Wegen Betruges

Haftstrafe – Urteil im Fall Fürniß

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Heidelberg – Wegen Betrugs steht der Ex-Oberbürgermeister von Wiesloch und frühere Brandenburger Wirtschaftsminister, Wolfgang Fürniß (CDU), vor Gericht. Jetzt ist das Urteil gefallen. 

Dr. Wolfgang Fürniß verzieht keine Miene, als am Mittwochmorgen am Landgericht Heidelberg das Urteil gegen den früheren Brandenburger Wirtschaftsminister verkündet wird: Drei Jahre Haft. Wegen Betruges ist der 70-Jährige in allen 20 Anklagepunkten schuldig gesprochen worden. 

Das umfassende Geständnis zu Prozessbeginn, die finanzielle Situation während des Tatzeitraums, das vorgerückte Alter, der gesundheitliche Zustand sowie die Strafempfindlichkeit des Ex-Oberbürgermeisters von Wiesloch wurden zu Gunsten des Angeklagten ausgelegt. 

„An dem hohen Gesamtschaden kommen wir jedoch nicht vorbei“, sagt der Vorsitzende der Strafkammer und begründet somit die Haftstrafe von drei Jahren. 

Der Rat an meinen Mandanten wird sein, das Urteil zu akzeptieren“, teilt Verteidigerin Andrea Combé nach der Urteilsverkündung mit. „Wir haben nicht mehr mit einer bewährungsfähigen Strafe gerechnet.“

Auch der Staatsanwalt gibt zu verstehen, dass er nach Prüfung des Urteils keine Revision einlegen wird: „Das Urteil ist ohne jeden Zweifel noch Tat- und Schuldangemessen.

Die Plädoyers 

Wegen 18-fachen Betruges und dem Betrug in zwei besonders schweren Fällen forderte der Staatsanwalt Markus Schmitt bereits am letzten Verhandlungstag eine Haftstrafe in Höhe von vier Jahren. 

Hoffnung auf verminderte Schuldfähigkeit konnte sich der Angeklagte wohl nicht machen: Der Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Hartmut Pleines, attestierte Fürniß keine psychische Erkrankung. 

Folglich gilt die volle Schuldfähigkeit. 

Verteidigerin Andrea Combé bat in ihrem Plädoyer um ein Urteil, das dem gesundheitlich angeschlagenen 70-Jährigen „eine Lebensperspektive bietet".

Der letzte Prozesstag

Bereits am letzten Verhandlungstag brachte Fürniß vor dem Heidelberger Landgericht noch einmal zum Ausdruck, wie sehr er sein Lügengebilde und den Betrug von Nahestehenden bereue: „Ich bekam eine Seite von mir gezeigt, die mir selbst völlig fremd war.  Heute bin ich froh, dass ich angezeigt wurde und aus dem Teufelskreis ausbrechen konnte“. 

Der Vorwurf

Zwischen 2009 und 2014 soll Wolfgang Fürniß in zwanzig Fällen Freunde und Bekannte um insgesamt rund 500.000 Euro gebracht haben. 

Stimmen nach der Urteilsverkündung 

Zuschauer im Saal sind über das Urteil dennoch empört. „Ich bin kein Jurist, aber ich hätte mit vier Jahren gerechnet“, sagt ein alter Bekannter, als Fürniß nach dem Prozess an ihm vorbeiläuft. „Das ist zu wenig. Wo hat er das ganze Geld hingebracht? Ich kapiere nicht, wie man 20 Jahre Freundschaft auf diese Weise killt“, ärgert sich ein Zeuge und ehemaliger Freund des Angeklagten. 

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch Dr. Wolfgang Fürniß haben nun eine Woche Zeit, gegen das Urteil Berufung einzulegen. 

>>> Ex-OB Fürniß: „Ich schäme mich für mein Handeln!"

>>> Ex-Wirtschaftsminister Fürniß angeklagt

lin

Quelle: Heidelberg24

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