Jakobskirche

Externe Fachleute sollen über ‚Hitler-Glocke‘ beraten

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Die Diskussion um den Verbleib der ‚Hitler-Glocke‘ findet noch zu keinem Ende. 

Herxheim - Es ist ein ewiges Hin und Her. Nachdem alle betroffenen Parteien bereits ellenlang über den Verbleib der Glocke diskutiert haben, beruft die Kirche einen externen Rat ein:

Der Klangkörper, der alle Viertelstunde im Turm der Jakobskirche schlägt, trägt ein Hakenkreuz und die Aufschrift „Alles fuer's Vaterland Adolf Hitler. In einem Zeitungsartikel hatte eine pensionierte Lehrerin kritisiert, dass er immer noch genutzt wird, aber nichts auf seine Geschichte hinweist. 

Die Leitung der Kirchengemeinde will nun von 13 externen Fachleuten hören, welchen Umgang sie mit der Glocke für angemessen halten. 

Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Glocke auch nach einer Empfehlung des Rates im Turm bleibt - und weiter läutet. Die Glockensachverständige Birgit Müller hat sich bereits dafür ausgesprochen, die unter Denkmalschutz stehende Glocke als Mahnmal einzustufen - und sie nicht abzustellen.

Auch die rheinland-pfälzische Landeskonservatorin Roswitha Kaiser ist dafür, die Glocke im Turm der Kirche zu lassen und sie weiterhin zu benutzen - als mahnendes Andenken an etwas, „was man lieber vergessen möchte“. Kaiser leitet die Direktion Landesdenkmalpflege der Generaldirektion Kulturelles Erbe.

Die Frage ist auch, ob künftig eine Tafel in oder an der Kirche über die Geschichte der Glocke aufklären soll. Auch darüber wird laut Bürgermeister Becker am Montag im Gemeinderat abgestimmt. „Ich glaube, dass es dafür eine Mehrheit gibt“, sagt er. „Aber wo und wie, das wird noch groß diskutiert.

Historischer Hintergrund

Die 240 Kilo schwere Bronzeglocke war 1934 in die Kirche gekommen, die zuvor bei einem Brand beschädigt worden war. Die sogenannte Polizeiglocke gehört der Ortsgemeinde und sollte bei Feuer- und später bei Fliegeralarm warnen. 

Mit ihr kamen zwei größere Glocken in den Turm der Kirche. Sie waren im Eigentum der Kirchengemeinde und wurden 1942, als alles verfügbare Material für den Zweiten Weltkrieg gebraucht wurde, eingeschmolzen. 

Die kleinste, die am wenigsten Bronze hatte, blieb als „Notglocke“ hängen. 1951 wurden zwei neue Kirchenglocken installiert und das Geläut wurde aufeinander abgestimmt. Bis heute klingen die kirchlichen Klangkörper zusammen mit der ‚Hitler-Glocke‘ im Turm der 1000 Jahre alten Kirche. Sie gehört nach Angaben des ehrenamtlichen Ortshistorikers Eric Hass zu den ältesten Gotteshäusern in Rheinland-Pfalz.

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dpa/hew

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