Spürnasen mit Biss

Helden auf vier Pfoten: Ein Training mit der Polizeihundestaffel!

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Training mit der Polizeihundestaffel vom Polizeipräsidium Mannheim

Heidelberg - Mit perfekter Spürnase, bedingungsloser Treue und viel Mut begleiten die Polizeihunde der Region ihre zweibeinigen Kollegen. Wir haben sie beim Training im Patrick Henry Village besucht: 

Seit Ende des 19. Jahrhunderts wird der beste Freund des Menschen im Polizeidienst eingesetzt. Seitdem sind die Vierbeiner zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Polizeiarbeit geworden. Sie spüren Sprengstoffe und Waffen auf, finden Rauschgift in den ausgefallensten Verstecken und können sogar Leichen- oder Blutspuren erschnüffeln. 

Rund 40 Beamte und 50 Hunde sind derzeit bei der Polizeihundeführerstaffel des Präsidiums tätig, die seit 2014 Standorte in Mannheim und Heidelberg hat. Die Vierbeiner verbringen nicht nur den Dienst mit ihren Hundeführern, sondern gehen nach Feierabend auch mit ihnen nach Hause. Wenn ein Polizeihund zu alt für seinen Dienst ist, verbringt er seine Ruhestand ebenfalls bei Herrchen oder Frauchen.

Polizeihunde sind im Einsatz mit verschiedensten Situationen konfrontiert, die regelmäßig trainiert werden müssen. Wir begleiten einige Polizeihundeführer mit ihren vierbeinigen Kollegen am Dienstag (13. November) zum Training auf dem Gelände des Patrick-Henry-Village.

Erste Station: die ehemalige Middle School

Im alten Chemieraum der Schule versteckt Thomas Boris, Ausbilder der Hundetstaffel beim Polizeipräsidium Mannheim, kleine Mengen Amphetamin, Kokain und Ecstasy – beschlagnahmte Substanzen aus dem Fundus des Landeskriminalamtes, die der Hundestaffel zu Trainingszwecken zugeteilt werden.

Die Polizeihunde erschnüffeln mit ihren feinen Nasen auch kleinste Mengen verschiedener Rauschgifte. 

Dann kommt der fünfjährige Ninko mit seiner Hundeführerin zum Einsatz. Der Schäferhund erschnüffelt blitzschnell die versteckten Drogen in Schränken und Heizung. Sobald er etwas gefunden hat, erstarrt der Vierbeiner. Dieses antrainierte „Einfrieren“ dient nicht nur der Sicherheit des Polizeihundes – etwa bei der Sprengstoffsuche – sondern verhindert auch, dass er wichtige Spuren zerstört. 

Drogenspürhund Ninko beim Training

Nach der Arbeit kommt das Vergnügen. Sobald Ninko das versteckte Rauschgift gefunden hat, darf er mit seinem Lieblingsspielzeug toben. Der ausgeprägte Spieltrieb der Hunde wird bereits in ihrer Ausbildung genutzt: Das Training beginnt mit Spielzeugen, die die Tiere suchen müssen. Nach und nach kommen dann die verschiedenen Substanzen ins Spiel – vom geruchsintensiven Marihuana bis zu Substanzen wie Ecstasy, die eine menschliche Nase nicht riechen kann. 

Zweite Station: Action in der Schul-Turnhalle

Jeder Vierbeiner bei der Polizei wird auch als Schutzhund ausgebildet. Das bedeutet, dass die Hunde nicht nur in der Lage sind, Fährten und Spuren zu verfolgen, sondern sich auch „kontrolliert aggressiv“ gegenüber Angreifern zu verhalten. Wie gut das Zusammenspiel zwischen Tier und Hundeführer funktioniert, zeigt der vierjährige Polizeihund Kox mit seinem Herrchen in einer der Schul-Turnhallen. Thomas Boris – natürlich in Schutzausrüstung – übernimmt die Rolle des „Störers“, den Kox angreifen und abwehren soll. 

Kox greift auf Kommando an

Für den Hund gar nicht so einfach, denn der Boden der Halle ist extrem glatt. Boris hat dieses Umfeld bewusst gewählt: „Die Hunde müssen auf jedem Grund Geschwindigkeit aufnehmen und unter Belastung arbeiten können. Wenn der Hund das meistert, schafft man für ihn auch ein positives Erlebnis.“

Ein Polizeihund soll jedoch nicht immer gleich zubeißen. Er muss Angreifer auch ohne den Einsatz seiner Zähne abwehren können – zum Beispiel wenn unbeteiligte Menschen am Einsatzort sind. Zu diesem Zweck bekommen die Tiere einen „Beißkorb“ angelegt. Hier ist voller Körpereinsatz gefragt – was der vierjährige Kox beeindruckend umsetzt. „Der Hund muss dabei auch das Vertrauen seines Führers spüren. Nur so kann das Tier so sicher und stark auftreten“, erklärt Boris das besondere Verhältnis zwischen Hund und Polizist. 

Perfektes Team: Polizeihund und Hundeführer

Dritte Station: Trainings-Einsatz in der Wohnung

Wenn sich ein Täter in einem Gebäude versteckt, können die Polizeihunde ihn mit ihren feinen Nasen viel schneller finden, als es ein Mensch das schaffen würde. Auch dieses Szenario wird in einer der verlassenen Wohnungen auf dem ehemaligen US-Militärgelände trainiert. 

Polizeihund Ninko will bei dieser Trainingseinheit im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Kopf durch die Wand: Den in der Küche versteckten Polizeibeamten findet der Vierbeiner schnell – das Hindernis, eine Waschmaschine, wird einfach mit voller Kraft zur Seite geschoben – Mission erfüllt, Täter geschnappt.

Gefährlicher wird es, wenn sich ein Mensch in seiner Wohnung verbarrikadiert, der bewaffnet ist oder als gewalttätig eingestuft wird. In dieser Situation ist es die Aufgabe des Hundes, seinem Zweibeiner zu zeigen, welcher Raum sicher ist – und im welchen sich der Täter aufhält. 

Die Polizeihundestaffel trainiert regelmäßig im Patrick-Henry-Village.

Bei den meisten Hunden im Polizeipräsidium handelt es sich übrigens um Deutsche und Belgische Schäferhunde. Diese Rasse hat sich über die Jahre bewährt und zeichnet sich durch hohe Arbeitsbereitschaft, Robustheit und Intelligenz aus. Mit etwa zwei Jahren legen die jungen Hunde ihre Praxisprüfung ab, um mit ihrem Zweibeiner in den Polizeidienst einzutreten. In ihrer gesamten Dienstzeit werden die Hunde immer wieder geprüft – schließlich tragen die Helden auf vier Pfoten eine große Verantwortung.

kab

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