Bei Fastnachtsumzug in Eppingen

Das Urteil im Hexenkessel-Prozess ist gefallen! 

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Prozessbeginn zu "Hexenkessel"-Unfall

Heilbronn - Bei einem Fastnachtsumzug wird eine junge Frau in einem Hexenkessel verbrüht. Wegen seiner Verkleidung ist der Täter schwer zu identifizieren. Dennoch fiel jetzt ein Urteil!

+++ UPDATE (21. Dezember, 17:30 Uhr):

Es sollte ein Spaß bei einem Fastnachtsumzug sein. Eine junge Frau wird mit den Beinen über einen Kessel mit heißem Wasser gehalten - von einem Teilnehmer, der als Hexe verkleidet ist. Doch dann gerät sie mit den Beinen in den Kessel und wird schwer verbrüht. Wegen seiner Verkleidung ist der Täter jedoch schwer zu identifizieren. Das Amtsgericht Heilbronn hat nun dennoch einen Mann deswegen verurteilt!

Der 33-Jährige sei der fahrlässigen Körperverletzung schuldig, urteilt ein Richter des Amtsgerichts Heilbronn am Freitag. Der Mann muss 110 Tagessätze zu je 60 Euro zahlen – also 6600 Euro. Damit bleibt das Urteil etwas unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger hatte Freispruch für seinen Mandanten gefordert. Er kündigt Rechtsmittel an.

Richter Oliver Raschke sagt in der Urteilsbegründung, Zeugenaussagen seien das mit Abstand unzuverlässigste Beweismittel. Im vorliegenden Fall hätten dazu noch schlechte Bedingungen geherrscht, es sei während des Fastnachtsumzugs dunkel, laut und eng gewesen. Dennoch hätten die Aussagen der verschiedenen Zeugen ein klares Bild ergeben. „Es ist lebensfremd, anzunehmen, dass in dieser Zeit eine andere männliche Hexe mit Fellmantel und Maske da war, um die Frau in den Kessel zu stellen.“ Auf Fotos, die in unmittelbarer zeitlicher Nähe zur Tat aufgenommen worden seien, sei er zu erkennen. „Ich bin überzeugt, dass es sich bei der Hexe mit dem Fellmantel um den Angeklagten handelt.“ 

Der Angeklagte selbst hat im Prozess seine Unschuld beteuert. Das Urteil nimmt der große Mann mit Brille und Bart am Freitag sichtlich schockiert auf. Immer wieder schüttelte er ungläubig den Kopf.

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Am Freitagmorgen halten die Anwälte ihre Plädoyers. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Geldstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung. Der Verteidiger möchte, dass sein Mandant frei gesprochen wird! Ein Urteil könnte noch heute fallen.  

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, er habe am 3. Februar bei dem Fastnachtsumzug in Eppingen bei Heilbronn als Hexe verkleidet eine 18 Jahre alte Zuschauerin schwer an den Beinen verbrüht. Die Fastnachtsgruppe „Bohbrigga Hexenbroda“ hat sich wegen des Vorfalls inzwischen aufgelöst. Nach Überzeugung der Staatsanwältin ist der 33 Jahre alte Angeklagte durch mehrere Zeugenaussagen als derjenige identifiziert, der die junge Frau hochgehoben und in den Kessel mit heißem Wasser gestellt hat. 

Die Aussagen der anderen Mitglieder der Hexengruppe, von denen niemand etwas mitbekommen haben wollte, hielt die Anklagevertreterin für abgesprochen. Sie wertete die Tat als Augenblicksversagen und forderte eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 65 Euro. 

Der Verteidiger wies dagegen auf zahlreiche Widersprüche in den Zeugenaussagen hin. Er kritisierte die Ermittlungsarbeit der Polizei. Es seien schwere Fehler zum Beispiel bei der Vorlage von Fotos gegenüber Zeugen gemacht worden. 

Polizei und Staatsanwaltschaft seien vom Ermittlungseifer gepackt worden, sagte der Rechtsanwalt. Dass die Ermittlungsverfahren gegen 18 andere Mitglieder der Hexengruppe eingestellt wurden und sein Mandant auf der Anklagebank sitze, sei ein „Paradebeispiel für Willkür.“ Der 33-Jährige beteuerte seine Unschuld.

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5. Dezember (13:06 Uhr):

 Entgegen der Erwartungen eines baldigen Urteils, könnte sich der Prozess um die schwere Verbrühung einer jungen Frau bis ins nächste Jahr ziehen! Die intensive Befragung der mehr als 40 Zeugen aus verschiedenen Fastnachtsgruppen dauert am Mittwoch an. Die Beweisaufnahme könne voraussichtlich erst bei einem zusätzlich vereinbarten Prozesstag am 21. Dezember abgeschlossen werden, sagt Richter Oliver Raschke am Amtsgericht Heilbronn. Ob zwischen den Jahren die Schlussvorträge gehalten und ein Urteil gefällt werden könnten, sei unklar.

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7:17 Uhr: 

Das Urteil gegen den 33-jährigen Angeklagten könnte schon am Mittwoch gesprochen werden. Das berichtet die Deutsche Presse Agentur. Zunächst werden in der Verhandlung noch weitere Zeugen gehört. Gegen Mittag könnten aber die Schlussvorträge gehalten und die Entscheidung des Amtsgerichts Heilbronn verkündet werden.

