GmbH & Co. KG für Abfalltransporte und Sonderabfallbeseitigung verbracht worden. Er wird im Hinblick auf eine Beweisführung in einem etwaigen Strafverfahren an anderer Stelle weiterhin sicher gelagert. Die Ermittlungen dauern an.

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Meldung vom 20. September 2018: Hat Fahrlässigkeit zum Mülldeponie-Unglück geführt?

Update vom 20. September: Vor fast einem Monat ereignete sich das Unglück auf einer Mülldeponie in Heßheim, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen

Weiterhin sind viele Fragen offen und die Ermittlungen laufen noch auf Hochtouren. Bei Durchsuchungen in einem Chemiebetrieb in Worms und beim Deponiebetreiber seien Gegenstände sichergestellt worden, die noch ausgewertet werden müssen, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankenthal. Was die Ermittler gefunden haben, will er nicht sagen. „Wir ermitteln gegen Unbekannt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung in zwei Fällen." 

Es müsse außerdem noch abschließend geklärt werden, welche Stoffe aus dem 60-Liter-Fass austraten. Ein Schnelltest ergab, dass es sich um Blausäure und Schwefelwasserstoff handelt. Allerdings ist das Ergebnis laut Staatsanwaltschaft nur vorläufig und nicht belastbar. Erst nach Beendigung der Prüfungen könne gefragt werden, „ob es falsch beschriftet war oder ob etwas Unzulässiges eingefüllt wurde", so der Sprecher. 

Außerdem steht in dem Fall ein Gutachten aus. Was und in welchem Umfang dabei geprüft werden soll, erarbeitet derzeit die Struktur und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd. Auftraggeber sei der Deponiebetreiber.

dpa/jol

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