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15 Uhr:

Ich habe liebend gerne Kleider getragen“, berichtet die 18-Jährige, die bei einem Fastnachtsumzug im Februar 2018 in einem kochende Hexenkessel gestanden haben soll, am Montag (3. Dezember) am Amtsgericht Heilbronn unter Tränen. Kleider tragen – das ginge nun nicht mehr: Ihre Beine sind schwer vernarbt. Seit damals, als sie über Wochen mit schwersten Verbrühungen im Krankenhaus behandelt werden musste.

Als Hexen verkleidete Menschen heben sie bei einem Umzug in Eppingen über einen Show-Kessel mit brühend heißem Wasser. Plötzlich steht die junge Frau mittendrin – schreit vor Schmerzen. 

Der 33-jährige Tatverdächtige, der seit Montagmorgen auf der Anklagebank sitzt, streitet die Tat ab.

43 Zeugen hat das Amtsgericht auf der Liste. Schon am ersten Tag wird aber deutlich, wie schwierig die Suche nach dem Täter ist. Etliche Hexen auch anderer Gruppen waren auf dem Markt unterwegs. Der zu Showzwecken auf einem Bollerwagen mitgeführte Kessel war frei zugänglich. „Von uns war das keiner“, sagt der 33-Jährige in einer Prozesspause. Die Gruppe „Bohbrigga Hexenbroda“ habe sich wegen des Vorfalls aufgelöst. „Das war ja eine echte Hexenjagd“, sagt er. Der ganze Nachtumzug findet bis auf Weiteres nicht mehr statt.

Am 3. Februar sind die „Bohbrigga Hexenbroda“ eine der letzten von 77 Teilnehmergruppen beim Eppinger Nachtumzug. Gegen 21:30 Uhr kommen sie auf dem Markt an, mehrere Tausend Zuschauer warten laut Anklage dort. Es ist dunkel und laut. Auf einem Bollerwagen ziehen sie einen Kessel mit brühend heißem Wasser, angeheizt von einem Holzofen darunter. Immer wieder mal hebt eine Hexe den Deckel, lässt zur Show Dampf entweichen. Derweil machen die anderen Hexen - wie üblich - mit den Zuschauern allerlei „Späßle“, wie ein Zeuge beschreibt.

Ein Freund neckt die 18-Jährige, schiebt sie in Richtung der Hexen. Sie könnten sie ruhig mal ein Stück mitnehmen, scherzt er. Die Hexe mit dem Fellmantel greift zu, wie am Montag mehrere Zeugen sagen. Die junge Frau wird, von wem auch immer, über den Kessel gehoben, wo sie der Hexe aus dem Griff rutscht und ins Wasser gerät.

Sie habe im Kessel gestanden, erzählt die 18-Jährige. Ein Bekannter habe sie rausgezogen. Nach ein paar Schritten zurück zu ihrer Gruppe sei sie zusammengebrochen. Mehrere Wochen muss sie ins Krankenhaus. Ihr muss Haut transplantiert werden. Da Gefäße verletzt sind, kann sie eine Weile weder laufen noch richtig sitzen. 

Den 33-Jährigen kann sie am Montag vor Gericht nicht als die Hexe identifizieren, die sie über den Kessel gehalten hat. Wie auch? Er war wie alle Hexen verkleidet. Seine Maske hat der Angeklagte zu Anschauungszwecken mit in den Saal gebracht. Dem Angeklagten drohen bei einer Verurteilung bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe. Das Verfahren wird am Mittwoch fortgesetzt.

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3. Dezember (9:44 Uhr):

Zehn Monate nach der schweren Verbrühung einer jungen Frau mit heißem Wasser bei einem Fastnachtsumzug muss sich ein 33-Jähriger vor dem Amtsgericht Heilbronn verantworten. Ihm wird am Montag fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Dem Angeklagten drohen bei einer Verurteilung bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe.

Gegen 8:30 Uhr startet der Prozess. Der Angeklagte weist die Vorwürfe zurück. Es sitze der Falsche auf der Anklagebank, sagt der Rechtsanwalt des 33-Jährigen. Sein Mandant sei „von den Socken" gewesen, als er gehörte habe, dass er derjenige gewesen sein soll, der bei dem Umzug die Zuschauerin über einen Kessel mit brühend heißem Wasser gehalten haben soll. Dem Mann wird fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen.

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30. November (11:25 Uhr):

Ein Kessel, in dem sich bei einem Fastnachtsumzug eine junge Frau mit heißem Wasser an den Beinen verbrüht hatte, steht vor einer Polizeiwache.

Eigentlich soll es ein lustiger Tag auf einem Fastnachtsumzug in Eppingen Anfang Februar werden – doch für eine damals 18-Jährige endet er im Krankenhaus. Ein Mitglied aus der Gruppe „Bohbrigga Hexenbroda“ soll die junge Frau über einen Kessel gehalten haben – gefüllt mit kochendem Wasser. Dadurch erleidet sie schwere Verbrühungen an beiden Beinen!

Ab Montag (3. Dezember) muss sich der vermeintliche Täter wegen fahrlässiger Körperverletzung vor dem Amtsgericht Heilbronn verantworten. Der damals 32-Jährige soll die 18-Jährige über den Kessel gehalten und sie fallen gelassen haben. Der Angeklagte schweigt bisher zu dem Vorfall.

Seit dem Vorfall hat die Polizei 1.000 Bilder und Videos ausgewertet. Da alle Mitglieder eine Maske trugen, gab es noch 18 weitere potentielle Verdächtige. Sollte der Angeklagte verurteilt werden, drohen ihm bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe! In dem Prozess sollen 43 Zeugen aussagen.

dpa/dh/rob

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